Neue Auszubildende: Der erste Schritt in eine sichere Zukunft

Neue Auszubildende : Der erste Schritt in eine sichere Zukunft

Das Ausbildungszentrum Homburg hatte gestern 40 Auszubildende zu ihrem Einstieg ins Berufsleben begrüßt.

Für 40 junge Menschen hat am Dienstag beim Ausbildungszentrum Homburg (AZH) das begonnen, was Ältere gerne als den „Ernst des Lebens“ bezeichnen: Das Berufsleben — mit dem ersten Tag des ersten Lehrjahres. Unter denen, die sich da gestern auf den Weg in einen neuen Lebensabschnitt machten, fanden sich auch Anna-Lena Schörk aus Beeden, Auszubildende zur Industriemechanikerin bei Schaeffler, und Tobias Lang aus Homburg, Auszubildender zum Maschinen- und Anlagenführer bei CS Schmal.Für Schaeffler, CS Schmal und zahlreiche andere Betriebe, in diesem Jahr zum ersten Mal auch Theiss Naturwaren, Amprion und Schindler Aufzüge, ist das AZH die „Ausbildungswerkstatt“ und Partner in der so genannten Verbundausbildung. Und das bedeutet: Einen nicht unerheblichen Teil ihrer Ausbildung absolvieren die Lehrlinge nicht im eigentlichen Unternehmen, sondern zuerst an den Werkbänken und Maschinen des Ausbildungszentrums in den Rohrwiesen.

Warum dieses Partnerschaftssystem? Die Antwort ist einleuchtend: So können auch Betriebe ausbilden, die eigentlich nicht über die entsprechenden infrastrukturellen Voraussetzungen verfügen können oder wollen. Zurück zu Anna-Lena Schörk und Tobias Lang. Die beiden gaben am Rande ihres ersten Tages als Lehrlinge im Gespräch mit unserer Zeitung einen Einblick in ihre Beweggründe, sich gerade für einen Beruf in der Industrie entschieden zu haben. „Ich habe schon vorher bei Schaeffler gearbeitet. Und es hat mich dann einfach interessiert, das als Ausbildung zu machen“, erklärte Anna-Lena. Das eigene Umfeld habe auf ihren Entschluss, nicht einen klassischen Frauenberuf zu ergreifen, positiv reagiert. Tobias Langs Weg hin zum Auszubildenden war hingegen ein ganz klassischer, nach dem Besuch einer Gemeinschaftsschule und einem Praktikum direkt beim AZH ging‘s in die Industrie. „Facharbeiter werden gesucht. Und ich hab schon früher mit meinem Vater viel arbeitet und hab daran Spaß gehabt.“

Dass sie nur eine von vier jungen Frauen ist, die gestern ins neue Lehrjahr gestartet sind, damit hat Anna-Lena kein Problem. „Man kann sich auch als Mädchen durchsetzen, ich seh‘ da keinen Unterschied.“ Michael Bächle, Ausbildungsleiter beim AZH, sieht in der Präsenz von Frauen in Männer-Ausbildungsberufen nicht nur kein Problem, „es erleichtert oft sogar die Situation, die Tonlage verändert sich. Und Mädchen können das selbe leisten wie Jungs, wir wären froh, wenn wie die Quote noch weiter erhöhen könnten.“

AZH-Geschäftsführer Julian Seiler zeichnete vor dem Hintergrund des Beginns des neuen Lehrjahres gestern ein durchaus nüchternes Bild in Sachen Verfügbarkeit von Fachkräften. „Wir haben tatsächlich Kunden, die Ausbildungsplätze besetzen wollen, aber niemanden finden.“ Dieses Dilemma sei inzwischen auch bei namhaften Firmen angekommen, die früher allein durch ihre Strahlkraft geeignete Bewerber gefunden hätten. Dies habe zu Veränderungen im Bereich der gewerblichen Ausbildung geführt, „der Markt bestimmt inzwischen nicht nur Besetzung, sondern manchmal sogar die Anzahl und Art der Lehrstellen“. Damit habe sich das Thema „Fachkräftemangel“ von einer düsteren Prognose zu einem konkreten Problem entwickelt.

Doch was tun? Für Julian Seiler ist Präsenz der Unternehmen vor Ort, bei Schülern und deren Eltern, ein geeigneter Weg. Denn gerade Eltern gelte es zu vermitteln, was Industrie heute tatsächlich sei und welche beruflichen Chancen sich hier böten, bis hin zum Erwerb von akademischen Graden. „Früher waren die beruflichen Wege schon eher zementiert, heute ist alles viel offener und durchlässiger geworden. Die Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb eines Unternehmens sind immens.“ Das gelte es, so Julian Seiler, herauszustellen und so zu zeigen, was für Möglichkeiten ein Beruf in der Industrie tatsächlich biete.

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