Bernhard Ullrich Swing Quartet beim Jazzfrühschoppen in Homburg

Musiksommer in Homburg : Marktplatz wurde zum Jazz-Club

Viel Zuspruch, obwohl sich das Wetter wenig einladend zeigte, gab es für das Bernhard Ullrich Swing Quartet unterstützt von Sängerin Nina Michelle beim Jazzfrühschoppen in Homburg.

Was den Homburger Musiksommer mit Querbeat am Freitagabend und dem Jazzfrühschoppen am Samstagmorgen auch ausmacht? Natürlich die Abwechslung im Programm. Ein gutes Beispiel sind da die vergangenen beiden Jazz-Konzerte auf dem Marktplatz. Am Maifest-Wochenende brillierten die „Ambassadors“, die Jazzformation der „United States Air Forces in Europe Band“, stationiert auf der Airbase in Ramstein, in großer Besetzung. Am vergangenen Samstag hingegen war es mit dem Bernhard Ullrich Swing Quartet, unterstützt von Sängerin Nina Michelle, eine deutlich kleinere Band, die da die Homburger Altstadt zum Schwingen brachte. Was beide Auftritte einte, war die ausgesprochene Qualität.

Nun ist Ullrich in Homburg kein Unbekannter, schon mehrfach war er beim Musiksommer zu Gast. Man konnte also sicher sein, dass wirklich etwas geboten wird. Und das wurde es auch. Mit Thilo Wagner am Piano (auch er schon mehrfach und mit anderen Bands in Homburg zu hören), Karsten Gnettner am Bass, Bernhard Fleghar am Schlagzeug und eben Nina Michelle als wunderbar rauchige Stimme des Vormittags gings zurück in die Zeit von Benny Goodman – aber natürlich nicht nur. Doch Goodman war es, mit dem das Ullrich Quartett in den Morgen einstieg. Was besonders für eben diesen Morgen sprach, das war der wirklich gute Publikumszuspruch. Das zu würdigen lag vor allem daran, dass sich das Wetter von seiner richtig windigen und vollkommen unsommerlich kalten Seite zeigte. Trotzdem waren schon zu Beginn des Konzertes nahezu alle Tische vor der Bühne besetzt.

Von dort aus gab es schon vom ersten Ton an Erstklassiges zu hören. Und dabei stand Bandleader Bernhard Ullrich bei weitem nicht alleine im Mittelpunkt. Natürlich war es immer wieder seine Klarinette und sein Saxophon, die wichtige Akzente setzten. Doch Wagner, Gnettner und Fleghar hatten wahrlich genug Raum, um mit eigenen Dominanz-Passagen einen Vormittag mit im Grunde vollkommen gleichberechtigter Persönlichkeiten zu schaffen.

Und Nina Michelle? Die Kanadierin mit ihrer markanten und rauchigen Stimme gab dem Vormittag fast schon Jazz-Club-Atmosphäre mit viel Gefühl. Dass Michelle dabei in der Soundkulisse des Marktplatzes nicht unterging und mit ihrer wunderbaren Bühnenpräsenz glänzen konnte – auch das war eine der funkelnden Facetten des Vormittags. Es gab also genug Gründe, richtig gut gelaunt zu sein. Bandleader Bernhard Ullrich machte aus dieser guten Laune keinen Hehl. „Wir freuen uns, dass wir mal wieder da sein dürfen“, begrüßte er die Gäste auf dem Marktplatz. „Wir waren ja in ähnlicher Besetzung schon öfter hier.“

Den Worten und einer kurzen Vorstellung der Band hatte Ullrich mit dem Titel „Lady, be good“ von George und Ira Gershwin und im Arrangement von Benny Goodman vorangestellt. Dieser Jazzstandard sorgte schon mal für eine feine Duftmarke, „mit diesem Stück hat Benny Goodmann oft seine Konzerte begonnen“. Mit Goodman ging es instrumental weiter, bis nach einer halben Stunde dann Nina Michelle aus dem Quartett ein Quintett machte. Ihr Einstieg mit „Cheek to Cheek“ bediente ab dem ersten Ton die Sparte der absoluten Jazz-Evergreens – unvergessen die Version, die Louis Armstrong und Ella Fitzgerald eingesungen haben, berühmt wurde das Lied aber in der Präsentation von Fred Astair im Film „Ich tanz‘ mich in Dein Herz hinein.“ Nun: Ein Tänzchen wagte Nina Michelle nicht. Aber schon ihre Stimme reichte aus, um sich in die Herzen der Fans des Jazzfrühschoppens zu singen.

Die erlebten einen durchaus stürmischen Samstagvormittag mit groovendem Jazz, einer stimmigen Auswahl an echten Jazz-Klassikern, bestens aufgelegten Musikern und mit Nina Michelle einer „Lady in Red“, die dem Ganzen ein schickes Krönchen aufsetzte.

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