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Corona hat leider kein Herz für Kultur oder die Fastnacht

Kolumne Unsere Woche : Corona hat leider kein Herz für Kultur oder die Fastnacht

Ein Virus kennt kein Fairplay. Und es hat auch kein Herz für die Kunst, den Sport oder die Kultur oder überhaupt irgendjemanden. Das ist leider so, egal wie dünnhäutig jeder Einzelne geworden ist, weil uns allen Corona nun schon so lange zu schaffen macht.

Die Tendenz bei den Neuinfektionen geht nach oben. Man braucht kein Prophet oder Virologe zu sein, um zu sehen, dass uns durch Omikron noch etwas bevorsteht. Es genügt ein Blick in die Nachbarländer. Selbst wenn man wohl seltener schwer erkranken soll, die Variante gilt aber als extrem ansteckend, die schiere Masse an positiv Getesteten wird für Probleme sorgen.

Soll und kann man da größere Veranstaltungen zulassen? Einerseits gibt es den großen Wunsch nach Normalität, nach unbeschwertem Genießen. Nach der Chorprobe, dem gemeinsamen Schwitzen beim Sport, dem Konzert mit großem Besteck.

Aber mal ehrlich: Bei den meisten bleibt doch ein ungutes Gefühl, wenn sie sich plötzlich dicht an dicht mit vielen anderen wiederfinden – auch wenn es erlaubt ist und die anderen geimpft, geboostert, genesen, getestet und was nicht noch alles sind.

Es ist eben ein Unterschied, ob man im Freien zusammenkommt und dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahlen niedrig sind. Oder ob man es drinnen tut und dann, wenn rundum viele Menschen mit Covid-19 zu tun haben. Es ist eine schlichte Sache der Wahrscheinlichkeit. Und im Unterschied zu den Anfangstagen kennt vermutlich inzwischen jeder Irgendjemanden, der sich infiziert hat, der in Quarantäne steckt.

Die Fastnachter im Dreieck zwischen Homburg, Bexbach und Kirkel haben die Reißleine gezogen, verzichten auf große Events – mal wieder und blutenden Herzens.

Auch die Verantwortlichen fürs Neujahrskonzert an diesem Sonntag in Homburg haben nachgeschärft, setzen auf noch strengere Vorgaben. Abgesagt haben sie nicht. Es wäre ein harter Schritt gewesen, zumal so kurzfristig. Aber ist es das richtige Zeichen? Mitten in einer sich aufbauenden Welle und in einer Stadt, in der es ein Universitätsklinikum gibt, in dem kranke und schwer kranke Coronapatienten liegen.

Viele Menschen sind schon von sich aus vorsichtig, verzichten lieber, so schwer es auch fällt. In normalen Jahren waren beispielsweise die Karten ruckzuck weg. Diesmal ist das anders – zum Glück vielleicht angesichts des Virus. Doch für die engagierten Musiker, die seit Wochen an einem tollen Programm proben, ist es auch nicht wirklich schön, vor einem halbleeren Saal zu spielen.

Vorausschauend zu handeln, war noch nie eine Stärke in dieser Pandemie. Es ist zugegebenermaßen oft sehr schwierig, weil sich Voraussetzungen schnell ändern – so wie das Virus.

Doch auch an dieser Stelle wäre es gut gewesen: Eine rechtzeitige Absage der städtischen Kulturgesellschaft, vielleicht gleich verbunden mit dem Plan für ein Frühjahrs- oder Frühsommerfest mit großartiger Musik: Das hätte im Moment sehr weh getan, wäre aber vermutlich eine elegantere Lösung gewesen – für alle Beteiligten.

Die Pandemie wird nicht spontan verschwinden, so sehr wir es uns auch alle wünschen. Sie wird sich aber aller Voraussicht nach Zug um Zug abschwächen – so hat es der Virologe Dr. Jürgen Rissland vom hiesigen Universitätsklinikum formuliert.

Zusammen mit seinem Weihnachtswunsch – dass jeder Rücksicht nehmen möge, auch indem man überlegt, welche Kontakte wirklich nötig sind. Er gilt auch im neuen Jahr.