Naturdenkmäler in der Region Homburg : Im Labyrinth der  Schlangenhöhle in Einöd

In unserer Reihe der Naturdenkmäler in unserer Region statten wir heute dem Homburger Süden einen Besuch ab.

Die Schlangenhöhle ist alten Einödern bestens bekannt. Wer hier nach dem Krieg aufgewachsen ist, spielte in den Labyrinthen des Sandsteins. „Wir brauchten damals keinen Spielplatz. Wir sind morgens in die Höhle rein und abends wieder raus und nie ist einer dringeblieben“, sagt Anwohner Karl-Heinz Häfner und behauptet, die Höhle wie seine Westentasche zu kennen.

Für einen Ortstermin mit unserer Zeitung öffnete Dirk Gerber vom saarländischen Umweltministerium die Höhle. Häfner und Ortsvorsteher  Karl Schuberth zwängten sich durch das nur noch schmal öffnende Gittertor. Herabfallender Sand hat das Mundloch verlegt, das Tor öffnet nur noch einen Spalt. „Man muss Limbotänzer sein, um da noch reinzukommen“, sagt Experte Gerber, der den Sand aufgrub, um die Besichtigung zu ermöglichen und zugleich eine Bestandsaufnahme zu machen. Seit Jahren ist das Höhlensystem nämlich geschlossen. Heute ist es Rückzugsort für Tiere. Den Fuchs riecht man schon am Eingang, dort sitzen auch die meisten der dort lebenden schwarzen Höhlenspinnen, deren weiße wattebauschartige Kokons an zarten Fäden von der Decke hängen.

Während die Besucher bei Minusgraden in die Höhle hineingehen, hat es innen konstante neun Grad, es ist vergleichsweise warm, Brillen beschlagen sofort. „Früher konnte man in den ersten Abschnitten der Höhle durchgehend stehen“, ist Schuberth überrascht. Heute liegt so viel Sand auf dem Boden, dass man nur noch gebückt gehen kann. „Ich war 60 Jahre nicht mehr hier“, sagt Schuberth und sucht nach der Ursache des gehobenen Bodens. Von der Decke kommt der Sand nämlich nicht, nur an einer einzigen Stelle sieht man einige herausgebrochene Sandsteine. „Die Höhe ist stabil. Aber es gibt mehrere Öffnungen nach außen, durch die Sand bei Regenwetter eingespült wird“, erklärt der Mann vom Ministerium.

Die Höhle, als Naturdenkmal geschützt, obwohl von Menschenhand geschaffen, ist ein Rückzugsort für vier Fledermausarten und als Rückzugsort für Fledermäuse bei der EU registrierte Schutzzone. Die Fledermäuse sehen wir nicht, den Teil der Höhle, in dem sie leben, umgehen wir. Die Tiere sind nicht überall im Fels zu finden, sie haben ganz feste Plätze, erklärt der auf Fledermäuse spezialisierte Fachmann. Das große Mausohr, die Wasserfledermaus, die Bartfledermaus und das braune Langohr seien in den Schlagenhöhlen heimisch. Dazu Füchse, Marder und andere Tiere.

Die 400 Jahre alten Höhlen, die bei Sandgewinnung entstanden sind, waren lange Zeit offen. Häfner beschreibt sie als beliebten Spielplatz aber auch als Rückzugsort bei Luftangriffen im Krieg. Eine Familie soll in einem Teil der Höhlen im Krieg gewohnt haben. Danach habe man einen Teil der Höhlen beleuchtet, es habe Führungen gegeben. „Drei Stockwerke gibt es, das Erkunden lohnte sich. Doch irgendwann gab es auch Vandalismus, die Höhlenbeleuchtung wurde zerstört, die Führungen aufgegeben und die Höhlen verschlossen“, erinnert sich Häfner. Seit den 90er Jahren ist die Höhle streng geschützt. Trotzdem suchen immer wieder Menschen einen Zugang und zwängen sich durch seitliche Mundlöcher oder schneiden die Eisengitter am Tor auf. Im Sand liegen bunte Schnüre. Menschen, die die Höhlen erkundeten, wollten den Rückweg wiederfinden. Teelichter stehen herum, die eine oder andere Visite hat Spuren hinterlassen.

Ansonsten ist die Schlangenhöhle bestens untersucht und kartiert. Geologen und Biologen haben jeden Meter erforscht. Entstanden sind die Höhlen durch Förderung von Maurersand, wobei alle paar Meter Pfeiler aus Sandstein stehengelassen wurden. „Man fühlt sich wie bei den Hobbits“, beschreibt es Gerber, bevor er den Eingang wieder sicher verschließt.