Aufstellung des Mahnmals zum Gedenken an Opfer der Nazis verzögert sich

Zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes : Warten aufs Mahnmal geht weiter

Im vergangenen Oktober hat der Homburger Stadtrat beschlossen, dass ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus errichtet wird. Um Ostern herum sollte es stehen. Der Termin verzögert sich weiter.

Eigentlich sollte es schon längst stehen, das Mahnmal, das Izhak Hirsch so am Herzen liegt. Für das er schon so lange kämpft. Er will damit an seine Großeltern Mathilde und August Hirsch und an andere erinnern, die in Homburg lebten, bis sie deportiert und von den Nazis ermordet wurden (wir berichteten mehrfach). Zum Beispiel an Hans Heinrich Feibelmann, der gerade einmal zehn Jahre alt war, als sein Leben in Auschwitz ausgelöscht wurde oder an Alice Feibelmann, die dort ebenfalls von den Nazis umgebracht wurde. Auch die Leben von Erich Emanuel Hirsch, Paula Salmon und Rosa Salmon endeten gewaltsam.

Nachdem Hirsch sich immer wieder engagiert hatte, sehr oft vertröstet worden war, sich zwischenzeitlich  auch an die Zeitung gewandt hatte, gab es dann endlich im vergangenen Oktober eine handfeste Entscheidung: Der Homburger Stadtrat beschloss, dass ein solches Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden soll. Im Dezember reiste Hirsch aus der Schweiz, in der er seit langem lebt, zu Gesprächen mit der Stadtspitze nach Homburg. Damals wurde erstmals ein Datum genannt: Um Ostern herum sollte das Mahnmal stehen und zwar am Marktplatz, genauer an der Ecke Klosterstraße/Saarbrücker Straße, gegenüber dem alten Storchen. Die Stelle war Hirsch wichtig, er wollte, dass an die Menschen dort erinnert wird, wo sich alles abspielte: in der heutigen Karlsbergstraße.

Ostern war im April, jetzt liegt das Land mitten in den Sommerferien. Das Mahnmal steht noch nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung hatte die Stadt Verzögerungen eingeräumt, zunächst hieß es, man wolle ein bis zwei Wochen nach Ostern beginnen, also Anfang Mai. Für die Arbeiten wurden etwa zwei Wochen einkalkuliert.

An der Stelle ist aber weiterhin nichts von einem Mahnmal zu sehen, es ist mittlerweile fast Mitte Juli. Was also ist da los und warum verzögert sich die Aufstellung erneut?

Es seien umfangreiche Gespräche mit Post und Telekom erforderlich gewesen, „um die Standorte der Telefonsäule und des Briefkastens zu verlegen, damit diese an der ausgewählten Stelle für das Mahnmal nicht störend in das Erscheinungsbild des Mahnmals eingreifen“, teilte der bei der Stadt zuständige Amtsleiter für Kultur und Tourismus, Klaus Kell, dazu mit. Der Briefkasten sei bislang noch nicht abmontiert worden.

Der Arbeitsablauf sei auch an die Sanierung der oberen Eisenbahnstraße angepasst worden, „da dieselbe Firma das kostengünstigste Angebot für die Baumaßnahme machte. Hierbei kam es nicht zuletzt auch wegen der Probleme mit den Gasleitungen im Bereich Eisenbahnstraße-Talstraße zu zeitlichen Verzögerungen“, erklärt Klaus  Kell weiter.

Trotz aller Probleme: Beim anvisierten Standort soll es bleiben. Auch um den war im Vorfeld übrigens heftig gerungen worden, denn die Verwaltung hatte diesen zunächst mit dem Argument abgelehnt, dass „dieser Platz für die Neuaufstellung des Weihnachtsbaums während des Nikolausmarkts und der Weihnachtszeit ausgewählt worden war“. Am Ende entschied man sich dann aber doch um.

Mittlerweile haben hier „erste vorbereitende Maßnahmen stattgefunden“. Konkret sei der genaue Standort festgelegt worden. Und es habe „Erdbauvorarbeiten“ gegeben, führte Kell aus. Kosten solle das Mahnmal, wenn man die verschiedenen Positionen der erforderlichen Leistungen alle zusammenrechnet, etwa 16 000 bis 18 000 Euro.

Während die Arbeiten also mittlerweile zumindest zaghaft laufen, ist noch unklar, wann man hier denn nun fertig sein wird. Das sei „im Moment noch nicht zu sagen. Hierzu finden noch Terminabsprachen statt“, machte Kell deutlich. Sein Ziel für die Einweihung, wenn alles glatt läuft: ein baldiger Termin nach den Sommerferien, dann, wenn alle wieder aus dem Urlaub zurück sind. Man plane hier einen etwas größeren Rahmen, möchte auch Vertreter aus der Landespolitik einladen. Auch Izhak Hirsch und seine Frau hatten angekündigt, dazu wieder nach Homburg zu kommen.

Das Mahnmal selbst, das etwa zwei Meter breit und an der höchsten Stelle 1,80 Meter hoch sein soll, wurde übrigens bereits erstellt. Entworfen wurde es vom Künstler Klaus Glutting. Sieben Stelen sollen einen Halbkreis bilden. Diese Stelen seien bereits vorhanden, führt Kell aus. „Es werden sieben Plaketten angebracht, auf jeder Stele eine. Auf sechs Plaketten stehen die Namen der jüdischen Homburgerinnen und Homburger, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Die Plakette der mittleren Stele trägt einen Text zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes, der mit Herrn Hirsch abgestimmt wurde“, erläutert Kell.

Eine Auflistung aller Namen war Hirsch immer ein besonderes Anliegen: „Mir ist wichtig, dass die Namen all jener, die keine Grabstätte finden konnten, aufgeschrieben werden – im Sinne der ewigen jüdischen Grabesruhe – in ihrer Heimatstadt. Sie haben zu Lebzeiten auch zum Wohlstand der Stadt beigetragen und waren zudem stolze Bürger von Homburg.“

Izhak Hirsch kämpft seit Jahren um ein Mahnmal, um an seine Großeltern und andere zu erinnern, die in Homburg lebten, bis sie deportiert und von den Nazis ermordet wurden. Foto: Ulrike Stumm

Nun hofft wohl nicht nur Hirsch, dass das lange Warten auf ein Mahnmal demnächst endlich wirklich ein Ende hat, und er zur Einweihung anreisen kann.

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