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Ausstellung Netz-Werk in der Galerie Köcher in Bexbach zu sehen

Ausstellung in Bexbach : Ein weit gespanntes Netz-Werk aus Kunst

Acht Künstler zeigen derzeit in der Produzentengalerie Köcher in Bexbach ihre Arbeiten. Am 6. Dezember kann man sie hier auch treffen.

Eine neue Ausstellung läuft seit Ende November in der Produzentengalerie Köcher in der Rathausstraße 16a in Bexbach. Unter dem Titel Netz-Werk sind hier Werke von Jutta Bettinger, Gerhard Fassel, Brunhilde Gierend, Peter Köcher, Ingrid Lebong, Madeleine Mangold, Schmal und J.N.R. Wiedemann zu sehen.

Peter Köcher hatte die sieben Künstler gebeten, ein Statement zu diesem Thema abzugeben, auch deswegen, da die Stadt Bexbach derzeit noch abschnittsweise das Straßennetz erneuert. Vor der Galerie liegen die Versorgungs- und Entsorgungsnetze blank, schreibt er.

Köcher selbst sieht sich als Betreiber der Produzentengalerie im Netzwerk der Künstler in einer Doppelfunktion. Er sei nicht nur der teilnehmende achte Akteur im Netz der Kollegen, sondern fungiere darüber hinaus auch als Kurator dieser Ausstellung. Und was ist nun die Netz-Werk-Kunst?

Gerhard Fassel aus Österreich holt mit seinen großformatigen Ölbildern aus der Serie „Work“ das Thema Baustelle mit den Versorgungs- und Entsorgungsnetzen direkt in den Ausstellungsraum. Vor einer Baustellen nachempfundenen Landschaft aus Schlieren von gespachteltem Verputz setzt er seine Werktätigen und Maschinen. Menschen in gebückter Haltung, Hände oft mit dem Werkzeug verschmolzen, Füße in Bewegung dargestellt. Die Oberfläche der Bildlandschaft verschmilzt mit den Arbeitenden.

Seit 2017 arbeitet Peter Köcher an einer neuen Werkserie, bei der er über 1000 so genannte Lichtpausen seiner vor Jahrzehnten erstellten Konstruktions- und Baupläne nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist, anstatt zu schreddern, in den Kunstkontext überführt. Für Teile aus dieser Werkserie wurde ihm im August der Perron-Kunstpreis der Stadt Frankenthal verliehen. Die preisgekrönten Arbeiten sind in dieser Ausstellung zu sehen.

Im Nebenraum der Galerie präsentiert Jutta Bettinger Werke aus ihrer Serie „Lost Places“, Fantasie-Orte die ihre Bedeutung verloren haben und dem Verfall preisgegeben sind. Der Betrachter ist aufgefordert, mit seiner Vorstellungskraft Orte wiederzuerkennen. Später kommt der Mensch in den Bildern hinzu und die Orte verändern sich. Es werden Orte, die in der Seele des Menschen zu finden sind. Eine Gefühlswelt entsteht, die den körperlosen Teil des Menschen sichtbar macht und emotionale Bilder wie Einsamkeit und Ängste zeigt.

Auf der gegenüberliegenden Wand in diesem Raum hat wiederum Köcher Werke aus seiner Serie „eruptiv“ gehängt, jenen Bildern in denen unvermittelt aus der Haut, der Schale, dem Gestein mit aller Macht, Innerstes nach außen dringt.

Die Linie, die sichtbar macht, ist Mittler zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, der Innenwelt von Brunhilde Gierend und ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt, den sie umgebenden Menschen und einer „immer fragiler werdenden Weltordnung“ sowohl in thematischer und gestalterischer Hinsicht als auch im Experiment mit den verschiedenen Linien erzeugenden Werkzeugen.

Zwei Nischen nutzt J.N.R. Wiedemann. Im Allgemeinen haben Nischen in Räumen einen besonderen Stellenwert. Sie sind entweder der Innenschau und Erinnerung, ausgestattet mit Devotionalien, oder dem Ausblick in Form von Fenstern gewidmet. Diese beiden Nischen berühren beide Funktionen, indem sie Werke präsentieren, die einen Ausblick auf die Vernetzung von Mensch, Natur und Technik bieten und gleichzeitig zum Innehalten und Nachdenken anregen wollen.

Neben Holz- und Steinbearbeitung gehört das Formen von Lehm und Ton zu den archaischen Ausdrucksformen. Wille und Gedanke des Künstlers fließen unmittelbar über die Hände in das formbare Medium, wie an den Bearbeitungsspuren auf den Werken von Madeleine Mangold zu zu erkennen ist. Ihre Fabelwesen und Objekte von Land und Meer „wirken in ihren einfachen Formen, zurückgeworfen auf ihre Ursprünge, fremd und gleichzeitig verletzlich“.

Das Meer ist für viele Künstler eine Quelle der Inspiration, so auch für Ingrid Lebong. Von den beiden Objekten aus geschwärztem Holz und Metall die sie zeigt, ist das eine unverkennbar ein Schiff, das sich seinen Weg durch Wellenberge und -täler bahnt um seine Insassen sicher an Land zu bringen. Das Zweite, obwohl größer, erinnert an eine den Elementen ausgesetzte Nussschale, von mächtigen Blitzen getroffen – oder aus anderem Blickwinkel betrachtet, an einen gepfählten Torso.

Der in Frankreich lebende Künstler Schmal nutzt ein Schaufenster der Galerie zur Präsentation seiner wilden, farbgewaltigen Malerei. Die großformatigen Rücken an Rücken hängenden Bilder verknüpfen die Außenwelt mit der Innenwelt der Galerie.