Biertrinken als Beruf

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Aus diesen vier Grundstoffen machen Brauer Biere mit unterschiedlichsten Geschmacksnoten. Auf diese Feinheiten will Bier-Sommelier Dieter Körner aufmerksam machen.

Wann ist ein Bier ein gutes Bier? Dieter Körner ist pragmatisch: "Wenn es schmeckt!" Jeder einzelne habe einen ganz eigenen Biergeschmack - und müsse deshalb sein Lieblingsbier selbst finden. Körner kann dabei helfen. Er ist "Bier-Sommelier". Der einzige im Saarland.

Biere gibt es unterschiedlichste, ob Alt-Bier, Stark-Bier, Pils oder Hefe-Weizen, grundsätzlich ist es Geschmackssache, wer welches Bier am liebsten trinkt. Doch auch bei den einzelnen Sorten gibt es ganz unterschiedliche Varianten. Und Körner hat sich auf die Fahnen geschrieben, stärker für die Feinheiten beim Bier zu sensibilisieren. Die erste Lektion, die Körner erteilt: Bier muss man schlucken, um es zu schmecken. Anders als beim Wein findet das Geschmackserlebnis nicht alleine in der Mundhöhle statt, die Bitterstoffe werden erst im hinteren Gaumenbereich wahrgenommen - beim Schlucken eben. Weswegen eine Bier-Verkostung auch gewisse Grenzen hat.

Doch schon vor dem Schlucken zeigt sich, dass es unterschiedlichste Geschmacksnuancen gibt. Erdige Noten sind ebenso vertreten wie Vanille, Karamell oder auch fruchtige Geschmäcker. "Die Brauer, vor allem die kleinen handwerklichen Brauereien, sind sehr viel experimentierfreudiger geworden", sagt Körner.

Und das, obwohl ihre Möglichkeiten begrenzt sind. Denn das Reinheitsgebot, nach dem beim Bierbrauen nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe für die Bierherstellung verwendet werden dürfen, engt die Varianten deutlich ein. Trotzdem ist beim Brauen eine erhebliche Geschmacksvielfalt möglich: "Einerseits gibt es ganz verschiedene Gerstensorten, die dann auch den Malzgeschmack beeinflussen", sagt Körner. Malz wird aus Gerste hergestellt, die nach einer kurzen Keimphase getrocknet und teilweise auch geröstet wird. Nicht nur hier habe der Brauer Gestaltungsmöglichkeiten, auch die Wahl des Hopfens beeinflusse den Biergeschmack, sagt Körner. Da gibt es unterschiedlichste Sorten mit klingendem Namen wie Herkules, Chinook, Citra oder Cascade. "Je nach Hopfenart und -menge kann das Bier dann einen eher fruchtigen oder einen bitteren Geschmack bekommen."

Der 48-jährige Saarländer ist über seine Bier-Leidenschaft zu seinem neuen Beruf gekommen. Ursprünglich hat er einmal Metzger gelernt, dann viele Jahre als Vertriebs-Mann in der Dental-Technik gerarbeitet. "Was mich damals bei Geschäftsessen immer gestört hat, war, dass Bier nicht wirklich gesellschaftsfähig war", erzählt er. War es völlig normal, zu einem guten Essen ein Glas Wein zu trinken, "wurde man mit einem Bier schon einmal schief angeguckt".

Durch eine Zufallsbegegnung begann Körners neues Leben. Über seinen Job lernte er Christian Müller kennen, dessen Großvater eine Weinhandlung betrieb. Die beiden entdeckten eine gemeinsame Leidenschaft für ungewöhnliche Biere und entwickelten die Idee, ein hochwertiges Sommelier-Bier mit Weinbrand-Aroma zu entwickeln. "Logisch, dass wir uns damals auch mit der Frage einer Sommelier-Ausbildung beschäftigten", sagt Körner. Müller absolvierte diese in Chicago, Körner wiederum in Bayern und Österreich. Der Sommelier-Kurs sei zwar auf zwei Wochen komprimiert, sagt Körner. Allerdings sei das benötigte Vorwissen erheblich. "Ohne ausreichend Praxis hat man kaum Chance, die Prüfung zu bestehen", sagt er. Körner, den es aus privaten Gründen wieder ins Saarland verschlagen hat, bricht auch hier wieder eine Lanze für das Bier. Bei der Karlsberg-Tochter Vendis, für die er seit Juli arbeitet, veranstaltet er Bier-Seminare und zeigt den Karlsberg-Kunden, dass es in der Bier-Welt weit mehr als nur Urpils gibt. "Seit ich gekommen bin, haben wir mehrere neue Biersorten ins Programm genommen", sagt Körner.