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Der heutige Tag ist dem Kuss gewidmet"Es gibt eine schöne saarländische Kusskultur"

Der heutige Tag ist dem Kuss gewidmet"Es gibt eine schöne saarländische Kusskultur"

Homburg. Es gibt bekanntlich keinen Tag im Jahr, der nicht einem bestimmten Ereignis gewidmet ist. Dass man heute, am 6. Juli, die Mädchen mit dem Namen Mariette oder Marietta und Jungs, die Isaia heißen, besonders ehrt, genügte offensichtlich nicht. Nein, es musste für heute noch etwas anderes her. Und wie auch immer, verfielen gewisse Leute darauf, den 6

Immer etwas Besonderes: Der erste Kuss als Ehepaar. Wer sich den in Homburg in besonders schönem Rahmen geben möchte, der kann dies zum Beispiel im Römermuseum in Schwarzenacker tun. Denn hier kann samstags geheiratet werden. Foto: SZ

Homburg. Es gibt bekanntlich keinen Tag im Jahr, der nicht einem bestimmten Ereignis gewidmet ist. Dass man heute, am 6. Juli, die Mädchen mit dem Namen Mariette oder Marietta und Jungs, die Isaia heißen, besonders ehrt, genügte offensichtlich nicht. Nein, es musste für heute noch etwas anderes her. Und wie auch immer, verfielen gewisse Leute darauf, den 6. Juli als Tag des Kusses auszurufen. Wer immer das war, ließ sich gestern auch nach längerer Recherche nicht feststellen. Aber nun haben wir ihn eben, den besagten Tag des Kusses, und er wird gleich von sämtlichen Partnerschaftsagenturen begeistert als "weltweiter Kuss-Tag" bezeichnet. Das ist natürlich Quatsch, wie Ute Grobler, die Leiterin des Homburger Standesamtes, aus Erfahrung weiß: "Küsse sind weltweit nicht überall Brauch. Im Islam ist es nicht üblich, solche Gesten in der Öffentlichkeit auszutauschen. Ich habe da schon negative Erfahrungen bei Trauungen gemacht. Deshalb schlage ich frisch getrauten Paaren aus anderen Kulturkreisen nicht vor, den Hochzeitskuss zu tauschen." In westlich geprägten Ländern, insbesondere auch in Amerika, ist der Hochzeitskuss hingegen fester Bestandteil der Zeremonie, wie man kürzlich auch bei der Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin hat sehen können. Ute Grobler mag dieses kleine Ritual: "Es ist immer eine sehr nette Geste, auf die alle Hochzeitsgäste warten, sie freuen sich mit dem jungen Paar, wenn es sich einen Kuss gibt." Viele Paare würden sich nach der Unterschrift und dem Ringwechsel von sich aus küssen, "aber ich fordere auch gerne dazu auf, wenn ich sehe, dass das Paar sich über den richtigen Moment des Kusses ein wenig unsicher ist." Ute Groblers Satz, man dürfe die Braut jetzt küssen, kommen frisch getraute Paare dann um so lieber nach. Manche wiederholten das Ritual dann auch gerne mehrfach, "das ist dann aber eher als Einlage für den Fotografen gedacht", schmunzelt die Standesbeamtin. Am 6. Juli ist der Tag des Kusses. Was halten Sie von einem solchen internationalen Tag?Bredebusch: Ich finde es lustig, für was es mittlerweile alles Tage gibt. Man könnte sagen, es ist vielleicht etwas übertrieben, aber wenn man es mit Humor nimmt, ist es ja eigentlich auch ganz schön. Gibt es im Saarland eine besondere "Kusskultur"?Bredebusch: Es gibt eine schöne saarländische Kusskultur mit dem rechts und links küssen. Ich bin aus Nordrhein-Westfalen zugezogen. Immer, wenn ich nach Westfalen zurückfahre und bei meiner Familie bin, will ich die alle herzlich rechts und links küssen wie ich das hier im Saarland gewöhnt bin. Wir umarmen uns immer, aber das Küssen gehört nicht zur Kultur. Dieser Begrüßungskuss kann auch ein Vorteil beim Flirten sein. Man hat schon einen ersten Körperkontakt und dann kann das schön wachsen. Wenn man sich beim zweiten Date hier nur steif die Hand geben würde, würde das überhaupt nicht passen.Was muss man tun, damit es nach dem Date zum ersten Kuss kommt?Bredebusch: Also im Prinzip ist es ganz vorteilhaft, wenn vorher schon ein bisschen Berührung da war. Es gibt die Möglichkeit, einfach mal näher zu rücken, eine zufällige Berührung herbeizuführen. Nach einer zufälligen Berührung ist es manchmal ja auch schon so, dass die Hände ergriffen werden und dann ist es der nächste logische Schritt: der Kuss. Spätestens vielleicht beim Nachhausebringen vor der Haustür oder beim ans Auto bringen. Aus meiner Sicht können auch Frauen den ersten Schritt machen, wenn Männer nicht die Initiative ergreifen. Wobei es vielen Männern doch lieber ist, wenn sie den ersten Schritt machen dürfen. Gibt es Gesten, die man deuten kann, um zu wissen, das Gegenüber will auch geküsst werden?Bredebusch: Die Gesten, dass jemand an einem Interesse hat, gibt es auch schon beim Flirten. Generell ist es bei Frauen so, dass sie sich selber berühren, dass sie sich durchs Haar streichen. Das bedeutet: Ich will auch berührt werden. Und bei Männern ist das so, dass sie sich zu jemandem neigen und näher rücken. Wenn jemand auf Distanz bleibt oder sogar noch die Arme verschränkt, dann kann man es in der Regel vergessen. Aber ich sage immer, man kann es einfach probieren. Mehr als einen Korb kriegt man nicht. Im Film "Hitch, der Date-Doktor" gibt Will Smith Tipps für den perfekten Kuss? Gibt es den überhaupt? Haben Sie Tipps?Bredebusch: Ich finde, es gibt nicht den richtigen Kuss. Es gibt den richtigen Kuss für die richtige Situation - so würde ich das formulieren. Bei dem Kuss nach dem Date soll man nicht die Angst haben: ich muss so und so küssen. Dann geht jede Flexibilität verloren. Ich bin gerne eine, die sagt, man soll sich von den Konventionen verabschieden und es auch mal anders machen. Ich sage immer aufs Herz hören und dann macht man das auch meistens richtig. Was raten Sie für den Tag des Kusses?Bredebusch: Man könnte den Tag zum Anlass nehmen, sich zu fragen, wie küsse ich. Und sich mal ganz dem Kuss hingeben. Dabei sind auch ganz viele Sinne betroffen und es werden Glückshormone freigesetzt. Und alle, die kurz davor sind zu küssen, könnten den Tag als Anlass nehmen zu küssen. Mit einem kleinen Augenzwinkern kann man doch sagen: so ein Tag des Kusses ist klasse.