Bosch in Homburg wird 50

Homburg. Bosch begann in Homburg, weil hier 1947 bereits die Feintechnik AG saß - das war das Vorgängerunternehmen von Bosch. "Und wir konnten im Saarland auf eine ausreichende Zahl von Mitarbeitern zurückgreifen, die mit industrieller Fertigung vertraut waren", erläutert Franz Folz, der kaufmännische Direktor der Homburger Niederlassung mit ihren heute 6000 Mitarbeitern

Homburg. Bosch begann in Homburg, weil hier 1947 bereits die Feintechnik AG saß - das war das Vorgängerunternehmen von Bosch. "Und wir konnten im Saarland auf eine ausreichende Zahl von Mitarbeitern zurückgreifen, die mit industrieller Fertigung vertraut waren", erläutert Franz Folz, der kaufmännische Direktor der Homburger Niederlassung mit ihren heute 6000 Mitarbeitern. Und, politisch gesehen, war 1960 die vollkommene Eingliederung des Saarlandes als Teil der Bundesrepublik Deutschland vollzogen, es konnte also losgehen. Das ehemalige Kasernengelände an der Bexbacher Straße bot sich als idealer Standort an, da die Feintechnik da schon saß und das Gelände ausbaufähig war. Wie man heute unschwer sieht. Im Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach, das mit der Herstellung von Dieseleinspritzpumpen kaum noch nachkam, war man froh, dass dieser Homburger Standort gefunden war, denn einerseits mangelte es im boomenden Stuttgarter Raum an Arbeitskräften, zum anderen fehlte es an Platz. Beides war hier reichlich vorhanden. Und so schlug die Geburtsstunde von Bosch in Homburg am 3. Oktober 1960, als der saarländische Wirtschaftsminister Eugen Huthmacher das Werk mit 470 Beschäftigten an den damaligen Bosch-Personalleiter Karl Schreiber übergab. Zum Glück für das Homburger Werk wurde in Stuttgart beschlossen, dass hier nicht nur eine verlängerte Werkbank, also ein Zulieferwerk entstehen sollte, sondern dass in Homburg eigenständig Einspritz- und Reihenpumpen produziert werden sollten. Damit erschlossen sich ungeheure Entwicklungsmöglichkeiten, die Bosch konsequent genutzt hat, wie der technische Direktor, Thomas Gönner, betont. Doch zurück ins Jahr 1960: Am Jahresende war die Belegschaft schon auf 590 Mitarbeiter gewachsen, die Reihenpumpen fertigten. Die Reihenpumpe sei bis heute ein Klassiker, erklärt Gönner - verlässlich und belastbar. Die Automobilindustrie wuchs und wuchs und verlangte nach Qualitäts-Produkten von Bosch, das Homburger Werk dehnte sich aus, in den 70er Jahren startet die Produktion von Pneumatik-Teilen, Elektronik kommt hinzu, gut ausgebildete Facharbeiter strömen auch aus der Westpfalz herbei. Bosch ist als Arbeitgeber beliebt, die Löhne stimmen, die Firma kümmert sich um ihre Leute, wer hier Arbeit findet, ist stolz darauf. 1980 schließlich der Wendepunkt: der Diesel-Motor beginnt weltweit seinen Siegeszug mit der neuen Verteilereinspritzpumpe (VE-Pumpe) von Bosch. Homburg hat hier gleich die Nase vorne, jetzt sind schon 3400 Leute in der Bexbacher Straße beschäftigt. Und noch einmal setzten die Bosch-Entwickler in Stuttgart eins drauf: 1997 kommt die bahnbrechende Common Rail Pumpe. In Homburg werden Sonderschichten gefahren, 7500 Einheiten verlassen pro Tag das Werk, die VE-Pumpe ist vergessen, die letzte wird 2006 gefertigt. "Es war unsere kritischste Zeit", sagt Thomas Gönner, "wir kamen nicht mehr nach. Dieser Dieselboom war so nicht abzusehen." Der Rest ist bekannt: Krise vor zwei Jahren, vorübergehender Einbruch, aber keine Entlassungen bei der Stamm-Mannschaft. Jetzt läuft's wieder. Erst bei den Pkw, jetzt die Nutzfahrzeuge, "wir sind voll ausgelastet", sagt Folz erleichtert. Die Krise scheint gebannt, schneller als erwartet. Die offizielle Jubiläumsfeier findet am 1. Oktober mit Ministerpräsident Peter Müller und geladenen Gästen statt, aus Stuttgart kommt Franz Fehrenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch. Der Familienbesuchstag ist auf den 3. Oktober terminiert, alle jetzigen und ehemaligen Mitarbeiter werden persönlich eingeladen, "wir rechnen mit 25 000 Leuten", sagt Personalreferentin Anne Schuppler. "Wir rechnen mit bis zu 25 000 Besuchern." Anne Schuppler