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Aus Faszination für die Berge wurde Hilfe

Aus Faszination für die Berge wurde Hilfe

Sie wollten als passionierte Bergsteiger die hohen Gebirge erobern, das brachte sie nach Nepal und zum Himalaya. Inzwischen helfen sie seit zehn Jahren dem Kinderhaus Kathmandu, haben dort Freunde gefunden und lassen die Menschen in Homburg durch Vorträge an ihrer Leidenschaft für die Region teilhaben.

Nepal und die Himalayaregion liegen seit vielen Jahren ganz nah an Homburg . Dass tausende Kilometer keine Rolle spielen müssen, dafür sorgen seit mittlerweile zehn Jahren Anne und Klaus Hessenauer, die ihre Zuschauer mit Multimediavorträgen mit vor Ort nehmen. Und nicht nur das: Genauso lange unterstützen die beiden mit Spenden aus diesen Vorträgen und anderen Aktionen das Kinderhaus Kathmandu (siehe Text unten).

Dabei waren es eigentlich die Berge, die sie ins Land gelockt haben. "Die Menschen haben uns dann hier gehalten", sagt Klaus Hessenauer, heute Rentner, früher verantwortlich für die Logistik in der Hydraulik bei Bosch-Rexroth, im Gespräch mit unserer Zeitung. Anne und Klaus Hessenauer waren nämlich schon lange vor ihrer ersten Nepalreise Trekker und Bergsteiger, waren in den Dolomiten, den Alpen unterwegs. "Wir wollten dahin, wo die hohen Berge sind", erklärt er die erste Motivation, in die Ferne zu streben. Sie fanden in Nepal dann aber nicht nur faszinierende landschaftliche Schönheit, sondern auch Gastfreundschaft. Und sie sahen genauer hin. "Wenn man im Land zu Fuß unterwegs ist, sieht man auch die großen Unterschiede zu uns", werde mit Armut und Hilfsbedürftigkeit konfrontiert. Für die beiden stand fest: Sie wollen mehr tun, als zu Weihnachten an eine Hilfsorganisation zu spenden. So stießen sie auf das Kinderhaus Kathmandu, überzeugten sich vor Ort von dessen "vernünftiger und nachhaltiger" Arbeit - und sehen bis heute auf ihren Reisen immer hier vorbei. "Zwei bis drei Tage sind dafür immer im Zeitplan", so Hessenauer. Am 6. Juni 2004 organisierten sie zu Hause ein Benefizkonzert mit dem Chor Sing 'n' Swing, der Erlös ging an das Kinderhaus. "Das war der Auftakt, die Initialzündung", dann ging es weiter, weil man eben viel mehr tun könne. Regelmäßig begeistern sie seitdem die Menschen mit ihren Vorträgen über ihre Reisen, mit den Bildern, den Geschichten. Das Forum dafür bietet die Homburger Volkshochschule. Auch das Benefizkonzert haben sie zum runden Geburtstag ihrer Hilfe in diesem Sommer wiederholt. Das gespendete Geld kommt immer dem Kinderhaus zugute. Sie konnten viele interessieren und motivieren, die ihnen seitdem helfen: Bekannte, Vereine, Gemeinden, aber auch andere Privatpersonen.

Jedes Jahr - mit wenigen Ausnahmen - sind Anne und Klaus Hessenauer unterwegs, drei bis vier Wochen dauern ihre privat finanzierten Reisen. Verständigen können sie sich auf Englisch, ein Freund habe inzwischen ganz gut Deutsch gelernt. Seine Frau spreche ein paar Brocken Nepali. "Das macht Türe und Tore auf." Wenn sie unterwegs sind, schlafen sie in landestypischen, einfachen Gasthäusern auf Holzpritschen in Schlafsäcken. Ein Höhepunkt ist es für sie, wenn sie bei einem guten Freund in die Familie integriert sind. Von solchen Dingen berichten sie auch ihrem Publikum.

"Menschen, Natur, Kultur erleben" war der Titel des ersten Vortrages im November 2005. Mit dem Zehnjährigen greifen sie das erste Thema am 12. November in der Hohenburgschule noch einmal auf, zeigen aktuelle Bilder von ihrer Reise in diesem Jahr, spannen den Bogen über die vorangegangenen neun Vorträge. Menschen, Natur und Kultur der Reiseländer waren ohnehin immer der rote Faden. Besonders werden Menschen, ihre Sitten und Gebräuche thematisiert. Die beeindruckende Bilderreise führt diesmal von Nepal über Ladakh, Tibet nach Sikkim und Bhutan.

Ans Aufhören denken sie nicht, sie wollen weitermachen: "So lange ich zwei gesunde Füße habe, laufen kann, ich körperlich gesund bin" sagt Klaus Hessenauer, der heute 65 Jahre alt ist. 1997 haben er und sein Frau, 62, auf dem Rückweg in der Everestregion einen Franzosen getroffen, der mit 75 Jahren noch unterwegs war. Das nehmen wir uns mal vor, haben sie damals gedacht.

Die Homburger Anne und Klaus Hessenauer reisen seit 1997 immer wieder nach Nepal und in die Himalayaregion. Und sie sind nicht nur fasziniert von der Natur, sondern helfen hier auch. Nepal rangiere in der Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter den ärmsten Ländern der Welt, unterstreichen sie.

Nach intensiver Suche fanden sie mit dem Kinderhaus Kathmandu am Rand der nepalesischen Hauptstadt und dessen deutschem Trägerverein ein, einerseits überschaubares, andererseits bereits fest etabliertes Projekt. Ein Kinderhaus das sich um Waisen und Halbwaisen aus kaputten Familien kümmert. Das Motto des Vereins "Ein Zuhause, eine Schule, eine Zukunft" wird mit dem Projekt Kinderhaus und mehreren Schulen auch in abgelegenen Regionen umgesetzt, erklären sie. Dazu gehört auch eine kleine ökologische Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung an den Schulstandorten und Erwachsenenbildung runden die Arbeit ab. Alles wird mit privaten Spenden finanziert. Der Verein Kinderhaus Kathmandu ist als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt. Für das große Engagement des Vereins wurde die Vorsitzende Lydia Schmidt im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

www.kinderhaus

-kathmandu.de

trekkingadventure.de/

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Multimediavortrag von Anne und Klaus Hessenauer über Menschen, Natur und Kultur in Nepal und dem Himalaya in der Hohenburgschule in Homburg beginnt am Mittwoch, 12. November, um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden kommen der Kinderhausfamilie in Nepal zugute. Am Dienstag, 25. November, 19 Uhr, präsentieren die Hessenauers - auch für die Spendenkasse - im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel, Am Tannenwald 1, den Vortrag "Mein Weg zum heiligen Berg". Thematisiert wird folgende Reise: Sie überquerten zu Fuß den Himalaya Hauptkamm, kamen über Westtibet bis zum heiligen Berg Kailash. Der Eintritt ist frei. Anmelden sollte man sich aus organisatorischen Gründen, Telefon (0 68 49) 90 90 oder per Online-Formular www.bildungszentrum-kirkel.de . ust