Ausbildung nah am Leben

Eine Weizenbier-Einschenk-Maschine mag als eindrucksvolles Beispiel der erfolgreichen Ausbildung am AZH und der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie der Karlsberg Brauerei dienen. Spannenden Einblick gab hier ein Tag der offenen Tür.

Er ist eine gute Tradition, der Tag der offenen Tür beim Ausbildungszentrum Homburg (AZH). Und er ist einer, der auch immer wieder überraschen kann. Denn: Die große Lehrwerkstatt am Firmensitz in den Erbacher Rohrwiesen bot in diesem Jahr nicht nur viele Einblicke in die Ausbildung von Industrieberufen, sondern auch ein wirklich ungewöhnliches Beispiel dessen, was Lehrlinge unter der Anleitung von erfahrenen AZH-Meistern leisten können. Konkret hatten Auszubildende der Karlsberg-Brauerei eine Weizenbier-Einschenk-Maschine entwickelt, die programmgesteuert ein perfektes Weizenbier einschenken kann - samt Schaumkrone und ohne Verschütten.

Den Impuls für diese ungewöhnliche Lehrlingsarbeit setzte AZH-Geschäftsführer Norbert Seiler, der Karlsberg-Geschäftsführer Markus Meyer das Foto einer vergleichbaren Maschine, allerdings in weniger ausgereiftem Zustand, schickte. Meyer zeigte sich begeistert und versprach: "Wenn ihr eine solche Maschine baut, dann gibt's 100 Liter Freibier." Die muss Meyer nun stiften, und das wohl sichtlich gerne. Denn die Weizen-Einfüll-Maschine soll kein Gag bleiben, sondern in die Serienfertigung gehen. "Wir werden dieses System auch erweitern, damit mehr als ein Weizenbier auf Knopfdruck eingeschenkt werden kann. Zu kaufen gibt es diese Maschine dann online über unseren Webshop, und nur dort." Damit reihte Meyer die Innovation, als Kooperation zwischen Karlsberg und dem AZH, auch in die Absicht der Brauerei ein, sich verstärkt im Online-Handel zu positionieren.

Grundsätzlich bewerte Markus Meyer die Zusammenarbeit mit dem Verbundausbildungsspezialisten AZH als echten Gewinn für Karlsberg. "Wir haben mehr als 15 Ausbildende in den Bereichen Industriemechaniker, Elektroniker und Maschinenführer- und Anlagenführer hier beim AZH." Diese Kooperation als Partner in der Verbundausbildung habe sich für sein Unternehmen bewährt, "denn wir haben einen ganz besonderen Anspruch an die Qualität der Ausbildung. Und genau das ist das, was die Ausbildung hier auszeichnet."

Genauso sah es auch Katrin Klink, Ausbildungsleitung von Schaeffler Technologies am Standort Homburg. "Die Azubis, die im System der Verbundausbildung ihre ersten beiden Lehrjahre hier beim AZH absolvieren, können sich in dieser Zeit komplett auf die Ausbildung konzentrieren. Sie erleben nicht das Tagesgeschäft, bei dem man ihnen vielleicht auch mal einfachere Aufgaben zum Zeitfüllen ‚aufdrückt'. Vielmehr werden in diesen beiden ersten Jahren hier alle Grundlagen vermittelt, die für eine Ausbildung wichtig sind."

Und wie sehen die jungen Leute selbst ihren Einstieg in die Berufswelt der Industrie? Melissa Kiefl, Auszubildende von Schaeffler Technologies im ersten Lehrjahr zur Elektronikerin für Betriebstechnik, war da am Samstag ganz eindeutig. "Mir war von Anfang an klar, dass ich diesen Beruf machen will." Mit ihrem Abitur ein Studium zu absolvieren, kam hingegen nicht in Frage. "Der Ausbildungsberuf ist für mich die erste Wahl gewesen, weil man hier in der Praxis lernt und nicht nur die ganze Zeit in der Vorlesung sitzt."

Zum Thema:

Auf einen Blick Unter Verbundausbildung (auch Ausbildungspartnerschaft) versteht man die Zusammenarbeit einzelner Betriebe und Ausbildungszentren wie dem Ausbildungszentrum Homburg (diese in der Funktion einer Lehrwerkstatt) in der Ausbildung. Die Partner des Verbunds ergänzen sich bei der Berufsausbildung gegenseitig, wenn der eigentliche Ausbildungsbetrieb Ausbildungsinhalte aufgrund seiner Geschäftsprozesse nicht vermitteln kann. thw