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Bach-Sonate in der Schulcaféteria

Bach-Sonate in der Schulcaféteria

Die Kammermusiktage in Homburg bringen viele Besonderheiten mit sich. Eine davon ist der Auftritt des Vogler Quartetts in einer Schule. Diesmal schallten die klassischen Klänge durch die Schulcaféteria der Neuen Sandrennbahn-Schule Erbach. Bach stand auf dem Programm.

Folgt man den Künstlern der Internationalen Kammermusiktage zu ihren Aufführungsstätten, so lernt man die reizvollsten Plätze in Homburg und Umgebung kennen. Das Konzert am Mittwochabend in "Rubly's Werkstatt" war lange vorher ausverkauft.

Johann Sebastian Bach (1685-1750) stand dort mit seiner Gambensonate G-Dur BWV 1027 am Start des historischen Weges "Von Bach bis Bartók". Mischa Meyer spielte seinen Part allerdings auf einem modernen Cello und Caspar Frantz den obligaten Cembalopart auf dem Steinway-Flügel des Hauses. Dessen weiche Intonation kam dem samten perlenden Spiel des Pianisten in Bachs kontrapunktischen Figurationen sehr gelegen. Dem stand das Cello in nichts nach.

Inspiriert erklangen auch die drei Sätze aus dem 1797 entstandenen "Gassenhauertrio" B-Dur op. 11 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Im Finalsatz entfalteten der Klarinettist Zoltán Kovács sowie Mischa Meyer am Cello und Caspar Frantz am Klavier einen Reichtum an Emotionen und Charakterbildern, die man im pfiffigen Gassenhauer-Thema aus einer komischen Oper von Joseph Weigl so nicht vermutet hätte. Die gewitzte Wiedergabe des frühen Beethoven-Trios bekam ebenso viel Applaus wie danach die sieben ausgewählten Duos für zwei Violinen Sz 98 von Béla Bartók (1881-1945). Unter Umgehung mancher geigerischer Doppelgriffe wurden so kurze Stücke wie "Polstertanz", "Dudelsack" oder "Neck- und Spottlied" von Zoltán Kovács und Tim Vogler mit viel Liebe zum Detail auf Klarinette und Geige ausgeführt.

Zum Schluss wetteiferten im Klarinettenquintett A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) die Klangfarben der Klarinette von Zoltán Kovács und des Vogler Quartetts im warmen Licht der untergehenden Sonne mit der Blütenpracht im Garten draußen. Das entrückte Larghetto wünschte sich der berühmte Mozart Interpret Karl Böhm einmal zur eigenen Trauerfeier.

Nach der "himmlisch schönern" Musik ging es am Donnerstagabend im Porträt des türkischen Baglama-Virtuosen und Komponisten Taner Akyol um eine freitonale, hoch expressive Klangwelt, die im modernen Konzertsaal der Musikschule weniger Schönheit als nackte, brutale Wahrheit abbilden wollte. Zu ihr gehörte beispielsweise der 15-jährige Berkin Elvan, der beim Brotholen vor drei Jahren im Istanbuler Gezi-Park von einem Tränengasgeschoss am Kopf getroffen wurde, neun Monate im Koma lag und schließlich verstarb, zum unsäglichen Schmerz seiner Familie vom gegenwärtigen Regime auch noch als Terrorist verhöhnt. Taner Akyol widmete dem Jungen sein dreiteiliges Streichquartett "Berkin". Es ist dem Vogler Quartett zugedacht, das die Uraufführung letzten Februar in Berlin besorgte. Mit Hingabe meisterte es auch in Homburg die komplizierten Strukturen in ungewohnten, anatolischen Tongeschlechtern.

Eine Musik und ihre Wiedergabe, die erschütterten.

"Erinnerungen" überschrieb Taner Akyol ein zweites Werk, in dem er sich mit seinen Triokollegen Antonis Anissegos (Klavier) und Sebastian Flaig (Schlagwerk) zum Vogler Quartett gesellte und ein mitreißendes Feuerwerk auf den Streichinstrumenten, auf Klaviertasten, Perkussionsinstrumenten und nicht zuletzt auf den drei Doppelsaiten seiner türkischen Langhals-Laute abbrannte.

An diesem Wochenende enden die Internationalen Kammermusiktage Homburg : am Samstag, 11 Uhr, mit einem Lesungskonzert um Leo Tolstois Meistererzählung "Die Kreutzersonate" im barocken Ambiente der Zweibrücker Fasanerie, am Sonntag, 18 Uhr im Saalbau mit Werken von Beethoven und Schubert sowie an gleicher Stätte mit dem Abschluss- und Familienkonzert am Feiertagsmontag, 11 Uhr.