Der Skandal entpuppt sich als Hokuspokus

Der Skandal entpuppt sich als Hokuspokus

Curt Goetz' Verwirrspiel „Hokuspokus“ zählt zu den Klassikern der neueren Theaterliteratur. Die Inszenierung in Schwarz-Weiß-Optik, die das Filmtheater Köln in Homburg zeigte, begeisterte das Publikum.

Was, wenn nichts so ist, wie es eigentlich scheint? Was, wenn Gut und Böse kaum zu unterscheiden sind? Und wenn man auf der Suche nach eben diesem Unterschied erkennt, dass alles irgendwie gut ist und eigentlich gar nichts böse? Wenn man am Ende einfach nur einem "Hokuspokus" aufsitzt? Genau mit diesem Titel überschrieb Curt Goetz in den 1920 Jahren sein Theaterstück - später mehr als einmal verfilmt, mal für den deutschen Sprachraum, mal für den englischen.

Es schwang also jede Menge Theatergeschichte mit, als das Filmtheater aus Köln Goetzens Werk auf die Bühne des Homburger Kulturzentrums Saalbau brachte - als Krimi-Komödie in Schwarz-Weiß. Dieser deutlichen Reminiszenz an die Geschichte des Stücks verschaffte das Ensemble um Kirsten Lange (Adga Kjerulf), Dirk Hermann (Peer Bille), Dirk Volpert (Gerichtspräsident), Markus Veith (Staatsanwalt/Mr. Graham), Joeri Burger (Butler/Sedal/Onano/Kiebutz) und Saskia Leder (Frau Engstrand und Regie) mit einer massiv farbreduzierten Inszenierung Bedeutung: Die Gesichter fahl geschminkt, die Garderobe und Requisiten nicht minder frei von Farben kam "Hokuspokus" buchstäblich als Schwarz-Weiß-Theaterstück daher. Eine wirklich nette Idee. Das ließ auch Raum, sich auf die Arbeit der Schauspieler zu konzentrieren.

Die hatten sich durch ein Paradebeispiel der Verwirrung zu manövrieren: Die junge Witwe Agda Kjerulf ist angeklagt, ihren Mann ermordet zu haben. Ein stabile Indizienkette scheint dies zu beweisen. Vor diesem Hintergrund scheint (und dieses Wort hat bei "Hokuspokus" eine ganz entscheidende Bedeutung) eine Verurteilung von Adga für Staatsanwalt und Gerichtspräsident nur eine Formsache. Bis, ja bis mit Peer Bille ein neuer Verteidiger den Gerichtssaal betritt - und Schein und Sein über das Stück hinweg einen sehens- und hörenswerten Pax de Deux auf die Bühnenbretter legen. Am Ende ist nichts mehr so, wie es am Anfang wirkte: Der Anwalt entpuppt sich als Geliebter von Agda, der Mord als einer, der gar keiner ist. Die Inszenierung des Filmtheaters entpuppte sich als dem Stoff gewachsen. Es wurde kräftig gesplappstickt, auch mal gekalauert - es opferte sich aber nie wirklich jemand für einen nur durchwachsenen Gag.

Richtig viel zu tun und mit einem wohl temperierten Maß an Situations- und Sprachkomik, gepaart auch mal mit ein bisschen Akrobatik, hatte Joeri Burger, der den Zuschauern im Saal gleich in vier Rollen über den Weg lief. Noch recht am Anfang der Verwirrungsentfaltung sorgte Burger als Zeuge "Onano" im Prozess für Lacher im Rund. "Ein komischer Name. Aber meine Vorfahren stammten aus Saarbrücken." Da hatte das Ensemble kurzerhand mal die Homburger eingefangen und auf seine Seite gezogen. Überhaupt hob sich die Grenze zwischen Bühne und Saal während der Gerichtsverhandlung wunderbar auf - so als der Staatsanwalt das Publikum kurzerhand mit "Geschworene" ansprach und sich Saskia Leder in ihrer Rolle als immer wieder zwischenrufende Zeugin unters zahlende Volk mischte. Es war halt nichts so, wie es schien.

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