Broschüre „Gegen das Vergessen“ wurde in Homburg vorgestellt

Broschüre „Gegen das Vergessen“ vorgestellt : Von Nazi-Gräueln im Saarpfalz-Kreis

Die neue Broschüre „Gegen das Vergessen“ beleuchtet Orte des NS-Terrors und des Widerstands. Jetzt wurde sie in Homburg forgestellt.

Am Donnerstag war der Sitzungssaal der Stadt- und Kreisverwaltung in Homburg gut gefüllt. Es wurde die neue Broschüre „Gegen das Vergessen – Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Saarpfalz-Kreis“ der Aktion „3. Welt Saar“ vorgestellt. In der Publikation (Auflage: 12 000) wird an Beispielen gezeigt, wie sich die nationalsozialistische Politik von 1933 (beziehungsweise 1935) bis 1945 auch im heutigen Landkreis abspielte.

Es gab Täter, Opfer und Verweigerer. Der Nationalsozialismus ist im Saarpfalz-Kreis ebenso erfahrbar wie in den historischen Zentren Berlin, Nürnberg, Bergen-Belsen und Auschwitz. Mitgestaltet wurde die Broschüre von Wolfgang Johann (Germanist an der Europa-Universität Flensburg), Fabian Trinkaus (Historiker und Lehrbeauftragter an der Universität des Saarlandes), Roland Röder (Geschäftsführer Aktion „3. Welt Saar“) und Hans-Joseph Britz (Archivar der Kreis- und Universitätsstadt Homburg). Das saarländische Sozialministerium hat die Herausgabe unterstützt.

Das erste Kapitel widmet sich dem Saargebiet und dem heutigen Saarland mit Hilfe einer Karte im Vergleich. Weiter geht es mit der Bearbeitung des Themas „Das Saarland und der Saarpfalz-Kreis unter nationalsozialistischer Herrschaft 1935 bis 1945“. Dabei markierte der 13. Januar 1935 in der Saargeschichte einen tiefen Einschnitt. Zuvor hatten weite Teile des heutigen Saarlandes gemäß des Versailler Vertrags unter der Verwaltung des Völkerbundes gestanden. Im Rahmen einer Volksabstimmung entschieden sich dann die Saarländer mit überwältigender Mehrheit für eine Rückkehr zum inzwischen nationalsozialistischen Deutschland. Eine weitere Verwaltung durch den Völkerbund (Status Quo) oder eine Zugehörigkeit zur franzözischen Republik wurden abgelehnt.

Nach dem Kapitel „Widerstand und Gedächtnis: Blinde Flecken der selektiven Erinnerung“ geht es um die Geschehnisse im Konzentrationslager Buchenwald. Weiter geht es mit dem Abschnitt „Synagogen im Saarpfalz-Kreis und die Reichsprogromnacht 1938“. Auch im heutigen Saarpfalz-Kreis gehörten Synagogen zum festen Bestandteil des öffentlichen Lebens dazu. Während das Homburger Gebäude am 9. November 1938 in der Reichsprogromnacht Vandalen zum Opfer fiel, blieb die St. Ingberter Synagoge verschont. Dies hatte damit zu tun, dass am 28. März 1936 die jüdische Kulturgemeinde aufgrund der zunehmenden Verfolgungen das Gebäude verkaufte. Später fungierte das ehemalige jüdische Versammlungshaus bis zum Kriegsende unter anderem als Luftschutzschule – es war also ein mindestens indirekt kriegsrelevantes Gebäude geworden.

Im Kapitel über die Saarabstimmung 1935 wird auf Menschen aus dem Kreis eingegangen, die sich dem Naziregime entgegenstellten. Andere hier lebende Menschen beteiligten sich am spanischen Bürgerkrieg. Weitere Abschnitte nehmen die Themen „Das Landeskrankenhaus Homburg und die NS-Rassenhygeniene“, „Das Polizeilager in der Erbacher Hewimsa“, „Änne Meier – Eine Katholikin im Widerstand“, „Waldstadion Homburg: Tradition – aber was für eine?“ sowie „Historische Zeitungscollagen“ ein. Und im Zusammenhang mit dem Homburger Heimattag 1937 muss von einer zutiefst antisemitischen Veranstaltung gesprochen werden. Er stand damit in starkem Kontrast zu den Feiern wenige Jahre davor. In Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten wurden bisher im Saarland über 500 Stolpersteine verlegt, worüber unter anderem das letzte Kapitel der Broschüre berichtet.

Das Team von „Gegen das Vergessen“ griff unter anderem auf die Vorarbeit von Wissenschaftlern und Heimatforschern zurück. Im Rahmen der Recherchen habe es vielfache Hilfe und Unterstützung gegeben. Die Publikation richte sich an junge und ältere Menschen und könne im Schulunterricht, in der Erwachsenenbildung sowie in der außerschulischen Jugendarbeit eingesetzt werden.

Im Rahmen der Broschürenvorstellung meinte Landrat Theophil Gallo: „40 Prozent der Jugendlichen sollen nicht mehr wissen, was mit dem Begriff Holocaust zu verbinden ist. Das ist etwas ganz Problematisches – das gehört zur deutschen Geschichte und zur deutschen Verantwortung dazu.“ Und Homburgs Bürgermeister Michael Forster sagte: „Wir brauchen die Erinnerung – gerade auch angesichts aktueller Vorgänge. Denn egal, wohin wir schauen, wird immer deutlicher, wie wichtig Erinnerung und Auseinandersetzung sind und bleiben.“ Der Koordinator der Publikation, Johann, erklärte: „Die Frage nach den historischen Details ist nicht nur die einzige gewesen, die uns angetrieben hat. Wir haben eine kulturwissenschaftliche Herangehensweise gebildet.“