Der Narr spielt den Hamlet, oder?

Homburg. "Noch mal von vorn - wir proben", wird dem Publikum verkündet, und dann ist man doch schon mitten im Stück. Aber Achtung, nichts und niemand ist so, wie er oder sie scheinen

Homburg. "Noch mal von vorn - wir proben", wird dem Publikum verkündet, und dann ist man doch schon mitten im Stück. Aber Achtung, nichts und niemand ist so, wie er oder sie scheinen. Liebt Orsino die Gräfin oder nur seine Idee von der Liebe? Wie empfindet Cesario, der eigentlich ein Mädchen ist, das für den Mann, den es liebt, bei einer anderen den Liebesboten spielen muss? Und was treibt der schwermütige Narr, dessen Sprüche "unmodern" geworden sind, inmitten all dieser Liebesirrungen und -wirrungen für ein Spiel? Die Theater-Kompagnie Stuttgart, eine erfreulich junge Truppe aus Theaterschülern und ihren Lehrern, brachte Shakespeares romantische Verwechslungskomödie "Was Ihr wollt" in einer interessanten, eigenwilligen Version auf die Homburger Theaterbühne. Sie stellt den Narr als Fadenzieher der Handlung in den Mittelpunkt, lässt ihn über das Geschehen philosophieren und greift zu diesem Zweck zu Zitaten aus Hamlet. Daher auch der Untertitel der Inszenierung: "Oder spielt der Narr den Hamlet". Shakespeares Text ist behutsam aber nicht übertrieben modernisiert und mit aktuellen Anspielungen versehen, die musikalischen Einlagen der modernen Rockmusik entliehen. Und dennoch ist es echter, purer Shakespeare, den die junge Truppe hervorragend gespielt auf die Bühne bringt: von der lyrisch zarten Stimmung der adeligen Liebespaare bis zum derben Humor der rustikaleren Figuren im Stück. Die Mischung aus Komödie und Tragödie ist sicherlich ein Wagnis, das dem Zuschauer das Verständnis nicht allzu leicht macht. Es regt andererseits dazu an, sich über den Schlussapplaus hinaus mit dem Stück, seinen Aussagen und der Inszenierung auseinander zu setzen, und das sollte modernes Theater auch bewirken. Die 1997 gegründete Truppe aus Stuttgart bemüht sich übrigens sehr darum, junge Menschen für das Medium Theater zu begeistern und bietet zu diesem Zweck auf ihrer Internetseite für Klassen oder Jugendgruppen vorbereitende "Regiegespräche" an. Wäre das nicht eine Anregung an die Homburger Schulen? Die junge Truppe gastiert bereits im nächsten April wieder in Homburg.