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Chöre sangen in Homburg zum Tag der deutschen Einheit

Auftritt in Homburg : Chöre erinnerten an Wiedervereinigung

Ein Zusammenschluss verschiedener christlicher Gemeinden hatte zum gemeinsamen Singen auf den Christian-Weber-Platz in Homburg eingeladen.

Als Günter Schabowski, zu diesem Zeitpunkt Sekretär für Informationswesen des SED-Politbüros, am 9. November 1989 bei einer Pressekonferenz die Frage nach dem Inkrafttreten der neuen Reiseregeln für DDR-Bürgern in den Westen mit „nach meiner Kenntnis sofort, unverzüglich“ beantwortete, da brachte er quasi im Alleingang die Mauer zu Fall. Die Bilder dieser Nacht gingen um die Welt, als am Grenzübergang an der Bornholmer Straße in Berlin die ersten Menschen von Ost nach West strömten und der Kurfürstendamm zur gesamtdeutschen Partyzone wurde.

Zum Tag der Deutschen Einheit hat es der 9. November nicht gebracht. Zwar war er als Nationalfeiertag im Gespräch. Doch rückte man davon ab, war doch der 9. November auch Jahrestag und schreckliche Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938. So wurde der 3. Oktober zum Feiertag, der Tag, an dem die DDR der Bundesrepublik Deutschland beitrat.

31 Jahre ist das nun her. Und am vergangenen Sonntag beging man den Tag der deutschen Einheit in Homburg unter dem Motto „Deutschland singt – Einheit, Freiheit, Hoffnung. Die musikalische Danke-Demo“ auf dem Christian-Weber-Platz in Homburg mit Musik, Gesang und Andacht. Eingeladen hatte die evangelische Allianz Homburg, ein Zusammenschluss verschiedener christlicher Gemeinden in der Stadt – verantwortlich zeichnete Christiane Seitz. Als Teil von über 250 solcher Veranstaltungen in ganz Deutschland (https://3oktober.org) erinnerte das offene Singen in Homburg dabei auch an die Montagsdemonstrationen und die Bedeutung der Kirchen an der friedlichen Revolution, die letztlich und unblutig zur Einheit führte.

Das gemeinsame Singen zum Tag der deutschen Einheit war dabei keine Premiere. Schon im vergangenen Jahr und zum 30. Jubiläum der Überwindung der Teilung gab es „Deutschland singt“ auf dem Christian-Weber-Platz, da noch ein bisschen größer angelegt. „Das war der Startschuss für die Idee von ‚Deutschland singt‘ als Dankeschön. Und in diesem Jahr passt das sehr gut auch zum Erntedankfest“, so Christiane Seitz noch vor Beginn der Veranstaltung am Sonntag. „Und da haben wir uns gedacht, dass wir das nochmal veranstalten, diesmal in einem etwas kleineren Kreis.“ Dabei gehe es sowohl um das Erlebnis des gemeinsamen Singens als auch um das Feiern der deutschen Einheit, es gehe darum „Dank mit Lieder auszudrücken“.

Gefragt, welchen Bezug sie selbst zu diesem Feiertag habe, erinnerte sich Seitz daran, dass sie eben im Jahr 1989 in Homburg mit ihrem Medizinstudium begonnen habe, „und einen Monat später ist die Mauer gefallen. Ich habe also die DDR noch erlebt“.

Heute habe die Familie Freunde in den neuen Bundesländern, die Kinder studierten in Dresden. „Es ist auf jeden Fall etwas zu feiern.“ Auch noch im 31. Jahr nach dem Mauerfall und ein Jahr nach dem großen Jubiläum? Ist das Ereignis bei den Menschen noch präsent? Seitz: „Eben nicht mehr so ganz. Bei den Kindern merkt man es ja: Die DDR ist einfach Geschichte. Die fragen dann auch ,Was sind die alten, was sind die neuen Bundesländer’.“ Und um eben die Erinnerung aufrechtzuerhalten, „finde ich das hier eine sehr gute Veranstaltung. Deswegen haben wir auch die Kerzen dabei, die gab es ja auch bei den Montagsdemonstrationen, die zum Fall der Mauer geführt haben“.

Mit eben den Kerzen hatte das Wetter am Sonntagabend keine Einsicht. Starker Wind sorgte dafür, dass kaum eine Flamme ihre Entzündung überstand. Und auch der Zuspruch von Sängerinnen und Sängern war, was wohl dem tristen und grauen Wetter geschuldet war, nicht ganz so riesig. Immerhin aber rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen sich von der vielköpfigen Band zum Mitsingen inspirieren.

Auf dem Liedplan stand dabei ein facettenreicher Mix. Den Auftakt machte „Kein schöner Land“, gefolgt von einem Gospel-Medley. Die Moderatorin des Abends, Dagmar Sauer von der Freien evangelischen Gemeinde Homburg, erläuerte dabei den Hintergrund der Liedauswahl. Vor Beginn des Konzertes dankte Sauer all denen, die an der Verwirklichung des zweiten „Deutschland singt“ in Homburg beigetragen haben: die evangelische Allianz Homburg unter Vorsitz von Christiane Seitz als Träger der Veranstaltung, die evangelische Stadtmission mit ihrer Ukulele-Gruppe, die Freie evangelische Gemeinde, der Bläsergruppe EGV Pfalz und die Studierenden-Gruppe „Campus für Christus“. Dagmar Sauer verschwieg in ihrer Eröffnung nicht, dass ihr der Tag der deutschen Einheit persönlich viel bedeute. „Ich durfte fünf Jahre mit meiner Familie in Halle, dort findet heute die zentrale Einheitsfeier statt, verbringen. Und zwei meiner drei Kinder sind auch in Halle geboren. Und das waren wunderschöne, interessante Jahre mit tollen Begegnungen.“ Dies alles wäre nicht möglich gewesen, so Sauer, wenn man diesen Tag nicht feiern könnte.

 Rund 40 Sängerinnen und Sänger nahmen an der Aktion „Deutschland singt – Einheit, Freiheit, Hoffnung“ in der Homburger Innenstadt teil.
Rund 40 Sängerinnen und Sänger nahmen an der Aktion „Deutschland singt – Einheit, Freiheit, Hoffnung“ in der Homburger Innenstadt teil. Foto: Thorsten Wolf

Während sich Chor und Musiker klar darüber waren, warum sie auf dem Christian-Weber-Platz zusammengekommen waren, war das bei den „Zaungästen“ bei weitem nicht immer der Fall. So mancher zeigte sich positiv irritiert über den abendlichen Gesang in Homburgs Stadtmitte. Dass man da die Überwindung der Deutschen Teilung feierte, das kam im ersten Moment nur wenigen in den Sinn. Doch nach Nachfrage machte es dann doch „klick“. Und so mancher, der eigentlich nur einen kleinen Abendspaziergang machen wollte, fand sich dann mit Liedblatt unter denen, die das Ende der Teilung vor 31 Jahren mit Gesang kraftvoll feierten.