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Corona-Lockerungen in Homburg ohne großen Zulauf

Corona-Lockerungen im Saarland : Der Saar-Modellversuch ist tiefgekühlt

Draußen essen oder einen Kaffee trinken? In Homburg Fehlanzeige. Es gab zwar Tische, aber keine Kunden. Das Wetter war zu mies. Impfdosen beim Hausarzt sind schon per Liste zugeteilt.

Es hätte nicht kälter kommen können für den Auftakt der Außengastronomie. Denn der Dienstag nach Ostern war der Tag, an dem der Winter zurückkam. Mit klammen Fingern schleppte Pierangelo de Cesero von der Homburger Eisdiele De Lazzero gegen 10.30 Uhr drei Metalltische mit jeweils zwei Stühlen vor die Tür. Sogar eine Wolldecke gab’s dazu. Doch kein einziger Kunde war mutig genug, sich bei Null Grad und gelegentlich einsetzenden Schneegriesel-Schauern einen Krokant-Becher oder auch nur einen heißen Capuccino zu genehmigen.

Pierangelo de Cesero hatte ehrlicherweise auch nicht damit gerechnet: „Uns geht es dabei um einen symbolischen Akt. Wir wollen einfach Präsenz zeigen, das ist alles.“ Und etwas Hoffnung verströmen auf bessere Zeiten: „Die Außengastronomie gehört in die Innenstadt. Aber sie muss sich natürlich auch lohnen. Ostern hätten wir sicher viele Gäste gehabt. Aber das Wetter wird auch irgendwann wieder besser.“ Er wolle nicht klagen, sagt de Cesero, der Eisverkauf habe trotz Corona stattgefunden, „und in der Provinz Venezien, wo wir herkommen, sind die Corona-Beschränkungen viel strenger als im Saarland“.

Auch das Restaurant Ohlio am Marktplatz hatte sich am Dienstag auf die saarländischen Lockerungen in der Außengastronomie eingestellt: „Wir haben alles schon seit Tagen in Ruhe aufgebaut, gründlich geputzt und freuen uns, dass es wieder losgeht, zumindest ein bisschen“, freut sich Marco Dante. Mit viel Ansturm rechnet er in dieser Woche allerdings noch nicht, „das Wetter ist zu mies“, aber am Freitag wolle das Restaurant „in die Werbung gehen“.

Zunächst hat Marco Dante das Aufstellen der Außentische auch als „eher symbolisch“ angesehen, aber während er die Stühle und Tische abzählt, klingelt ständig das Telefon: die Gäste reservieren bereits, „kein Wunder, der Wunsch, endlich wieder mal essen zu gehen, ist riesengroß“. Das findet auch Francesco Nardi, der sich freut, „endlich wieder schön gedeckte Tische und appetitlich angerichtete Teller“ zu sehen.

Jetzt müssen die beiden nur noch die Heizstrahler an den Tischen verteilen und dafür sorgen, dass es nicht allzusehr durch die Plastikplane zieht. Denn am ersten Tag des saarländischen Modellversuchs essen zu gehen – das lassen sich so manche Besucher nicht nehmen.

Anders sieht es bei Bäckereien und Cafés aus. „Wir könnten Stühle raustellen, aber das lohnt sich nicht“, sagt die Verkäuferin von Leonidas-Pralinen, „kein Mensch trinkt bei diesem Wetter draußen Kaffee“. Auch beim Cash oder bei verschiedenen Bäckereien, die normalerweise auch immer Tische und Stühle draußen stehen haben, rührte sich am Dienstag noch nichts.

Man wisse ja nicht, ob dieser Modellversuch überhaupt Bestand habe, sagt eine der Bäckerei-Verkäuferinnen. Dann habe man die Tische und Stühle rausgeschleppt – und bei steigenden Infektionszahlen würden die Lockerungen womöglich bald wieder zurückgenommen: „Dann schleppen wir alles wieder rein. Und gekommen ist doch keiner. Das bringt gar nichts.“

Und wie sieht es an der Impf-Front aus? Denn ein weiterer Modellversuch startete am Montag im Saarland: Hausärzte sollen impfen.

Doch was sich zunächst so locker und positiv anhört, ist im Grunde die Weiterführung der Vorgaben der Impfzentren – nur eben wohnortnah. „Es ist keinesfalls so, dass die Leute, wie bei der Grippeimpfung, mal eben beim Hausarzt vorbeikommen können“, erläutert die Mitarbeiterin einer Allgemeinarzt-Praxis in Erbach: „Es gilt weiterhin die Priorisierung.“

Jede Hausarzt-Praxis habe bereits ihre Listen erstellt, „es sind pflegende Angehörige, Angehörige von schwangeren Frauen, und natürlich ältere und chronisch kranke Menschen.“ Auch müsse man sich keine Illusionen machen über die Mengen, „wir erwarten erst einmal zwischen 20 und 30 Dosen“, sagt eine weitere Praxisangestellte, „das reicht gerade mal für die in unserer Praxis bekannten dringenden Fälle“.

Noch ist der Impfstoff nicht angekommen, spätestens am Freitag wird er erwartet. Die Hausarztpraxen hoffen auf mehr Dosen im Laufe des April, denn der Bedarf ist riesig. Manche Praxen haben sogar eine eigene Nummer für Impftermine geschaltet, weil sie sonst kaum noch dazu kämen, andere Anfragen zu bearbeiten. Die ersten Lieferungen sind also schon längst nach Dringlichkeit vergeben. Wenn man es noch auf eine Liste schafft, dürfte man vor Ende April kaum drankommen.

 Die Tische und Stühle der Eisdiele De Lazzero in Homburg blieben leer. Bei der Kälte setzte sich niemand draußen hin, nicht einmal für einen Kaffee.
Die Tische und Stühle der Eisdiele De Lazzero in Homburg blieben leer. Bei der Kälte setzte sich niemand draußen hin, nicht einmal für einen Kaffee. Foto: Christine Maack
 Hausärzte impfen jetzt in Homburg gegen Corona. Die Listen mit den Patienten sind aber schon voll. Mehr Dosen werden für Ende April erwartet.
Hausärzte impfen jetzt in Homburg gegen Corona. Die Listen mit den Patienten sind aber schon voll. Mehr Dosen werden für Ende April erwartet. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Zwar ist der Pieks selbst in weniger als einer Minute getan, „aber wir erklären den Vorgang ausführlich und brauchen das Einverständnis der jeweiligen Person“, sagt eine Praxismitarbeiterin aus Einöd, „das ist nur mit Zeitaufwand und Überstunden zu schaffen“. Nun wird sich zeigen, in wieweit die saarländischen Hausärzte zu ihrer normalen Arbeit die zusätzliche Impf-Kampagne verkraften. Das Saarland wurde früher gerne als Testmarkt für neue Waschmittel oder Süßgetränke genommen. Corona ist im Vergleich dazu ein ziemlich harter Brocken.