Briefsendungen in bestimmten Briefkasten in Erbach kommen nicht an

Mysteriöses Phänomen : Kommt Post in bestimmtem Briefkasten in Erbach oft nicht an?

SZ-Leserin moniert, dass Briefe, die sie in den Postkasten in der Dürerstraße 18 einwarf, in über 60 Fällen nicht ihr Ziel erreicht hätten. Gerade wenn Geld beigelegt war.

So etwas wünscht sich keiner: Man schickt Kindern von Freunden oder den eigenen Enkeln per Brief Glückwunschkarten, legt als Geschenk einen Geldschein bei – doch der kommt nie beim Empfänger an. Gleich dutzendfach sei das einer Leserin unserer Zeitung aus Erbach passiert, berichtet sie der Redaktion. Konkret gehe es um den Briefkasten in der Dürerstraße 18 in Erbach.

Die offenbar versandeten Postsendungen – insgesamt über 60 – habe sie zwischen November 2018 und Mitte Mai dieses Jahres dort eingeworfen, zwei davon sogar „getarnt“ als Geschäftsbriefe. Dass sie nie  ihr Ziel erreichten, habe sie immer erst erfahren, wenn besorgte Freunde angerufen hätten, weil sie schon lange nichts mehr von ihr gehört hätten. Dieses Problem sei schon vor etwa vier Jahren aufgetreten, damals nur kurzfristig.  Seit November 2018 sei es massiv und betreffe alle Formen ihrer Sendungen.

Da sie nicht gut zu Fuß sei, komme das Ausweichen auf einen anderen Briefkasten nicht dauerhaft in Frage. „Der Briefkasten in der Dürerstraße ist für mich verführerisch, weil ich ihn gut zu Fuß mit dem Rollator erreichen kann. Deshalb wage ich es immer wieder in der Hoffnung, dass es diesmal gut gehen möge.“ Ansonsten müsste sie das Auto benutzen, was sie aus mehreren Gründen nicht will: „Abgesehen von der Umweltbelastung wird ja immer wieder das Autofahren von Senioren diskutiert.“

Der Post hatte unsere Redaktion bereits Anfang Juni mit dem Fall und detaillierten Angaben zu den verschwundenen Briefen konfrontiert. Pressesprecher Stefan Heß hatte damals angegeben, dass man die Anfrage „zum Anlass nimmt, um den Fall sorgfältig zu prüfen. Sofern wir im Laufe dieser Prüfungen Unregelmäßigkeiten erkennen können, werden wir selbstverständlich handeln und die notwendigen betrieblichen Maßnahmen ergreifen“. Man sei im eigenen Interesse an einer schnellen und zuverlässigen Postbeförderung von A nach B interessiert, das schließe auch die 110 000 Briefkästen ein.

 Diese seien mit einem speziellen Barcode-Label ausgestattet – der Voraussetzung, dass die Scannertechnik der Post namens „Optra“ funktioniere. Jeder Kastenleerer sei mit einem mobilen Handscanner unterwegs und funke die Daten nach erfolgter Leerung an das zuständige Briefzentrum. Dort könne man sofort erkennen, ob die Briefkastenleerung wie geplant durchgeführt worden sei oder ob auf Unregelmäßigkeiten reagiert werden muss. „Wir erhalten so zeitnah aktuelle Daten über den jeweiligen Füllgrad eines Kastens sowie Informationen über eventuelle Beschädigungen oder Verschmutzungen. Außerdem nutzen wir die Daten für eine permanente Optimierung unserer Leerungsfahrten. Wir können so beispielsweise rechtzeitig Zusatzfahrten einrichten, um einer Überfüllung der Kästen in Stoßzeiten vorzubeugen.“, sagt Heß.

Doch im Fall der SZ-Leserin half das alles nicht weiter. Auf aktuelle Nachfrage erklärt Heß: „Aufgrund der Lage des Optra-Systems haben wir keinen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten gefunden.“ Die Briefkästen seien regulär geleert worden. Man habe Testbriefe in besagten Kasten eingeworfen, die aber alle am nächsten oder übernächsten Tag korrekt angekommen seien. „Wir haben die Anfrage zum Anlass genommen, im Rahmen der regelmäßigen Dienstunterrichte die Kollegen nochmal zu sensibilisieren.“ Der Fehler könne auch woanders gelegen haben, als am Briefkasten. Dass eigene Austräger Post mit Geld für sich abgezweigt hätten, dafür habe man „keine Verdachtsmomente“. Man habe auch die Reklamationslage für den Briefkasten gecheckt – sie sei nicht außergewöhnlich hoch. Generell empfiehlt Heß, kein Geld in Briefen zu schicken, sondern als spezielle Express-Sendungen: „Die sind teurer aber sicherer.“