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Der ASB-Wünsche-Wagen auf Konzerttour im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Besondere Aktion in der Corona-Krise : Der ASB-Wünsche-Wagen auf Konzerttour

Zuerst gab es von Saar-Künstlern Live-Musik in den Seniorenheimen Limbach und Erbach. Bewohner und Pflegekräfte fanden’s toll.

Das Team des Wünsche-Wagens des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Saarland um Projektleiter Jürgen Müller und Christina Kessler hat es derzeit nicht leicht. Gerne würde es vielen Menschen einen letzten Herzenswunsch erfüllen. Doch Corona legt auch hier Fesseln an. Hände in den Schoß legen, das ist trotzdem nicht angesagt. Stattdessen ist der Wünsche-Wagen seit dem vergangenen Wochenende in anderer Mission unterwegs: Im Tross mit saarländischen Musikern gibt es nun Live-Musik für die Bewohner von Seniorenheimen und Hospizen, die beiden ersten Stationen waren am Samstag die ASB-Seniorenheime in Limbach und Erbach. Luigi Botta (nur in Limbach), Klaus Grieser, Stefan Paul und Stefan Jenal sorgten mit Songs von Adriana Celentano bis Reinhard Mey für beste Stimmung bei bestem Wetter.

Doch wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Live-Konzert-Reihe? Christina Kessler: „Die Musiker, die an diesem Projekt teilnehmen, haben sich immer im Schützenhaus von Sabine Küllmar in Rohrbach getroffen. Dort haben sie auch einen ‚Christmas-Rock‘ veranstaltet. Der Erlös aus diesem Konzert wurde im vergangenen Jahr an den Wünsche-Wagen gespendet.“ So habe schon eine Verbindung bestanden. „Und jetzt, wo Musiker aufgrund der Corona-Krise ‚auf dem Trockenen sitzen‘, ist ihnen die Idee zu dieser Konzertreihe gekommen.“ Mit im Boot bei diesem ungewöhnlichen „Musikexpress“ ist auch der Veranstaltungsspezialist Eventtechnik RheinhessenSaar von Timo Bettinger und Julian Borngässer. Alle zusammen sorgten am Samstag mit den Auftritten in Limbach und Erbach für stimmungsvolle Momente, die Bewohner und Pflegekräfte dankten es mit deutlichem Applaus.

Und wie sieht es abseits solcher „Außer-der-Reihe“-Aktionen im Betrieb des Wünsche-Wagens aus? Stehen alle Räder still? Nein, versicherte Projektleiter Jürgen Müller. „In der vergangenen Woche konnten wir einer Frau den Wunsch erfüllen, nochmal ihren Bruder zu besuchen. So etwas können wir leisten.“ Natürlich müsse man auch hier auf die Corona-Lage reagieren. „Wir machen das jetzt so, wie im Rettungsdienst üblich: Zuerst geht ein Kundschafter rein. Der schaut, ob am Zielort alles Corona-frei ist, natürlich in entsprechender Schutzbekleidung.“ Dass das Team des Wünsche-Wagens derzeit eben im Anzug des Rettungsdienstes samt Mundschutz und nicht in der üblichen Bekleidung des Wünsch-Wagens auftrete, sei für die Fahrgäste dabei ungewohnt. Auf diese Art und Weise seien aber kleinere Fahrten möglich, „aktuell haben wir beispielsweise eine Anfrage, da will eine Frau einfach mal an einen See.“ Was hingegen nicht möglich sei, so Müller, das seien Zwei-Tages-Fahrten und Fahrten deutlich über das Saarland hinaus. Was der Projektleiter anmerkte: Tatsächlich lägen nicht viele Anfragen für Fahrten vor. „Überall ist bekannt, dass das aktuell nicht so funktioniert. Zudem wollen die Leute sich und uns schützen.“ Auch das sei Antrieb dafür gewesen, mit der Konzertreihe des Wünsche-Wagen zu den Leuten zu gehen.

Für eine halbe Stunde gab’s in Limbach und Erbach Musik von Reinhard Mey bis Adriano Celentano zu hören. Foto: Thorsten Wolf

Am Samstag vor Ort in Erbach verschaffte sich auch Guido Jost, der Landesvorsitzende des ASB im Saarland, einen Eindruck davon, was der Wünsche-Wagen mit seiner musikalischen Offerte erreichen kann – der geeignete Moment, um zu fragen: Wie sieht es in den ASB-Seniorenheimen aktuell aus? „Es sieht bei uns sehr gut aus. Sowohl Bewohner als auch Beschäftigte wurden zwischenzeitlich zweimal getestet. In allen drei Heimen sind wir Corona-frei. Das führe ich auf das große Engagement unserer Mitarbeiter zurück, die Auflagen wurden von Anfang an sehr streng eingehalten.“ Für die Beschäftigten habe der Umstand, das über viele Wochen kein Besuch möglich gewesen sei, eine Mehrbelastung in der sozialen Betreuung bedeutet. „Dem sind wir auch gerecht geworden.“ Jost machte aber klar, dass die jetzt geschaffenen Besuchsmöglichkeiten eine weitere Belastung mit sich brächten, „wir mussten überall Vorkehrungen treffen und Hygiene-Konzepte erstellen“. Noch fordernder sei aber, nach der Entscheidung des saarländischen Verfassungsgerichtshofes, die Möglichkeit für Heimbewohner, ohne Einschränkung die Heime verlassen zu können, „sie gehen Kaffee trinken, sie gehen irgendwo einkaufen.“ Es sei schwierig zu verhindern, dass so das Virus in die Einrichtung gelange. „Da sehen wir eine Lücke.“ Immerhin halte sich dieser Drang nach draußen derzeit noch stark in Grenzen. In diesem Zusammenhang für Jost bemerkenswert: Alle drei Heimbeiräte hätten sich dagegen ausgesprochen, schon jetzt Besuchsmöglichkeiten zu schaffen. „Unter uns: Die Bewohner in der Pflegeheimen haben etwas mehr Verstand als die Politiker, die über sie reden.“