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Ausstellung „Natuerlich – Kunst!“ von Anne Deutsch im Saalbau Homburg

Ausstellung von Anne Deutsch in Homburg : Rein in den Saalbau, raus aufs Land

Den Titel ihrer Ausstellung „Natuerlich – Kunst!“ nimmt Anne Deutsch wörtlich. Diese ist eine besondere Landpartie mit ganz unterschiedlichen Aussichten. Eröffnet wird die Schau im Homburger Saalbau am 3. August.

Einfach eintreten, schon geht sie los, die Landpartie mitten in der Stadt im Homburger Saalbau. Es geht durch leuchtend bunte Blumenwiesen, vorbei an Gullideckeln, aus denen erste Pflanzen sprießen oder die von Blättern bedeckt werden. Man sieht Kupferplatten mit besonderer Patina, Tonmasken, Lavendel, riecht Heu und soll auch das hören, was man eben so hört, wenn’s raus geht ins Grüne: gackernde Hühner. Nur dass man eben drinnen ist, im Galerieraum des Kulturzentrums. Möglich macht das Anne Deutsch mit ihrer aktuellen Ausstellung „Natuerlich – Kunst!“, die am 3. August hier eröffnet wird.

Der Titel ist Programm und dies in vielerlei Hinsicht. 87 Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren, darunter viele ganz aktuelle, sind hier arrangiert, ganz unterschiedliche Serien und doch folgen sie der einen großen Linie. Denn Anne Deutsch, die als Lehrerin an der Robert-Bosch-Schule unterrichtet, geht es um Nachhaltigkeit, ums Umweltbewusstsein, aber ohne moralische Keule. Der Grundgedanke: Alles, was man tut, besitzt, hinterlässt einen Abdruck auf der Erde. Keinen zu verursachen ist das Ziel, das man so wohl nicht hinbekommt, aber es sollte eben so reduziert wie möglich sein. Deswegen ist die Natur nicht nur Thema von Anne Deutschs Arbeiten, sondern wird im wahrsten Sinn des Wortes auch darin verarbeitet. Acryl und Harze lasse sie bewusst weg, sagt sie, das „wäre auch unverantwortlich meinen Kindern gegenüber“. Stattdessen sind es Naturmaterialien wie Ton. Oder sie löst mit verschiedenen Substanzen Veränderungs-Prozesse auf wechselnden Bilduntergründen aus.

Themen findet die Lehrerin auch im heimischen Garten in Kleinottweiler, in dem übrigens seit einiger Zeit Hühner herumlaufen. Was hier blüht und wächst, hat sie in einer Bilderserie festgehalten. Die Prachtkerze mit ihren Blüten zum Beispiel, eine „Überlebenskünstlerin“, oder die wilde Möhre.

Wie groß die Themenvielfalt ist, das zeigt schon ein Blick durch den Raum, in dem neben Malerei, Fotografien und Keramikarbeiten stehen und hängen.

Da sind zum einen behandelte Kupferplatten, die in Farben des Wassers von etwas grün und blau bis richtig viel türkis leuchten mit Einsprengseln aus Blattgold und -silber. Mal sind sie größer, mal klein wie echte Schmuckanhänger. Um diesen Effekt zu erreichen werden die Platten zuerst mit einer Nadel eingeritzt, etwa mit Baum- und Blattformen, danach so behandelt, dass sie oxidieren, ein Prozess, der übrigens immer weiter geht, nie endet. Dass es dazu auch Drucke gibt, ist mit dem Zufall zu verdanken, denn eigentlich wollte Anne Deutsch nur überschüssige Flüssigkeit loswerden, presste dazu Papier darauf und war vom Ergebnis direkt fasziniert. So gibt es nun also in dieser Kalpa-Serie Druck und Platte als jeweils eigenständige Arbeiten und zugleich als faszinierendes Duo.

Übrigens sollen auch die Abdrücke der Ausstellungsbesucher zur Kunst werden. Gleich am Eingang – wegen Corona herrscht eine Einbahnstraßenregelung für den Kunstrundgang – liegt eine Kupferplatte, über die jeder hinüberlaufen muss. Später will Anne Deutsch diese Spurenplatte behandeln und so in den künstlerischen Verwandlungsprozess schicken.

Die Natur ist auch Thema in Fotoserien, die fast schon wieder grenzüberschreitend in Richtung Malerei tendieren, etwa im nahen Blick auf Hagebuttenzweige oder auf weinende Betonwände, letztere aufgenommen im jüdischen Museum in Berlin. Auf schrägen Stelen seien dort Ölweiden eingepflanzt, im Vorbeilaufen habe sie den Tropfen entdeckt, der aus dem Beton quoll wie eine Träne. Das habe sie sehr bewegt, sagt Anne Deutsch.

Überhaupt spielt der Zufall eine Rolle. So entstand etwa ein herbstliches Selbstportrait, auf dem ihre Stiefel zu sehen sind. Anderes ist das Ergebnis einer langen Suche. Die Lebenslinie zum Beispiel, eine kleine Serie ganz unterschiedlicher Motive. Mal ist es eine Kinderhand, mal eine Straße, mal ein Baumstamm. Allen gemeinsam ist die Linie, die zwei Punkte verbindet, nicht gleich, nicht gerade – so wie das Leben eben.

Ganz anders wieder die Blumenbilder, eine ganze Ecke. Farbpigmente in Alkohol gelöst lassen Mohn, Stiefmütterchen, Dahlien blühen. „Es fängt mit einem Klecks an“, erzählt Anne Deutsch, „dann steuere ich weiter.“

Auf eine bestimmte Methode lässt sie sich sowieso nicht festlegen, sie experimentiert gerne. So sind es unterschiedliche und unkonventionell veredelte Tonsorten in Weiß, Schwarz, Braun die sie für ihre Masken und kleinen Figuren verwendet, die übrigens so heißen, wie das, was sie ausdrücken, von sinnend und wachend bis trauernd. Auch hier finden sich übrigens die Lebenslinien wieder.

 Lebenslinien verlaufen nie gleich, nicht gerade. Anne Deutsch hat sie an vielen verschiedenen Stellen gefunden und abgelichtet.
Lebenslinien verlaufen nie gleich, nicht gerade. Anne Deutsch hat sie an vielen verschiedenen Stellen gefunden und abgelichtet. Foto: Ulrike Stumm
 Kunst für die Natur und Umweltschutz nimmt Anne Deutsch in ihrer Ausstellung wörtlich; sie lässt für verkaufte Werke Bäume in der Region pflanzen.
Kunst für die Natur und Umweltschutz nimmt Anne Deutsch in ihrer Ausstellung wörtlich; sie lässt für verkaufte Werke Bäume in der Region pflanzen. Foto: Ulrike Stumm
 Auch Masken, gefertigt aus Ton, gehören zur Ausstellung von Anne Deutsch. Sie heißen so wie das, was sie ausdrücken, hier zum Beispiel ist sie mit „wachend“ betitelt.
Auch Masken, gefertigt aus Ton, gehören zur Ausstellung von Anne Deutsch. Sie heißen so wie das, was sie ausdrücken, hier zum Beispiel ist sie mit „wachend“ betitelt. Foto: Ulrike Stumm
 Aus der Kalpa-Serie stammt dieser „Baum“. Anne Deutsch behandelt Kupferplatten so, dass sie oxidieren, dazu kommt Blattgold und Blattsilber.
Aus der Kalpa-Serie stammt dieser „Baum“. Anne Deutsch behandelt Kupferplatten so, dass sie oxidieren, dazu kommt Blattgold und Blattsilber. Foto: Ulrike Stumm
 Verschiedene Serien sind in der Ausstellung in der Saalbau-Galerie zu sehen, beispielsweise eine über Pflanzen aus dem Garten von Anne Deutsch und ihrer Familie in Kleinottweiler. Andere Motive entdeckt sie im Vorübergehen.
Verschiedene Serien sind in der Ausstellung in der Saalbau-Galerie zu sehen, beispielsweise eine über Pflanzen aus dem Garten von Anne Deutsch und ihrer Familie in Kleinottweiler. Andere Motive entdeckt sie im Vorübergehen. Foto: Ulrike Stumm

Wer angesichts der Fülle eine Pause braucht, der kann sich auf eine Art Holzpalette, unter der Stroh aufgeschichtet ist, niederlassen. Überhaupt lohnt sich auch der Blick nach unten, denn auch da findet sich Kunst. Und hier steht eine große Tafel, deren Aufschrift mit beweist, dass es ihr ernst ist mit dem Umweltbewusstsein, dem Wert der Natur – nicht nur in ihre Arbeiten. Wer mag, der kann gleich anfangen mit dem eigenen Beitrag für eine bessere Umwelt: Für jedes verkaufte Kunstwerk aus Anne Deutschs Schau wird nämlich von ihr ein Baum gepflanzt. Mit dem Förster sei dies abgesprochen, stehen werden diese Bäume am Homburger Zunderbaum. Der Erlös aller Bilder aus der Kalpa-Serie mit den oxidierenden Platten und Drucken geht an die Organisation „Plant for the planet“, einer Klimaschutzstiftung, die sich unter anderem mit Baumpflanzaktionen vor allem an Kinder und Jugendliche wendet. Infos dazu unter www.plant-for-the-planet.org