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Gesundheit!: Die Grippewelle nähert sich dem Ende

Gesundheit! : Die Grippewelle nähert sich dem Ende

Auch wenn die Krankenkassen dieses Jahr erstmals den Vierfachimpfstoff zahlen, sind aktuell höchstens 25 Prozent der Bevölkerung geschützt.

Wer nach aktuellen Zahlen einer Grippesaison fragt, der läuft auch beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin ins Leere. Wie eine Saison gelaufen ist, wird erst im September des jeweiligen Jahres veröffentlicht. Fürs vergangene Jahr klangen die Werte dramatisch: neun Millionen Arztbesuche, 45 000 Krankenhauseinweisungen und 1674 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion – das waren die Zahlen, die das RKI in seinem Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18 veröffentlichte. Es war eine schwere Grippesaison, bestätigt auch Susanne Glasmacher, Biologin und RKI-Sprecherin. Auch im Jahr davor hätten das Saarland und auch Rheinland-Pfalz im Bundesvergleich sehr starke Grippewellen verzeichnet. Als Indiz nimmt sie die Zahl der Arztbesuche (sogenannter „Praxisindex“), die das RKI ermittelt. In der Saison 2016/17 war die Zahl in den beiden Bundesländern in der Spitze rund dreimal so hoch wie üblich, vergangenes Jahr sogar über dreieinhalb Mal. Ab der 13. oder 14. Woche sanken die Werte auf ein normales Maß. Dieses Jahr startete die Welle in der zweiten KW, aktuell läuft sie noch, doch ihr Höhepunkt ist seit einigen Wochen überschritten. In der Phase gingen die Leute „nur“ doppelt so oft zum Arzt wie sonst.

Grippewelle? Grippesaison? Was ist eigentlich der Unterschied? Glasmacher schildert, dass die Begriffe häufig falsch benutzt würden. Die Saison, das sei der Zeitraum, in dem die Grippe allgemein zirkuliert – gemeinhin Oktober bis Mai. In dem Zeitraum veröffentliche die Arbeitsgemeinschaft Influenza wöchentlich Berichte zur Grippesituation. Im Sommer erschienen diese nur monatlich, weil kaum Influenzafälle auftreten. Die Grippewelle hingegen sei ein gehäuftes Auftreten von Influenzafällen. Das RKI erhalte regelmäßig Rachenabstriche aus gut 100 Arztpraxen von Leuten mit Grippesymptomen aus dem ganzen Bundesgebiet. Wenn jeder Fünfte davon mit Influenzaviren infiziert sei, spreche man von einer Grippewelle. Sinke der Wert, sei die Welle beendet.

Es gibt verschiedene Typen von Influenza-Viren (A, B, C). Am häufigsten und am gefährlichsten ist der weltweit verbreitete A-Typ, der sich ständig ändert. Das erschwert es, einer Infektion vorzubeugen. Solche A-Viren verzeichne man dieses Jahr fast ausschließlich, erläutert Glasmacher. Im vergangenen Jahr hatte der Virustyp B dominiert – laut ihr eine Seltenheit.

Sie erklärt, dass die Wirkung der Grippeimpfung generell „ein bisschen überschätzt“ werde. „Es ist in fast jeder Saison so, dass die Wirksamkeit nicht so gut ist, wie man es gerne hätte. Wir sind froh, wenn wir im Schnitt 50 Prozent Effektivität haben.“ Meistens sei es aber „deutlich weniger“. Aber: Es sei immer „noch so hoch, dass das Risiko-Nutzen-Verhältnis positiv sei. Und immerhin wurden seit Oktober 2018 600 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion an das RKI übermittelt.

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass die Krankenkassen erstmals den Vierfachimpfstoff zahlen. Das habe sich generell auf die Impfbereitschaft ausgewirkt. Meistens würden 15 bis 20 Millionen Dosen des Impfstoffs verabreicht, damit erreiche man höchstens 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung. Es gebe nun Hinweise des Paul-Ehrlich-Instituts, das die Chargen freigibt, dass eine Million Dosen mehr auf dem Markt seien als im vergangenen Jahr. Besonders in Rheinland-Pfalz aber auch im Saarland wurde der Impfstoff zeitweise sogar knapp.

Die Grippewelle ist in dieser Saison dem Trend entsprechend auch im Saarpfalz-Kreis moderat verlaufen. Wie die Kreis-Pressestelle auf Anfrage mitteilt, treten aktuell nur noch Einzelfälle auf. Es wurden zwischen Januar und dem 3. April bisher 105 Influenza-Fälle gemeldet. Vergangenes Jahr hätten die Fallzahlen „deutlich höher“ gelegen. Weil es bei einer Grippeimpfung zehn bis 14 Tage dauere, bis die schützende Wirkung eintrete, sei jetzt generell keine Impfung mehr zu empfehlen.