"Da Vinci" unterstützt die Ärzte

Homburg. Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich im Operationssaal der Klinik für Urologie am Homburger Universitätsklinikum bietet: Nicht am Operationstisch selbst steht der ausführende Operateur, Professor Stefan Siemer, stellvertretender Direktor der Klinik, sondern einige Meter entfernt

Homburg. Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich im Operationssaal der Klinik für Urologie am Homburger Universitätsklinikum bietet: Nicht am Operationstisch selbst steht der ausführende Operateur, Professor Stefan Siemer, stellvertretender Direktor der Klinik, sondern einige Meter entfernt. Von einer Konsole aus steuert er mittels Bildübertragung einen Roboter am OP-Tisch, minimalinvasiv, also mit dem kleinstmöglichen Eingriffsvolumen, geht es dort um eine Unterleibsoperation. Das System, dem die Klinik für Urologie seit 2006 und in rund 1000 Eingriffen dieser Art vertraut, hört auf den Namen "Da Vinci". Eigentlich für komplexe Herzoperationen entwickelt, hat sich das System, mit dem der Operateur millimetergenau mittels der einzelnen Arme des Roboters schwierigste Operationen durchführen kann, vor allem in den USA inzwischen etabliert. In Deutschland selbst sind es noch nicht wirklich viele, die auf die Fähigkeiten von "Da Vinci" bauen. Grund genug, am Standort Homburg gestern und heute das erste deutsche robotische Urologie-Symposium zu veranstalten. Rund 200 Mediziner aus zahlreichen Fachgebieten der Medizin sollten, so der erklärte Wunsch von Professor Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie, die Vorteile des Systems kennen lernen. Stöckle hatte diese schon im Vorfeld des Symposiums in einer Pressekonferenz anschaulich verdeutlicht (wir berichteten). Diese lägen, so Stöckle, vor allem in einer höheren Verträglichkeit für den Patienten, gekennzeichnet durch einen wesentlich geringeren Blutverlust während der Operation als bei anderen Operationstechniken, in geringeren Folgebeschwerden nach dem Eingriff und in einer verminderten Liegezeit der so Operierten. Der Klinikdirektor schilderte aber auch die Herausforderungen, die eine Operation mit dem "Da Vinci"-System an den Operateur stellt. "Am Anfang ist der Umgang mit 'Da Vinci' schon recht fordernd, man muss sich an neue Denkbahnen und motorische Achsen gewöhnen. Und solange das Gehirn diese neuen Wege noch nicht verinnerlicht hat, ist das Ganze durchaus anstrengend." Die Anfangsphase haben Stöckle und Siemer mit nun rund 1000 Operationen schon lange hinter sich, der Einsatz von "Da Vinci" ist in Homburg zur Erfolgsgeschichte geworden. Gestern nun, zur Eröffnung des zweitägigen Symposiums, äußerte Stöckle auch deswegen die Hoffnung, das System würde in der Zukunft eine größere Anerkennung in der deutschen Medizin erfahren. Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner wertete in seiner Begrüßung sowohl den Einsatz des "Da Vinci"-Systems im Alltag der Urologischen Klinik als auch das erstmals durchgeführte Symposium als Referenz für den Standort Homburg als Stadt der Medizin und Wissenschaft.

Auf einen BlickDas "Da Vinci"-Roboter-System ermöglicht es dem ausführenden Operateur, in einem minimalinvasiven Eingriff, also mit dem geringstmöglichen Eintrittsvolumen, mittels ferngesteuerter Roboterarme und kontrolliert durch eine stereoskopische Bildübertragung aus dem Bauchraum, komplexe Operationen mit einem höchstmöglichen Maß an Patientenverträglichkeit durchzuführen. Dabei liegen alle Entscheidungen in Händen des Operateurs, "Da Vinci" arbeitet nicht eigenständig. thw