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Betrachtung in Homburg: Das bedeutet Licht für Menschen und die Kunst

Serie „Am Wegesrand“ : Von Lichtblicken und Lichtspielen

In der Serie „Am Wegesrand“ beleuchten wir Dinge, auf die wir im Alltag immer wieder treffen, einmal aus einem anderen Blickwinkel. Diesmal geht es um das Licht.

„Bringe Licht, und das Übel verschwindet in einem Augenblick.“ Wohl kaum ein anderer als der indische Yoga-Meister Swami Vivekananda hat mit diesem kurzen Satz besser beschrieben, welche Bedeutung Licht in unserer Welt hat. Licht ist Hoffnung, dieser feste Glaube hat sich in vielen Redewendungen festgeschrieben.

Wenn es „Licht am Ende des Tunnels“ gibt, dann nährt sich eine Krise vielleicht ihrem Ende – und in diesen Corona-Tagen würden viele gerne ein echtes und stabiles Licht am Ende des Tunnels sehen. Oft sind da aber gegenwärtig nur Irrlichter zu sehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Tatsächlich ist Licht im Leben entscheidend, alles entscheidend. „Licht ins Dunkel“ zu bringen ist das auch so ein geflügeltes Wort. Oder: „Da geht mir ein Licht auf.“ Auch gerne genutzt: „Wo Licht ist, da ist auch Schatten.“ Die Liste mit klugen Bedeutungsformulierungen für die Wirkung von Licht ließe sich wahrlich beliebig verlängern. Rein formal beschrieben ist Licht eine Form der elektromagnetischen Strahlung, wobei für uns Menschen nur der Teil dieser Strahlung relevant ist, den unser Auge wahrnehmen kann. Bis in die Neuzeit war dabei gar nicht wirklich bekannt, um was es sich bei „Licht“ wirklich handelt. Bis in die Antike zurück reichen die formulierten Erklärungsversuche dafür, dass es Licht und Schatten gibt. Wer sich heute auf die Suche nach der Erklärung für Licht gibt, der findet sich schnell bei Einstein und Max Planck, bei der Relativitätstheorie, in der Quantenphysik und damit tief in der Hochwissenschaft.

Jenseits dessen ist kontrolliertes und immer verfügbares Licht, neben der Entdeckung des Feuers, für die Menschheit ein entscheidender Meilenstein in ihrer Entwicklung. In tiefer Nacht bei Bedarf für Helligkeit sorgen zu können, das war Grundlage dafür, dass Gesellschaften Unabhängigkeit vom Tag-/Nacht-Rhythmus gewannen. „Die Nacht zum Tage machen“ – ein Satz, der ohne künstliches Licht nicht sinnhaft wäre. Licht ist aber viel mehr als Notwendigkeit der Neuzeit, Licht ist auch Kunst, mit Licht wird Kunst erschaffen, mit Licht wird Kunst sichtbar. Dabei ist es die Fotografie, für die Licht Lebenselixir und Stilmittel par excellence ist. „Mit Licht zeichnen“, so lässt sich der Begriff „Fotografie“ übersetzen. Das richtige Licht zu finden, ein Objekt mit einer Wirkung richtig in Szene zu setzen, das ist das Ziel eines jeden Fotografen. Damit wird das „Wie“ genauso wichtig wie das „Was“ – mitunter sogar noch entscheidender, denn: Etwas ablichten kann gleichsam jeder. Etwas mit Licht zu formen, das trennt dann aber zügig die Spreu vom Weizen. Nun: In diesen Corona-Tagen mangelt es weder bei Tag noch bei Nacht an Möglichkeiten, Sehenswertes am Wegesrand mal im natürlichen Schein, mal im künstlich erzeugten ins „rechte Licht“ zu rücken. Schattenwirkung, gezieltes Gegenlicht, diffuse Streuungen, hartes Licht, weiches Licht – wer sich ein bisschen Zeit mehr nimmt, ein bisschen Geduld aufbringt, der kann aus Banalem rechts und links des Weges wahrlich Sehenswertes erschaffen.

Große Fotografen waren immer solche, die das Licht beherrschten, es sich zu nutze machten – und nicht zum Sklaven der Zufälligkeit wurden, sondern den perfekten Moment erspürten oder ihn selbst schufen. Meisterfotografen wie der Ungar André Kertesz verstanden und verstehen es, im Spiel von Licht und Schatten wirkliche Kunst zu erschaffen, weit hinaus über das reine Ablichten eines Objekts. Es lohnt sich also, wenn man es mag, ein bisschen mehr Zeit zu investieren, wenn man in diesen Tagen, als Ausgleich zum allgegenwärtigen Corona-Stress, mit der Kamera unterwegs ist.

Erst im Spiel von Hell und Dunkel, von Licht und Schatten gewinnen Objekte Tiefe und dann eben auch visuelle Bedeutung. Foto: Thorsten Wolf
Den perfekten Moment einfangen oder ihn mit dem richtigen Licht bewusst gestalten. Foto: Thorsten Wolf

Dabei muss es nicht immer die große Kamera sein, mit der man auf Streifzug geht. Bekanntermaßen ist es dem Nagel egal, mit welchem Hammer er in die Wand getrieben wird. Und so ist es dem Motiv erstmal auch gleich, auf welchem Weg es im Lichte für die Ewigkeit festgehalten wird: Profikamera, Smartphone, digital, analog. Am Ende kommt es immer darauf an, am Wegesrand das richtige Motiv ins richtige Licht zu rücken oder den goldenen Moment zu erkennen, in dem einfach alles passt.