Bürgerinitiative Reiskirchen fordert Verzicht auf Ost-Anschluss

Die immer wiederkehrende Diskussion : Bürgerinitiative Reiskirchen fordert Verzicht auf Ost-Anschluss

Sie sei unnötig und heutzutage unvermittelbar. Heftige Kritik gibt es an den Grünen. Doch es läuft am Donnerstag im Stadtrat wohl auf Variante 1 hinaus.

Die Weichen für die Variantenwahl sind gestellt: Wenn am Donnerstag, 24. Oktober, im Homburger Stadtrat die mehrere Tagesordnungspunkte umfassende Autobahnanschlussstelle „Homburg-Ost“ debattiert wird, dürfte am Ende ein Umschwenken von „Variante 2“ auf „Variante 1“ stehen. Der planungsausführende Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) hatte sich von Anfang an dafür ausgesprochen, wie nicht zuletzt  die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) der BI Eichwald am 27. Mai 2019 mitgeteilt hatte. Der Eingriff in die Natur und Landschaft sei ebenso geringer wie die Kosten.

Der Homburger Stadtrat hatte am 13.Dezember 2018 noch für Variante 2 votiert. Doch inzwischen ist die Unterstützung dafür offenkundig gebröckelt. Am Dienstag, 15. Oktober, fand im Homburger Rathaus ein Treffen der Stadtspitze mit LfS-Vertretern und solchen aus dem Wirtschaftsministerium statt. Bei diesem Treffen, das die Stadtpressestelle auf Nachfrage als „Abstimmungsgespräch“ und „gegenseitiges Briefing“ bezeichnet, soll bereits klar geworden sein, dass am Ende Variante 1 verfolgt werden soll. Auch die lange erwarteten Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung sollen laut Stadtpressestelle am Donnerstag vorgestellt werden.

Vor diesem Hintergrund mutet es wie ein letzter Kampf an, wenn sich die BI Reiskirchen „BI-A6-HOM“ jetzt zu Wort meldet – und „Variante 0“ fordert: den Verzicht auf eine Ost-Anbindung. Sie vertrete die unmittelbar betroffenen Bürger aus Reiskirchen und Erbach, ebenso Jägersburger, zähle rund 380 registrierte Unterstützer. „Seit dem Jahr 2006 kämpfen wir gegen diese völlig unnötige und Umwelt zerstörende neue Autobahnanbindung am Reiskircher Sportplatz, planungsmäßig schon immer ähnlich der heutigen Variante 1“, erinnern Manfred Ecker und Norbert Riefer. Ex-Oberbürgermeister Karlheinz Schöner und der damalige saarländische Wirtschaftsminister Joachim Rippel seien unter anderem wegen dem großen Widerstand aus der Bevölkerung schnell zurückgerudert, dass es keinen neuen Anschluss am Reiskircher Sportplatz geben werde. Das sei den Menschen dort nicht zuzumuten. „So viel zum Vertrauen in unsere Politik“, schreiben die beiden weiter.

Die BI kritisiert, dass der Verkehr unter anderem über die L 118 stark zunehmen würde. Man fürchtet, dass auch die Saarpfalz-Straße in Jägersburg als „Autobahnzubringer“ erheblich mehr Verkehr verkraften müsse. Das Bundesverkehrsministerium erklärte diese Woche auf unsere Anfrage wiederum, dass im Gegenteil eine Anschlussstelle Homburg-Ost „den innerstädtischen Verkehr deutlich reduzieren und die Gesamtsituation in den Ortsdurchfahrten von Jägersburg, Kleinottweiler, Erbach und Bruchhof erheblich verbessern“ würde.

Im Hinblick auf den Bau des 3.Ohrs an der Abfahrt Homburg/Bexbach fordert die BI jedenfalls, „die laufende Ertüchtigung abzuwarten und dann ein bis zwei Jahre belastbare Daten zu sammeln, bevor man über einen Neubau entscheidet.“ Der Ost-Anschluss sei „unnötig und in unserer heutigen Zeit nicht mehr vermittelbar“. Auch bei Variante 1 würden zwischen 15 und 20 Hektar  intakter Wald  abgeholzt. „Bei der heutigen Klimaschutz-Debatte eigentlich schon ein Unding.“ Auch sei die Situation für den SV Reiskirchen nach wie vor ungeklärt. „Mit Zebrastreifen in einem 50-Meter-Kreisel wird man den Zugang nicht sicher und sinnvoll lösen können, abgesehen davon, dass Kinder und Jugendliche 20 Meter neben einer Autobahnabfahrt in stärkster Luftverschmutzung Sport treiben sollen“, kritisiert die BI.

Ähnlich hat sich der SV Reiskirchen vor knapp zwei Wochen in einem Schreiben an Bürgermeister Michael Forster (CDU) geäußert und darin gefordert, der LfS solle der Stadt darlegen, welche Vorkehrungen gegen Lärm, Stickoxide, Feinstaub und CO2 möglich und machbar sind, um die Sportler zu schützen.

Mit den Homburger Grünen geht die BI hart ins Gericht. „Erstaunen und Unverständnis“ ernteten diese, da sie „auf der einen Seite den Klimanotstand für Homburg ausrufen wollten, sich andererseits aber vehement für die Baumaßnahme gemäß Variante 1 stark machen.“ Dass die Fraktion einen zusätzlichen Autobahnanschluss mit beachtlicher Waldrodung im Wasserschutzgebiet fordere, „dürfte bundesweit einmalig sein“.

Auch sei es ein „Märchen“, dass der Neubau der AS Hom-Ost von Bund oder Land zwingend gefordert worden sei. Wie im Verkehrsausschuss des Landtages klar geworden sei, sei „diese Forderung nach einem Neubau AS Hom-Ost einzig und allein irgendwann einmal von der Stadt Homburg“ ausgegangen und forciert worden.

Die BI erinnert daran, dass der Stadtrat sich im Dezember 2018 „sehr verantwortungsbewusst gegenüber den hiesigen Bürgern gezeigt“ und Variante 2 bevorzugt, habe.  „Dafür sind wir sehr dankbar, aber die Zeit ist gekommen, um auch einmal zu strittigen Großprojekten generell ‚Nein‘  zu sagen.“

Die FWG versucht derweil, nochmals die Variante über die alte Trasse Glantalbahn ins Gespräch zu bringen. Das sei, so Thorsten Bruch, „die einzig sinnvolle Variante“, die aber politisch nie gewollt gewesen und zur Seite geschoben, worden sei.

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