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Aufbau von COVID-19 Versorgungszentren im Saarpfalz-Kreis

Kostenpflichtiger Inhalt: Am 4. April gehts auch in St. Ingbert los : Notstation an Sandrennbahn fast fertig

Das Lazarett in der Sporthalle „Neue Sandrennbahn“ ist Erbach wird eingerichtet, das in der Wallerfeld St. Ingbert folgt jetzt. Das Uniklinikum Homburg rüstet derweil seine Zentrale Notaufnahme um.

Die Welle von schwerkranken Corona-Patienten wird von Experten erwartet. Im Saarpfalz-Kreis wird dann das Uniklinikum (UKS) in Homburg am stärksten gefordert sein. Damit sich die Intensivmediziner dann wirklich nur um die schwersten Fälle kümmern können, werden im Kreis gerade die Weichen gestellt.

Das UKS selbst hat dazu am Dienstag drei Zelte vor der Liegendeinfahrt aufgebaut. Dort soll das Personal nun eine erste medizinische Beurteilung vornehmen, bevor die weiteren Behandlungsschritte eingeleitet werden, teilt das UKS mit. Ein Team aus Medizinern, Pflegekräften und Studenten komme hier zum Einsatz, so Dr. Sebastian Ewen, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am UKS. Weiter sagt er: „Wie dringlich ist die Behandlung? Wie ist der Schweregrad der Verletzung? Besteht das Risiko einer Infektion mit Covid-19? Viele dieser Fragen können wir an dieser ersten Anlaufstelle klären.“ Durch das Abfragen solcher Beschwerden könne bereits vor Betreten der Zentralen Notaufnahme eine Risikoeinschätzung erfolgen. Dadurch könnten frühzeitig Hochrisikopatienten identifiziert und isoliert werden, so dass für Patienten und Beschäftigten das Infektionsrisiko klein bleibe.

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) im IMED-Gebäude bleibe Anlaufpunkt für die meisten Patienten, die als Notfall nach Homburg kommen, also etwa schwerverletzte Unfallopfer. Sie würden weiter regulär auf dem Campus behandelt, auch dringliche Eingriffe und Behandlungen fänden statt. Zwar sähen die Patienten nur die aktuell ungewohnten Zelte, doch die ganze Struktur der Notaufnahme werde verändert.  „Wir halten nun unter anderem sechs Isolationszimmer in unmittelbarer Nähe der ZNA vor, in denen wir Menschen unterbringen können, während auf das Ergebnis eines Covid-19-Tests gewartet wird. Bei anderen Notfallpatienten muss es schnell gehen und wir können nicht auf diese Ergebnisse warten, dann sind andere hygienische Sicherheitsmaßnahmen zu treffen und die Patienten werden ohne größeren Zeitverzug direkt zur Diagnose oder in den Operationssaal gebracht“, beschreibt Dr. Ewen. Die Umstrukturierung der ZNA sei nur eine Maßnahme von vielen, mit denen sich das UKS auf steigende Fallzahlen vorbereite.

Damit Corona-Patienten, die bei leichteren Krankheitssymptomen vor der Entlassung noch ärztlich betreut oder beobachtet werden müssen, aber nicht mehr im Krankenhaus intensiv behandelt werden müssen, rüstet auch der Saarpfalz-Kreis gerade zwei Versorgungszentren in der Nähe des Kreiskrankenhauses und der Uniklinik ein. Die Sporthalle „Neue Sandrennbahn“ wurde an diesem Donnerstag wie angekündigt zu einem solchen Versorgungszentrum umgerüstet. Die Spiel- und Sporthalle Wallerfeld/Schmelzerwald“ in St. Ingbert soll ab dem 4. April folgen, beide sollen danach über  jeweils 100 Betten verfügen. Es seien neuere Dreifeld-Hallen mit einer geeigneten Infrastruktur, schreibt der Kreis. Im Bedarfsfall arbeite man dort im Schichtdienst. Der Kreis kümmere sich bereits intensiv um die Akquise von medizinischem Personal. Gerade Studenten des UKS habe man im Blick, ebenso bitte man die Bundeswehr um Unterstützung.

„Wir werden die Hallen so einrichten, dass wir für eine bestmögliche Aufgabenerfüllung im Sinne der Patienten gerüstet sind. Deshalb habe ich von Anfang an besonderen Wert gelegt darauf, dass die Hallen nicht mit einfachen Feldlazarettbetten, sondern mit desinfizierbaren Betten mit verstellbaren Kopfteilen und desinfizierbaren Matratzen ausgestattet sind“, erklärt Landrat Theophil Gallo. Außerdem seien bereits abwaschbar beschichtete, desinfektionsfähige Abtrennwände aus dem Messebau geordert worden.

Wie würde der Kreis reagieren, falls das Versorgungszentrum in Betrieb wäre und gleichzeitig die Schule wieder starten würde?  „Bis auf Weiteres wird der Hallenbetrieb an der Sandrennbahn ausgesetzt. An der Gemeinschaftsschule werden lediglich zwei Räume für die Versorgung der Halle benötigt“, so der Kreis. Der Schulbetrieb „wird natürlich der räumlichen Situation angepasst. Die Bereiche werden so abgegrenzt, dass es zu keinen Überschneidungen kommt“. Der Saarpfalz-Kreis befinde sich in enger Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium sowie mit den betroffenen Schulen. „Ich gehe davon aus, dass die Schulleitung und das Lehrpersonal kreative Lösungen finden, um die nicht vermeidbare Einschränkung weitestgehend abzumildern“, so Landrat Gallo.

Das Zelt vor der Zentralen Notaufnahme am UKS. Foto: Rüdiger Koop/UKS/Rüdiger Koop

„Neben den baulichen Maßnahmen, muss die personelle und technische Struktur der Zentren dringend geklärt werden“ betont der Landrat weiter. „Deshalb sind wir bereits auf verschiedenen Ebenen tätig“. Weiterhin kümmere er sich darum, ausreichend Schutzbekleidung und -ausrüstung zur Verfügung stellen zu können. „Hier gibt es viele Unterstützungsangebote – sei es von Wirtschaftsunternehmen im Kreis oder auch durch private Initiativen –, für die ich sehr dankbar bin“, unterstreicht Gallo. Die Katastrophenschutzstelle des Kreises habe Vorräte. Das täglich verbrauchte Material versuche man zeitnah aufzustocken, die Feuerwehren hielten Material vor. Die DRK-Kreisverbände Homburg und St. Ingbert, Malteser Hilfsdienst und der private Rettungsdienst, die auf Schutzausrüstung angewiesen seien, versorge man so weit möglich ebenfalls mit.