Homburger Woche : Mehr Realitätssinn ist gefragt

Das erschütternde Zahlenwerk zum Homburger Kombibad Koi, das unsere Zeitung in dieser Woche präsentierte, hat natürlich für heftige Diskussionen gesorgt. Schuldzuweisungen in alle Richtungen waren zu lesen und hören.

Denen, die dem ÖPP-Projekt von Beginn an kritisch gegenüber gestanden haben, aber den schwarzen Peter zuschieben zu wollen, diese seien wegen ihrer anhaltend lautstarken Kritik für die schlechten Nutzerzahlen des Bades verantwortlich, ist schon ziemlich schräg. Und bereitet Sorgen, weil damit ausgedrückt wird, dass anscheinend jedwelcher Realitätssinn abhanden gekommen ist. Stadt und Stadtrat müssten jedoch schnellstens die Notbremse ziehen, ehe das die Kommunalaufsicht tut.

Das Kombibad stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Die Konkurrenzsituation ist groß, und die öffentlich-private Partnerschaft funktioniert nicht, da die Sanierungskommune Homburg von Beginn nicht nur den Kredit und die Unterhaltungskosten zahlen muss, sondern auch das jährliche Minus trägt. Selbst der Jahrhundertsommer 2018 mit Rekordbesuch konnte die nächste Schieflage nicht aufhalten. Klar ist, es gibt nahezu kein Bad, das schwarze Zahlen schreibt. Aber andere Kommunen haben dann dieses eine Projekt zu bezuschussen. In Homburg werden aber nahezu alle Großprojekte über die Tochtergesellschaft HPS, also mit Gewinnen der Stadtwerke, bezahlt. Das geht in die Millionen und ist das Ergebnis von gravierenden Fehlplanungen der letzten zehn Jahre. Zusatzzahlungen sind zwar der leichtere Weg, sie müssen aber gestoppt werden, dann sieht man weiter. Selbst eine Insolvenz muss noch nicht das Aus für das Koi bedeuten. Das sehen inzwischen auch einige im Rathaus so.

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