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Bonny ist als Schulhund am Gymnasium Johanneum in Homburg im Einsatz

Schulhund am Johanneum : Streicheln und wedeln gegen Stress

Seit diesem Schuljahr gibt es am Homburger Gymnasium Johanneum einen Schulhund. Bonny ist zum Beispiel dabei, wenn ihr Herrchen, Schulseelsorger Pfarrer Jens Henning, unterrichtet, aber auch wenn er bei Problemen zuhört.

„Hallo Bonny“, sagt die Frau, als die weiße Hündin die Aula betritt. Und selbstverständlich wird Bonny auch im Klassenzimmer der Fünfer, dem sie ungeplant einen kurzen Besuch abstattet, mit Namen begrüßt. Die Mädchen und Jungen stehen in einer dicken Traube um den Vierbeiner, ein Berger Blanc Suisse, ein weißer Schweizer Schäferhund. Sie streicheln ihm übers Fell, kraulen ihn zwischen den Ohren, freuen sich sichtlich. Bonny ist ohne Frage so etwas wie ein kleiner Star am Homburger Gymnasium Johanneum. Übrigens besitzt sie sogar einen  eigenen Instagram-Account „johanneum_school_dog“ mit mehr als 350 Anhängern, die verfolgen, was hier von ihr zu sehen ist: zum Beispiel kleine Filme, in denen sie im Schnee spielt, ein Portraitfoto mit ihrem Herrchen oder Bonny beim Pfötchen geben.

Dabei hat sie gerade einmal erst im August zu Beginn des laufenden Schuljahrs ihren „Dienst“ in der katholischen Privatschule angetreten. Und der hat bei allem positiven Rummel auch einen ernsten Hintergrund.

Bonny lebt bei Schulseelsorger Pfarrer Jens Henning, früher Kaplan in Bexbach. Er selbst ist vor zwei Jahren an die Schule gewechselt, sieht sich als jemand, der da ist  für Schüler, die etwas auf dem Herzen haben. Er will ihnen bei Problemen helfen, ihnen zuhören, mit ihnen reden. Zwei bis drei Gespräche führe er pro Woche mit  Kindern und Jugendlichen, die zum Beispiel dann zu ihm kommen, wenn sich ihre Eltern getrennt haben, wenn sie von anderen gemobbt werden und noch bei vielen anderen größeren und kleineren Dingen, die Jugendliche  so bewegen. Die Gespräche sind absolut vertraulich, betont Henning, seien geschützt durch das Seelsorgegeheimnis. Bei Hennings Tätigkeit ist Bonny immer mit dabei. Mal dient  sie als Türöffner, um ins Gespräch zu kommen, mal wirkt die Hündin tröstend, wenn Kinder trauern. Dann legt sie ihren Kopf auf deren Knie, lässt sich streicheln, ist einfach da. Da kann Henning dann jedes Mal beobachten, wie sich die Kinder beruhigen, „ihr Stresslevel sinkt“.

Schulhund wird man nicht einfach mal eben so. Es gibt eine spezielle Ausbildung, berichtet Jens Henning. Bonny lebt bei ihm, seit sie ein kleiner Welpe war. Sie sei, so erzählt der Seelsorger, schon in der Gemeinde groß geworden – mit den Ministranten, den Jugendgruppen. Als Henning dann am Johanneum arbeitete, habe ihm ein Kollege den Tipp gegeben, Bonny als Schulhund ausbilden zu lassen. Etwa ein Jahr lang daure dies, zunächst wurde sie dann tatsächlich Schulhund, später zusätzlich Therapiebegleithund. Bevor sie überhaupt dazu zugelassen wurde, war Bonny  von einer Tierpsychologin auf Herz und Nieren geprüft worden. Die habe beobachtet, wie sie reagiert, wenn sie etwa bedrängt wird. Bonny bestand.

Deswegen kann sie sich jetzt durchs Johanneum schnüffeln – immer an der Leine –, sich streicheln lassen und mit dem Schwanz wedeln, wenn sie zum Beispiel ein vom Schulbrot heruntergefallenes Stück Wurst entdeckt. Fressen darf sie das dann aber nicht.

Neben ihrem Einsatz als „Helferin“ bei Gesprächen, nimmt Henning sie mit in die Klassen, wenn er Religion unterrichtet. „Da hat sie dann ihren festen Platz, läuft aber schon auch mal durch die Reihen.“ Die Kinder, so Henning, freuten sich einfach. Ansonsten sei sie eine  kleine „pädagogische Motivationsquelle“, so darf ein Kind bei guter Mitarbeit beispielsweise mal ein Leckerli an Bonny verfüttern.  Die Klasse lerne aber auch, dass es nicht zu laut sein darf, wenn der Hund im Raum ist. Vorher werde mit den Eltern abgeklärt, ob irgendjemand Allergien habe oder Angst vor Hunden. Sei das der Fall, dann versuche er dies durch die Sitzordnung zu lösen. Wenn es gar nicht funktioniere, könne er sie dorthin nicht mitbringen. Das sei aber bisher noch nicht vorgekommen. Im Moment ist sie bei den unteren Schulkassen zu Besuch, doch die  Großen „betteln schon, dass ich sie auch mal mitbringe“.

Jeden Tag zur Schule zu gehen, das wäre  für Bonny zu anstrengend. An zwei bis drei Tagen pro Woche bringt er sie mit. „Nach drei bis vier Stunden ist sie auch durch“, mehr wäre zu viel an Sinneseindrücken, an Stress. Dann darf sie sich ausruhen, auch zu  Hause, wo sie wartet, bis Henning zurückkommt.

Er hat an der Schule zudem eine Hunde-AG ins Leben gerufen. Der Andrang sei so groß gewesen, dass er teilen musste. 15 Mädchen und Jungen waren im ersten Halbjahr dabei, 15 sind im zweiten dran. Da erfahren die Kinder dann viel über die Abstammung des Hundes, aber auch über Pflege, Ernährung. Sie bringen Bonny außerdem Tricks bei. Sie kann zum Beispiel auf Befehl kurz bellen. Im zweiten Teil der AG-Stunden-Zeit darf dann gespielt werden. Und es geht mit Bonny auf lange Spaziergänge.

Danach steht ihr auch jetzt sichtlich der Sinn. Draußen schneit es, und Schnee, verrät Henning, liebt sie sehr. Noch muss sie ein bisschen warten, bis es ins Freie geht. Aber die Streicheleinheiten der Mädchen und Jungen aus der Fünften, die nimmt sie in der Zwischenzeit auch gerne mit.