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Oldtimer: „Das Auto habe ich früher mal gefahren“

Oldtimer : „Das Auto habe ich früher mal gefahren“

Beim Oldtimer-Treff in Homburg wurden Erinnerungen wach. Viele Autos stammten aus den 70er und 80er Jahren.

Flohmarkt, Jazzfrühschoppen und Oldtimer-Treff: Am Samstag war in der Homburger Innenstadt so einiges los. Zwar hatte man zeitweise schon den Eindruck, als hielte die immer noch andauernde Hitzewelle den einen oder anderen davon ab, sich außerhalb der vier eigene Wände zu bewegen, doch war die City trotzdem bestens belebt.

Genau dort hatten sich schon ab dem frühen Morgen die Besitzer und die Liebhaber von Oldtimern und Youngtimern eingefunden, um der gemeinsamen Leidenschaft für vergangene Automobilbaukunst zu fröhnen. Im Mittelpunkt natürlich all das, was vor 25 und mehr Jahren die Straßen beherrscht hat.

Dabei sehr auffällig: So richtig, richtig alte Autos fand man am Samstag eher selten, für Werner Schwindt, er organsierte im Auftrag des Homburger Gewerbevereins auch den 9. Homburger Oldtimer-Treff, aber nicht verwunderlich. „Natürlich gibt es noch richtig alte Fahrzeuge. Aber auch ich fahre meine alten Fahrzeuge, ich habe einen Baujahr 1930, nicht so gerne, gerade wenn man weite Strecken zurücklegen muss.“ Auch hätten die meisten Oldtimer-Freunde mehrere Autos, „und je nach Wetterlage, wie die Stimmung ist und wie weit die Strecke ist, wird das Fahrzeug für einen solchen Treff ausgewählt“.

Und so kam es, dass am Samstag vielen von den Autos den Weg in die Homburger Innenstadt gefunden hatten, die in den 70ern, 80ern und Anfang der 90er die Straßen und die Ausstellungsräume der Händler beherrscht hatten: Alte BMW der 7er Reihe, mächtige Ford Granada, Daimler Benz Typ W123 oder auch Brot-und-Butter-Klassiker wie der Ford Sierra.

Zwischendrin gab‘s aber natürlich noch die aus früheren Treffen bekannten US-Schlitten zu bestaunen – ebenso wie einen Bus, einen Unimog, Sportwagen und vieles, vieles mehr.

Werner Schwindt hatte mit Blick auf den Oldtimer-Fuhrpark in der Homburger Innenstadt also allen Grund zur Freude. Weniger wohl war ihm allerdings, als er den Blick in die Zukunft der Oldtimer-Szene richtete. Gefragt, ob aus den Autos vor heute auch mal echte Oldtimer werden könnten, war sein Urteil vernichtend. „Nein, das wird alles Computer-Schrott.“

Grund dafür sei der Umstand, dass in 20, 30 oder mehr Jahren schlicht keiner mehr in der Lage sei, ohne aufwändige Prüf- und Instandsetzungsgeräte diese Fahrzeuge mit ihrer Vollelektronik zu warten und betriebsbereit zu halten. „Und es ist nicht klar, ob man dann überhaupt noch Ersatzteile bekommt.“ Doch es ist nicht nur dieser Teil der Zukunft, die Schwindt Sorgen macht. So fragt er sich, wer in Zukunft die Fahrzeuge reparieren soll, die jetzt schon Oldtimer sind.

Aus seiner Sicht seien die heutigen Absolventen der zahlreichen Berufsbilder rund ums Auto dazu nicht mehr in der Lage. „Der Autoschlosser von früher, der war Karrosserie-Mann, der war Elektriker, der war Polsterer, der war Motorschlosser – der war alles. Heute sind das alles eigenständige Berufe.“

In dieser Sache will sich Schwindt nur engagieren und das Gespräch mit dem ADAC und den betroffenen Landesinnungen suchen. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Kfz-Branche da wach wird und vielleicht ein neues Berufsbild entsteht oder es entsprechende Lehrgangsangebote für Oldtimer gibt“.

Sollte sich hier nichts tun, war sich Schwindt am Samstag sicher, dann würden die Oldtimer von heute auf Sicht verschwinden. Dieses durchaus bedenkliche Szenario war den meisten Besuchern am Samstag natürlich so nicht bewusst, woher auch. Für sie galt es, sich entweder ganz „unbelastet“ an unglaublich vielfältigen und ausladenden Karosserie-Formen zu erfreuen – oder in ganz eigenen Erinnerungen zu schwelgen.

Da war der Satz „den bin ich früher auch mal gefahren“ einer, den man nicht selten hörte.

 Chrom und ausladende Formen bestimmten das Bild am Samstag. Foto: Thorsten Wolf
Chrom und ausladende Formen bestimmten das Bild am Samstag. Foto: Thorsten Wolf Foto: Thorsten Wolf

Und so wurde der 9. Homburger Oldtimer-Treff mitten in der Innenstadt wieder zu einer Brücke zwischen dem Gestern und dem Heute, über die am Samstag wieder viele, viele Besucher gingen.