„Aufstand“ gegen Pflegesystem

Viele saarländische Kliniken schreiben rote Zahlen. Konsequenz: Personal wird abgebaut. Laut Verdi fehlen in diesem Bereich 3350 Arbeitsplätze. Um darauf hinzuweisen, gab es auf dem Christian-Weber-Platz den „Homburger Aufstand“.

. Es war ein dramatischer Appell, den die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi da am vergangenen Samstag vom Homburger Christian-Weber-Platz aus an die Menschen richtete: Die Pflege in den Krankenhäusern des Saarlandes liege schlicht am Boden. Das "am Boden liegen" hatten Pflegekräfte im Bundesgebiet in den zurückliegenden Monaten in sogenannten "Flashmobs" (kurze, oft nur scheinbar spontane Menschenaufläufe) bildlich dargestellt. Auch in Homburg hatten immer wieder Pflegekräfte liegend auf dem Christian-Weber-Platz auf die aus ihrer Sicht bestehenden Missstände aufmerksam gemacht.

Am vergangenen Samstag nun folgte auf diese Form des liegenden Protestes der "Homburger Aufstand": Mehrere hundert Pflegekräfte aus dem ganzen Saarland machten ihrer Wut über ein Pflegesystem, das sich von ihrer Warte aus betrachtet nur noch an Kostenfaktoren orientiere, Luft. Michael Quetting, als Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Fachbereich Gesundheit im Bezirk Region Saar-Trier einer der Wortführer des Homburger Aufstandes, verdeutlichte die Sicht der Gewerkschaft auf die aktuelle Situation der Pflege: "Die Lage ist unerträglich. Und sie spitzt sich im Saarland weiter zu. Denn wir haben Hiobsbotschaften vom Uniklinikum Homburg , von den Krankenhäusern in Merzig und Neunkirchen, aus St. Ingbert." Überall dort schreibe man rote Zahlen, so Quetting, "und die Häuser lösen das Problem, indem sie Personal abbauen. Das bedeutet, dass die Arbeitssituation vor allem im Bereich der Pflege untragbar geworden ist, die Kolleginnen und Kollegen können einfach nicht mehr."

Daraus resultiere nun die Forderung eines gesetzlich festgelegten Personalschlüssels im zahlenmäßigen Verhältnis von Pflegekräften zu Patienten, "wir wollen entsprechend auf die Bund-/Länderkommission einwirken". Dies sei nun aber nicht mehr mit Resolutionen möglich, es sei vielmehr an der Zeit, mit einem Aufstand auf die Situation aufmerksam zu machen. Quetting: "Wir appellieren auch an die Betriebsräte und Personalvertretungen, den Dienstplänen, die uns ausbeuten, nicht mehr zuzustimmen. Und wir wollen 'Widerstandsnester' bilden." Dazu müsse man sich allerdings noch besser organisieren. Die Forderung von Verdi nach einer besseren finanziellen Ausstattung der Krankenhäuser müsse vor allem zu mehr Stellen in der Pflege führen. Quetting: "Alleine im Saarland fehlen in diesem Bereich 3350 Arbeitsplätze ."

Auch Charlotte Matheis, Anästhesie-Schwester und freigestelltes Personalratsmitglied am UKS, zeichnete aus persönlicher Erfahrung ein düsteres Bild der aktuellen Pflege-Situation. "Das Personal wird immer knapper, vor allem auf den Stationen sind die Patienten nicht richtig versorgt." Das führe zu dauerhafter Überlastung des Personals. "Überall schreien die Kollegen wirklich nach Hilfe - Hilfe auch in Form von mehr und gut ausgebildetem Personal."

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