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"Demenz kann das Land hart treffen"

"Demenz kann das Land hart treffen"

Wieso ist Alzheimer-Prävention so wichtig?Hartmann: Weil man lange Zeit versucht hat, die Alzhei-mer-Krankheit zu behandeln. Aber das klappt nicht, denn tote Nervenzellen sind tot, die lassen sich nicht wiedererwecken. Deshalb weiß man heute, dass man nur durch Früherkennung die Krankheit möglichst lange hinauszögern kann

Wieso ist Alzheimer-Prävention so wichtig?Hartmann: Weil man lange Zeit versucht hat, die Alzhei-mer-Krankheit zu behandeln. Aber das klappt nicht, denn tote Nervenzellen sind tot, die lassen sich nicht wiedererwecken. Deshalb weiß man heute, dass man nur durch Früherkennung die Krankheit möglichst lange hinauszögern kann. Derzeit sind rund 1,4 Millionen ältere Menschen von Alzheimer be-troffen, 2040 könnten es zwei Millionen sein. Dagegen müs-sen wir etwas tun. Das scheint ja nun im Saarland zu passieren. Wieso kommt dieses Institut nach Homburg?Hartmann: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Altersstruktur im Land ungünstig, das heißt, das Demenz-Problem kann das Saarland überdurchschnittlich hart treffen. Zum anderen hat das Land durch eine entsprechende Berufungspolitik mehrere Experten ans Uniklinikum geholt, die gerade auf diesem Gebiet forschen und sich ergänzen, das heißt, die Wissenschafts-Kapazität für das Institut ist vorhanden. Und das Land und die Saar-Universität haben dieses Projekt unterstützt. Obendrein ist Ministerin Schavan sehr engagiert auf diesem Gebiet.Wie kann man Alzheimer imVorfeld bekämpfen?Hartmann: Man weiß heute, dass wenig Bewegung, schlechte Ernährung, ein hoher Cholesterinspiegel die Krankheit begünstigen. Alzheimer fängt schon 20, 30 Jahre vorher an, bevor es ausbricht. Man kann Risikopatienten also schon früh ausmachen. Wir haben die Möglichkeit, im Rahmen klinischer Studien diese Patienten einige Jahre vor Ausbruch der Krankheit zu begleiten und zu dokumentieren, wie und mit welchen Möglichkeiten der Ausbruch und das endgültige Absterben der Nervenzellen verzögert werden kann. Vorfünf Jahren waren wir noch nicht so weit in der Forschung. Jetzt kommt das Institut gerade zur richtigen Zeit.Wann können Patienten ins Neurozentrum nach Homburg kommen?Hartmann: Bei deutlichen Anzeichen von Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen. Aber zunächst muss ein Spezialist klären, ob überhaupt Alzheimer vorliegt. Das kann genauso gut ein Tumor oder eine beginnende Depression sein. Ist es jedoch Alzheimer, kann der Patient am DIDP an einer klinischen Studie teilnehmen und wird nach den neuesten Erkenntnissen behandelt.