Detlev Schöner eröffnet in Jägersburg die Sommerreihe

Kultur im Museum : Sprachwitz ist sein besonderes Talent

Detlev Schönauer gastierte in der Jägersburger Gustavsburg und sorgte für viel Gelächter im Publikum.

Was macht ein gebürtiger Hesse, der sich auf einer Bühne im Saarland als Franzose ausgibt?

Im Fall von Detlev Schönauer, der als seine französische Figur Jacques am Donnerstagabend an der Gustavsburg in Jägersburg auftrat, war es so, dass der Komiker sich sehr viel mit der Sprache an sich beschäftigte.

Als er als angeblicher Franzose einst im Saarland hängenblieb, sei das schwer gewesen – „es kann ja hier keiner Deutsch“. Da hieße es heute immer, die Ausländer sollten Deutsch lernen, aber „das spricht doch hier keiner“, so Schönauer alias Jacques.

All die Besonderheiten im saarländischen Dialekt nahmen einen großen Teil des Programms ein. Etwa die sächliche Bezeichnung von Frauen als „es“, der Gebrauch der Verben „holen“ statt „nehmen“ und „geben“ statt „werden“ oder das ständige Verwenden des Ausdrucks „oh leck“. Letzteres um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen, wie Schönauer vermutete.

Die wundersamen meteorologischen Ausdrücke, etwa „’s räänt“ oder „’s dribbst“ sorgten schon für Heiterkeit, die sich dann noch steigerte, als Jacques meinte, der Saarländer habe doch recht, wenn er davon spricht, dass es „schneet“ statt „schneit“ - oder sei das nicht etwa „Schnee“, sondern „Schnei“, was da vom Himmel falle.

Dass der Komiker nicht konsequent beim Akzent und Werdegang seiner Figur Jacques blieb (zwischendurch rutschte er ins Hessische oder erzählte von deutscher Fernsehwerbung der siebziger Jahre), schadete dem Auftritt nicht. Allerdings zeigte sich der 65-Jährige nicht gerade auf der Höhe der Zeit, als er sich darüber beklagte, dass Jugendliche ihre Idole im Privatfernsehen kennenlernten und diese Verona Pooth, Naddel oder Daniela Katzenberger hießen. Diesbezüglich schien er vor zehn Jahren stehengeblieben zu sein. Das Publikum blieb trotzdem fast durchgehend am Kichern, da Schönauer es geschickt verstand, die Pointen zu setzen. Schwieriger war es mit den doch arg kühlen Temperaturen – 13 Grad zeigte das Thermometer, als gegen halb elf das Programm zum Ende kam. Dass es trotzdem langen Applaus und Zugabewünsche der 130 Zuschauer gab, ist umso höher zu bewerten.
Den Jacques, so erzählte Schönauer im Gespräch in der Pause, habe er sich 1986 ausgedacht, in dem Jahr, als in Tschernobyl das Atomkraftwerk außer Kontrolle geriet und die Franzosen Cattenom anschalteten. „Die Franzosen hatten da ja nie ein Problem, da die Wolke aus Tschernobyl um Frankreich herum ging“, meinte der 65-Jährige sarkastisch.

Damals habe er die Figur des radioaktiven Animateurs Jacques Leclerc vom Ferienclub Saint Becquerel erfunden. Die Nummer sei inhaltlich sehr böse gewesen, habe aber durch den französischen Akzent so freundlich geklungen. „Ein, zwei Jahre später hat mich der saarländische Rundfunk für eine Glosse gefragt, da ist mir die Figur wieder eingefallen. Der Jacques kann halt böse Sachen sagen, ohne ein Nestbeschmutzer zu sein.“

Diese Strategie verfolgte Schönauer in Jägersburg vor allem während der kurzen Ausflüge ins Politische: Da mokierte er sich über die politkorrekten Verbote der Begriffe Negerkuss und Mohrenkopf und fragte sich, ob man bald auch nicht mehr Führerschein sagen dürfe.

Möglicherweise würde selbst der Begriff „Grüner“ irgendwann durch den Ausdruck „biologisch abbaubarer Dummschwätzer“ ersetzt. Darauf angesprochen, dass es außergewöhnlich sei, dass ein Kabarettist ausgerechnet auf die derzeit so ungeheur beliebten Grünen draufhaue, meinte Schönauer, einer müsse das doch tun.

Er sehe sich aber gar nicht als politischen Kabarettisten. Stimmt, überwiegend überzeugte Schönauer mit Sprachwitz, mit seiner Fähigkeit, viele Dialekte zu beherrschen und mit überspitzten gesellschaftlichen Analysen: So würden sich viele über ihr Aussehen beklagen, weil sie von diesem zu viel und von jenem zu wenig hätten. Aber dass jemand sage, „och, ich hab so wenig Verstand“, das sei ihm noch nie begegnet. Oder: Dass sonntags in der Kirche nur noch ein paar alten Mütterchen hockten. „Warum? Vermutlich. weil der Doktor am Sonntag zu hat!“.

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