Die Erinnerung an abscheuliche Verbrechen darf nicht enden

Die Erinnerung an abscheuliche Verbrechen darf nicht enden

Das Erinnern dürfte niemals enden: Das war die eindeutige Mahnung am Montag in der protestantischen Stadtkirche in Homburg. Hier wurde der Jahrestag der Reichspogromnacht begangen. Auch Schüler brachten sich ein.

Es war der 9. November 1938, als sich die hässliche Fratze des Nationalsozialismus in der Reichspogromnacht für alle sichtbar als das enthüllte, was sie war: Ein Antlitz des Todes. Seitdem gilt dieser 9. November stellvertretend für den öffentlich zur Schau gestellten Hass auf alles Jüdische.

Auch die Homburger Synagoge wurde ein Opfer der Flammen. Und auch in Homburg waren es Bürger, die sich im Mantel des "guten Deutschen" aufmachten, dem Willen des Nazi-Regimes Genüge zu tun. Dass die Seiten dieses dunklen Kapitels in Homburg nicht zugeschlagen werden - dafür machen sich engagierte Bürger, die Politik, die Kirchen, Schulen und andere Organisationen stark. Eines der sichtbarsten Zeichen dieses Widerstandes gegen das Vergessen ist die Gedenkfeier in der protestantischen Stadtkirche, inzwischen im besten Sinne eine Homburger Tradition. So versammelten sich auch gestern wieder Bürger, Vertreter vieler gesellschaftlicher Gruppen, Schüler des Saarpfalz-Gymnasiums und Konfirmanden der protestantischen Kirchengemeinde Bruchhof-Sanddorf im großen Kirchenschiff, um mit Worten zu Taten aufzufordern. Hauptredner der von Pfarrerin Petra Scheidhauer in verbindende Worte gekleidete Gedenkveranstaltung waren die Schüler und Konfirmanden. Aber auch Doris Jacobs vom Bündnis "Homburg - vielfältig statt einfältig" und Professor Herbert Jochum, katholischer Vorsitzender der christlich-jüdischen Arbeitsgemeinschaft Saarland, wandten sich an die Gäste. Gerade Jochum erinnerte nachdrücklich an ein zweites dunkles Kapitel deutscher Geschichte - an das Verdrängen der eigenen Schuld im Nachkriegsdeutschland. Von "Erinnerungsverweigerung" sprach Jochum. Letztlich sei es aber nach Jahrzehnten gelungen, das Verdrängen zu verdrängen. Entstanden sei die Bereitschaft zu einer mitunter schmerzhaften Konfrontation mit der eigenen Geschichte. Nach der von Musikgruppe "Mit Herz, Mund und Händen" gestalteten Veranstaltung in der Stadtkirche ging es dann in die Ruine der Synagoge. Dort richtete zum Abschluss Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind das Wort an die Gedenkenden.

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