Tradition : Weit über 1000 Pilgerer in der Parr

Gersheims kleinster Ort Utweiler stand am Pfingstmontag wieder im Fokus. Seit 1934 schlängelt sich die Prozession des Bruder Konrad-Rittes aus dem Schatten der Medelsheimer St. Martinkirche durch die Parr-Orte.

Weit über 1000 Menschen pilgerten am Pfingstmontag in Gersheims kleinsten Ort Utweiler. Schon seit dem Jahr 1934 schlängelt sich an dem Tag die Prozession des Bruder Konrad-Rittes aus dem Schatten der Medelsheimer St. Martinkirche durch die übrigen Parr-Orte Peppenkum und Riesweiler in den Ort, dessen Kirche dem Heiligen Bruder Konrad von Parzahm geweiht ist. Hat dort eine Statue des langjährigen Kloster-Pförtners von Altötting das Jahr über ihre Heimat, wurde sie nun auf dem Zugwagen von Pfarrer Krystian Scheliga mitgeführt. Erstmals dabei war in diesmal der junge Pater Mateosz Klosowski vom Franziskaner-Minoriten-Kloster Blieskastel und Kaplan der Pfarrei Heilige Familie Blieskastel-Lautzkirchen. Mit auf dem Wagen die Messdiener, von denen Franziska Zäh Reliquien des Heiligen Konrad trug, die auch bei der Segnung in der Ortsmitte zu sehen waren.

Als die beiden Kreuzreiter, Jakob Frenzel auf dem elfjährigen Holsteiner Wallach Caballero und die erstmals mitreitende Melanie Hirschmann auf ihrem 15-jährigen Oldenburger Warmblut Finn, die beide der Reitsportgemeinschaft Ormesheim angehören, passiert hatten, wurden 25 weitere Pferde mit ihren Reitern, 166 Traktoren, Zugmaschinen und Unimogs mit ihren Fahrern und Gästen vom Pater gesegnet. Akribisch zählte Alban Klingler, der festhielt, dass unter den Fahrzeugen auch die Marken Deutz, Kramer, Massey-Ferguson in allen Größen vertreten waren. Auch Schlepper der Clubs wie die der Oldtimer-Freunde Kirkel-Limbach, Traktorfreunde Heckendalheim und Biesingen, Veteranenfreunde Bliestal oder auch Traktorfreunde Kusel waren zu sehen. Wie in jedem Jahr hatten sowohl die Jugendfeuerwehr Medelsheim als auch die Feuerwehr Walsheim ihren Wagen bei dieser „Flurprozession“.

Löschbezirksführer Rainer Bachmann erwähnte stolz, dass es bereits sein 33. Ritt gewesen sei, er damals als 15-Jähriger erstmals einen Traktor lenken durfte. Derweil sorgten die Feuerwehren um den ausrichtenden Löschbezirk Peppenkum-Utweiler für die Sicherheit, aber auch die Bewirtung des um die Mittagszeit aus allen Nähten platzenden Festzeltes. Einige Meter weiter, in Utweilers Dorfkern, umrahmte der Gersheimer Musikverein Harmonie, geleitet vom Ehrendirigenten, dem 84-jährigen Richard Anna, den Festgottesdienst unter freiem Himmel mit bekannten Kirchenliedern aus der Deutschen Messe von Franz Schubert und der Messe von Joseph Haydn. Pater Klosowski rief in seiner Predigt den Namensgeber Bruder Konrad, geboren als Johannes Birndörfer, der von 1852 an 41 Jahre als Pförtner des Kapuzinerklosters St. Anna Altötting wirkte, in Erinnerung. Er sprach aber auch vom Heiligen Geist, der an Pfingsten zu den Menschen gekommen sei und sie mit Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Fröhlichkeit und Gottesfurcht beschenkt hatte. Allen Zuhörern rief er zu, dass jedermann eine eigene Art, einzigartigen Talente und Eigenschaften besitze. „Jeder hat etwas Besonderes in sich, das er aber nicht besitzt, um stolz darauf zu sein, sondern um anderen damit zu dienen“.

Er fügte hinzu: „Wenn jeder von uns das beisteuern würde, was er am besten kann, wäre unsere Welt schöner und liebevoller, wenn jeder das Beste gibt, was er hat, wäre die ganze Welt schön“. Gerade im Hinblick auf das einfache Leben des Heiligen Konrad solle jeder seine Talente schätzen lerne und sie in den Alltag einbringen solle, „denn schon die einfachste Aufgabe des Lebens bekommt etwas Faszinierendes. Ein kleines Lächeln verändert in einem kleinen Dorf die weite Welt und erfreut den gesamten Kosmos“, so der Gottesmann.

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