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Die Corona-Krise wirkt sich auch bei Landwirten im Saarpfalz-Kreis aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Viele Umstellungen in Corona-Krise : Corona macht auch Landwirten zu schaffen

Die Menschen kaufen mehr ein, essen aber nicht in Restaurants und Kantinen. Das verändert Warenströme und fordert die Landwirte.

Die Corona-Krise bringt normalerweise keine guten Nachrichten mit sich, manchmal gibt es sie aber doch: Zwar haben auch Landwirte gerade mit Problemen zu kämpfen. Doch eine Sache wertet Richard Schreiner, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, als positiv: „Wir sind wieder systemrelevant.“ Die Menschen bekommen mit: Es werden Nahrungsmittel gebraucht. Das was bislang für selbstverständlich genommen wurde, sei angesichts manchmal leerer Regale „eine ganz andere Sache“. Es sei wichtig, „dass wir vor Ort produzieren“, betont Schreiner, man solle sich hier nicht von anderen Ländern abhängig machen.

Trotzdem ist die Lage für die Landwirte im Saarpfalz-Kreis zumindest sehr durchwachsen. Einerseits ist die Nachfrage in den Märkten und an den Ladentheken hoch, gleichzeitig ist aber das Geschäft im Hotel- und Gaststättenbereich eingebrochen. Auch die Schulessen und die Versorgung in Kantinen fallen weg. Es sei für jeden eine besondere Situation, sagt der Kreisbauernchef. Und es ist eine, die differenziert betrachtet werden muss.

Eine Herausforderung: Die Warenströme haben sich sehr schnell und tiefgreifend verändert. Anfangs, drei Wochen ist das jetzt her, seien die Anfragen gekommen, „dass wir mehr liefern sollen“. Es habe einen erhöhten Auftragseingang gegeben, gerade bei den Molkereien, der aber nicht sofort bedient werden konnte. Die Werke seien sowieso ausgelastet, erklärt er. Mittlerweile ist die Situation wieder eine andere, habe sich etwas gedreht durch die Schließung von Gaststätten und Großküchen. Die Großabnehmer brechen also weg.

Man brauche aber etwa ganz unterschiedliche Packungsgrößen, andere Maschinen je nach dem, ob man an den Einzelhandel oder an Großabnehmer liefere. Die Formel: Es ist ja die gleiche Menge an Menschen da, die jetzt eben zu Hause sind, gehe nicht auf. Es lässt sich nicht so schnell umstellen, „es ist wie ein Stau auf der Autobahn“, so Schreiner. Daher komme es beispielsweise bei Molkereien derzeit darauf an, wer wie aufgestellt ist bei den Produkten.

Die Schlachthöfe seien derzeit zurückhaltend bei der Annahme, aktuell von Mastkälbern. Sie könnten nicht kalkulieren, ob der Abverkauf erfolge. Preise fallen, erläutert Schreiner. Warum das so ist, sei schwierig einzuschätzen. Die Metzgereien im Kreis haben jedenfalls derzeit viel zu tun, auch weil wegen der neuen Regeln jetzt nur noch zwei bis drei Kunden in die Läden kommen dürfen. Gefragt sind jetzt vor den anstehenden Osterfeiertagen Lammfleisch, aber auch Kalb, so das Ergebnis einer kleinen Umfrage. Wobei es auch hier stark auf den einzelnen Betrieb und seine Ausrichtung ankommt. Wer stark im Cateringgeschäft engagiert war, hat natürlich Einbußen zu verkraften.

Schreiner weist auf ein weiteres Problem hin: Kälber müssten immer auf bestimmte Krankheiten getestet werden. Allerdings werde das im Saarpfalz-Kreis bislang dafür genutzte Labor ab dem 9. April für diese Untersuchungen geschlossen, da es sich auf solche im Zusammenhang mit dem Corona-Virus spezialisiere. „Da müssen wir uns jetzt neu orientieren.“

Beim Gemüseanbau sind die Schwierigkeiten mit den fehlenden Erntehelfern zwar nun gelockert. Landwirtschafts- und Innenministerium haben sich auf die Einreise von Erntehelfern geeinigt, unter Auflagen und bis zu einer bestimmten Zahl. Allerdings sei offen, ob die anstehenden Spargel und Erdbeeren auch verkauft werden und wie. Wer normalerweise Großabnehmer hat, sei nicht darauf eingestellt, an einzelne Leute zu verkaufen. „Sie haben ja gar nicht die Leute dazu.“ Das seien alles eingespielte Wege, da müssten erst einmal andere gefunden werden, erklärt Schreiner.

Generell ist zu bedenken: Die Menschen essen und trinken zwar auch in den eigenen vier Wänden, aber ob es dann unbedingt das ist, was sie auch in einem Restaurant bestellen würden, ist eine ganz andere Sache.

Selbst wenn alles über Corona spricht, spielt für Landwirte das Wetter und damit die Klimakrise eine zentrale Rolle. Und auch da zeigt sich ein Problem. Nach den gigantischen Regenmengen im Winter, gerade im Februar, schwenke dies nun ins Gegenteil um. Für die Pflanzen in der Wachstumsphase fehle der Regen. So liege das Sommergetreide völlig trocken im Boden, könne nicht keimen. Die Vegetationsperiode sei dadurch verkürzt. Verschärfend komme hinzu, dass es zusätzlich erst später eingesät werden konnte: Vor vier Wochen waren die Böden noch zu nass. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. „Wir warten auf Regen“, sagt Schreiner. Bereits jetzt sei klar: Es werde einen geringeren Ertrag geben.

Für die Pflegearbeiten war das trockene Wetter der vergangenen Wochen allerdings optimal.

Die Nachfrage nach Fleisch ist da, doch andererseits sind Restaurants als Abnehmer weggefallen.  Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Und für Schreiner kam dann auch noch eine Auswirkung der mit der Corona-Krise verbundenen Einschränkungen zum Tragen: Da es wegen der allgemeinen Absage von Veranstaltungen für ihn wie für andere keine Termine, etwa des Verbands, gab, habe er mehr Zeit gehabt, seine Arbeit auf dem Hof zu erledigen.