1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Chronatic Quartet spielte im Römermuseum Schwarzenacker

Kulturprogramm Homburg : Gelungene Collagen aus Rock und Klassik

Das Chronatic Quartet überzeugte bei seinem Konzert im Römermuseum in Schwarzenacker vor rund 200 Besuchern.

Wie viele haben sich schon daran versucht: An der Melange von Klassik und Rock? Und wie viele sind schon an diesem schwierigen Unterfangen gescheitert? Wie es klappen kann, zeigte das Chronatic Quartet im Römermuseum Schwarzenacker. Die vier jungen Männer traten dort in der Reihe „Kunst im Museum“ auf, die, weil draußen und mit viel Platz, trotz der Corona-Beschränkungen stattfinden kann.

Zum Glück machte die Band nicht den Fehler, die Klassik so zurechtzuschustern, bis sie ins enge Rock-Korsett passt. Auch nahm sie den Rockstücken nicht ihre Wildheit, um sie irgendwie der Klassik anzupassen. Nein, die vier Musiker ließen beides in etwa so, wie es ist, und mischten es dort ineinander, wo es passte. „Collagen“ nannten sie im Pausengespräch die Art und Weise, wie sie ihre Stücke zusammenstellen. Dabei schafften sie so manchen überraschenden Übergang. War der Hörer eben noch in Beethovens Fünfter, fand er sich ein paar Takte weiter plötzlich in Abbas Hit „Mamma Mia“.

Sogar sehr weit voneinander entfernte Stilrichtungen wie Walzer und Disco verbandelte das Quartett scheinbar mühelos: Johann Strauß’ unsterbliche Melodie von der blauen Donau fand sich plötzlich in Daft Punks „Get Lucky“ wieder; später im Stück musste sich der Disco-Hit dann dem Dreivierteltakt unterwerfen. Freddie Mercury, Sänger von Queen, hatte ein Faible für die Oper und trat auch mal mit Opern-Diva Montserrat Caballé auf. Das Chronatic Quartet huldigte diesem Umstand, indem es verschiedene Queenstücke in die Bizet-Oper „Carmen“ einbaute. Aber das war nur der erste Akt der Auseinandersetzung der Band mit der Oper. Im zweiten Akt erklang In der Halle des Bergkönigs aus Edvard Griegs „Peer Gynt“, was zwar streng genommen keine Oper ist. Egal, das bekannte Thema verschmolz da mit Seven Nation Army und Michael Jacksons „Smooth Criminal“, ehe die „Königin der Nacht“ aus der Zauberflöte erklang.

Das Publikum zeigte sich durchgehend begeistert von dem bunten Reigen aus alten und modernen Melodien. Da rührte auch daher, dass sich alle vier Musiker als großartige Virtuosen darstellten. Im Vordergrund stand natürlich Tobias Paulus an der Geige, der als einziger schon von Anfang der Band angehört. Der Saarländer hatte das Quartett vor über zehn Jahren mit einem Pianisten gegründet, mit dem er einerseits ein klassisches Duo hatte. Andererseits spielte der Pianist auch in einer Rock-Coverband. So entstand die Idee, mal beides auf einmal zu probieren, erzählte Paulus. Auch Schlagzeuger Jan Friedrich stammt aus dem Saarland: In Ottweiler geboren, wohnt er jetzt im Bliesgau, in Biesingen. Bassist Marco T. Alleata wuchs in Saarbrücken auf, wohnt aber jetzt in Nordrhein-Westfalen, ebenso wie Pianist Benedikt ter Braak.

Alle vier sind studierte Profimusiker, die natürlich schwer unter dem Corona-Lockdown gelitten haben – das Konzert im Römermuseum war ihr erstes nach der Pause.

Schlagzeuger Friedrich, der in verschiedenen Bands spielt, erzählte, dass ihm etwa 40 Konzerte diesen Sommer weggefallen seien. „So eine Stimmung ist einfach nicht downloadbar“ rief ter Braak am Ende ins Mikrofon und traf damit den Punkt. Die Musiker hatten sich mit viel Durchhaltevermögen und Online-Unterricht durch die letzten Monate geschleppt – und eines dabei ganz besonders vermisst: den Applaus. Davon gab es am Ende reichlich von den 200 Zuhörern. Auch der Wunsch der Musiker, in diesem wunderschönen Ambiente noch mal spielen zu dürfen, wurde sehr beklatscht.