Betriebsanleitung fürs Mannlich liegt vor

Betriebsanleitung fürs Mannlich liegt vor

„Erste Orientierung“ heißt die Broschüre, die in einer Auflage von 200 Stück jetzt vorliegt. Sie stammt von der deutsch-syrischen Patengruppe und zeigt auf übersichtliche Art und Weise, wo's langgeht am Christian-von-Mannlich-Gymnasium.

Wie gelingt eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge ? Auch am Homburger Mannlich-Gymnasium, dort werden derzeit rund 40 junge Syrerinnen und Syrer unterrichtet, ist das ein wichtiges Thema. Und dem haben sich die Schülerinnen und Schüler der so genannten Patengruppe, deutsche und syrische Jugendliche gemeinsam, auf eine sehr praktische und lebensnahe Art angenommen: Eine Broschüre mit dem Titel "Erste Orientierung" wurde mit dem Ziel gestaltet, neuen Schülern aus dem Kreis der Flüchtlinge wichtige Hinweise zum täglichen Leben an der Schule zu geben. Es gibt einen Übersichtsplan über die Gebäude und deren Funktion, das Sekretariat wird vorgestellt, Fehlzeitenhefte erklärt, der Vertretungsplan erläutert - eben Dinge und Orte, die in einem funktionierenden Schulalttag zwar wenig spektakulär, aber schlicht wichtig sind. 200 Exemplare dieses "Wegweisers durch das Mannlich" wurden gedruckt, finanziert wurde das Ganze vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" Seitens des Kollegiums stehen Carolin Welter und Jan Weißler hinter der "Betriebsanleitung" für das Mannlich. "Wir haben uns in der Schülervertretung Gedanken gemacht, wie wir damit umgehen, dass wir inzwischen rund 40 syrische Schüler haben." Dabei sei es darum gegangen, erklärte Weißler, es den Mädchen und Jungen einfacher zu machen. "Wir wollten aber auch etwas für die soziale Integration tun."

Am Freitag stellten die Schülerinnen und Schüler ihr Projekt vor - in einer herrlich entspannten Atmosphäre und als gutes Beispiel für die von Weißler gewünschte Integration. Wie die erlebt wird, davon kündete auch die Antwort von Arian Ibrahim auf die Frage, wie es ihm und den anderen syrischen Flüchtlingen am Mannlich ergehe. "Die Menschen hier sind wirklich freundlich zu uns und, ganz wichtig: Ich habe noch keinen Rassismus wahrgenommen. Alle wollen uns helfen. Als ich zum Beispiel das erste Mal hier an der Schule war, haben mir direkt viele zur Seite gestanden und mir erklärt, wie alles funktioniert und wen ich fragen kann, wenn ich ein Problem habe." Und auch die deutschen Schülerinnen und Schüler machten deutlich, dass es wirkliche Grenzen eigentlich gar nicht gebe. "Ich fand die Zusammenarbeit leicht", erinnerte sich Schülerin Pauline Arend an die gemeinsamen Stunden, in denen das Projekt entstand. Diese Einschätzung Paulines teilten auch die Schüler Nils Zarn und Wesam Kifou. "Keiner der syrischen Schüler sagt 'Ich hab keinen Bock auf die Schule'. Und mit ihrem Engagement in der Patengruppe helfen sie ja auch ihren eigenen Landsleuten, wenn diese neu hier an die Schule kommen."

Dass die Broschüre Sinn macht, dessen war sich Wesam Kifou, seit drei Monaten am Mannlich, sicher. "Als ich hier an die Schule kam, wusste ich nicht, wo genau was ist." Mit der neuen Willkommens-Broschüre ändere sich dies für alle, die noch kämen.