Das Prinzenpaar der Blätsch Bexbach stellt sich in der Redaktion vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Blätsch Bexbach : Mit Herz und Seele Prinzenpaar

Die heiße Phase der närrischen Zeit steht kurz bevor. Deswegen haben Akteure der hiesigen Fastnachtsvereine die Homburger Redaktion besucht. Den Anfang macht das Prinzenpaar der Bexbacher Blätsch: Stephan II. und Sabine III.

Wenn man dieser Tage von Sabine spricht, dann denken die meisten spontan eher an Sturm als an die Fastnacht oder an gekrönte Häupter. Doch das sieht heute in der Homburger Redaktion ganz anders aus. Denn hier ist Sabine III. zu Gast und trotz der Namensgleichheit existieren doch gravierende Unterschiede. Zum einen ist das gleichnamige Sturmtief mittlerweile vorüber gezogen, während für die Prinzessin der Bexbacher Blätsch die Regentschaft noch weiter geht. Zum anderen hat Sabine III. sehr viel mehr Charme zu bieten als die stürmische Namensvetterin. Und drittens ist sie nicht alleine gekommen, sondern hat selbstverständlich ihren Prinzen mitgebracht: Stephan II. vom gelben Wagen. Zusammen sind sie die königlichen Hoheiten für diese Session. Und sie haben in ihrem vollen Terminkalender eine Lücke gefunden, um eben auch mal der Zeitungsredaktion ein bisschen Glanz zu verleihen – mit Krone, Zepter, prächtigen, royalblau leuchtenden Umhängen und guter Laune.

Damit aus den beiden Bürgerlichen Sabine und Stephan Scherne, 49 und 48 Jahre alt, auch äußerlich royale Hoheiten werden, braucht es nämlich ein bisschen Vorlauf. Allein zwei Stunden fallen bei der Prinzessin für Make-up und kunstvolle Frisur an, übrigens für jeden Termin in einer anderen Variation. Für die Haare ist ihre Chefin zuständig, denn in ihrem bürgerlichen Leben arbeitet die Prinzessin als Friseurmeisterin in einem Frankenholzer Studio. Verglichen mit dem Zeitposten Frisur geht es dann vergleichsweise schnell, in eines ihrer beiden Kleider zu schlüpfen. Eines davon war übrigens einmal ihr Hochzeitskleid, das von der Mutter ihres Prinzen, einer gelernten Schneiderin, passend umgearbeitet wurde.

Zeitlich ist der Prinz da klar im Vorteil: „Duschen, Anzug an, Kapp auf – fertig.“ Wie das bei der Blätsch so üblich ist, verrät sein Beiname schon seinen Beruf. Mit dem Zusatz „vom gelben Wagen“ spielt man also darauf an, dass der Postbeamte bei der DHL als Paketzusteller arbeitet.

Seit 20 Jahren sind die beiden verheiratet und fast genauso lang ist es her, dass das Projekt Prinzenpaar sozusagen schwelt. Schon im ersten Jahr ihrer Ehe seien sie vom damaligen Präsidenten gefragt worden, ob sie das denn nicht einmal machen wollten – und dann stand es immer mal wieder im Raum. Als dann im vergangenen Frühjahr erneut die Frage kam: „Wie sieht es mit Euch aus, habt Ihr Lust, nächste Session das Prinzenpaar zu werden?“ haben sie die Chance ergriffen. Ganz nach dem Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Wer als Prinzenpaar vom Präsidenten ausgewählt wird, werde bei der Blätsch übrigens stets geheim gehalten bis zur Eröffnung der neuen Session, wenn die Vorgänger den Thron verlassen, ihre Nachfolger inthronisiert werden. „Und dann weiß es innerhalb von einer Stunde ganz Bexbach“, lacht der Prinz. Nicht einmal ihre beiden Kinder, Jonas (16) und Jasmin (11) haben gewusst, dass ihre Eltern Fastnachtsprinz und –prinzessin werden.

Dabei haben sie es gerade ihrer Tochter zu verdanken, dass sie richtig in den Verein eingetaucht sind. Sie haben zwar schon immer gerne Fastnacht gefeiert, von Kindertagen an, aber erst ihre Tochter hat für den richtigen Einstieg gesorgt, als sie bei der Blätsch zu tanzen begann. Mittlerweile ist es für Jasmin bereits ihre sechste Session, heute in der Juniorengarde. Seit fünf Jahren macht ihre Mutter den Minis die Haare, wirkte also hinter den Kulissen. Vater Stephan sitzt bereits seit drei Jahren im Elferrat. Auch in der Präsidentengarde schwingen ihre Eltern inzwischen das Tanzbein. Und nun sind sie sozusagen ganz an der Spitze angekommen.

Auch wenn ihnen jetzt, in der Hochphase der närrischen Tage, noch richtig viel bevorsteht, sie genießen es: „Es strengt schon an, macht aber sehr sehr viel Spaß“, sagt die Prinzessin, die zudem die große Unterstützung herausstreicht, die sie haben. Ein besonderes Erlebnis war für sie auch das Prinzenfrühstück, als man sich mit 34 weiteren royalen Fastnachts-Paaren in Riegelsberg traf. Aufregend auch, als sie hier vor über 800 Leuten eine 60 Sekunden lange Rede halten mussten.

Der Orden der Blätsch spielt diese Session auf den Beinamen des Prinzen „vom gelben Wagen“ an, diesen verdankt er seinem Beruf als Paketzusteller. Für Anstecker mit ihrem Bild sorgen die Prinzenpaare immer selbst. Foto: Ulrike Stumm

Natürlich freuen sie sich auf die eigenen Sitzungen der Blätsch, die Besuche bei anderen Vereinen. Und sie fiebern einem anderen Sturm entgegen, dem aufs Rathaus. Der ist diesmal eine besondere Sache, nicht nur weil die Prinzessin den Namen eines aktuellen Wettereignisses trägt. So oft kommt es ja schließlich nicht vor, dass der Bürgermeister der Stadt, nämlich Christian Prech, zugleich auch Präsident der Blätsch ist. Da er ja schlecht dabei helfen kann, sich selbst den Schlüssel zu entreißen, übernimmt der Vizepräsident seinen närrischen Part beim Rathaussturm, während Prech in seiner Bürgermeisterrolle bleibt. „Mal schauen, was er sich da einfallen lässt“, sagt Prinz Stephan II. Er kann gut lachen, schließlich spricht viel dafür, dass er den Sieg davontragen wird – zumindest bis Aschermittwoch, wenn wieder alles vorbei ist.