Auf der Jagd nach dem schnellen Geld

Homburg. Die Geschichte, die Winfried Anslinger am vergangenen Donnerstagabend im Homburger Stadtcafé als Wintererzählung zum Besten gab, hatte einiges an Dramatik in sich. "Die Story spielt in den 70er Jahren, und sie geht zurück auf tatsächliche Begebenheiten

Homburg. Die Geschichte, die Winfried Anslinger am vergangenen Donnerstagabend im Homburger Stadtcafé als Wintererzählung zum Besten gab, hatte einiges an Dramatik in sich. "Die Story spielt in den 70er Jahren, und sie geht zurück auf tatsächliche Begebenheiten. Sie ist also keine rein fiktive Geschichte", ließ Anslinger vor Beginn seiner Lesung aus seiner Erzählungssammlung "Wassermusik für Frau Bercelius - Geschichten aus Dreiviertelland" wissen. "Die Story hat einen autobiografischen Kern." Bei diesem handelt es sich um eine Reise, die Anslinger 1975 zusammen mit einigen Freunden in einem umgebauten VW-Bus in den Orient unternommen hat. "Damit sind wir runter nach Indien, die Route war damals ja noch gut befahrbar. Unterwegs haben wir viele Abenteuer erlebt und über die habe ich Tagebuch geführt." Aus diesem Tagebuch wurde unter anderem die Erzählung "Fieber" vorgestellt. "Auf unserer Reise sind wir immer wieder Menschen begegnet, die große Laster mit allerlei Verkäuflichem aus Europa nach Persien und an den Golf brachten, um so einen schnellen Dollar zu machen. Diese Leute waren eine ganz besondere Klientel, das hat mich fasziniert. Deswegen hatte ich Lust, über diese Menschen etwas zu schreiben." Anslingers Entschluss, aus seinen Tagebüchern Geschichten zu schaffen, reifte während eines Krankenhausaufenthaltes; mit 800 Exemplaren Auflage brachte Anslinger seine Erzählungen im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit dem Zweibrücker Verlag Echo auf den Markt, die letzten Exemplare gab es Donnerstag zu kaufen. Als Pfarrer zeigte sich Anslinger vor Beginn der durch die Volkshochschule und die Akademie für Ältere initiierte Lesung nicht im geringsten angespannt. "Das ist vergleichbar mit einer Predigt." Entsprechend gelassen entführte Anslinger dann auch die Gäste der Veranstaltung auf eine Reise ins Persien des Schahs, erzählte von der Goldgräberstimmung der 70er, als der Orient in die Industrialisierung aufbrach und Staaten wie Unternehmer der Golfregion alles an Technik aufkauften, was Europa nicht mehr benötigte - und das mit harten Petrodollars. Diese Dollars lockten auch Anslingers fiktiven Protagonisten und seinen Freund Walter, beide Studenten, aus den Vorlesungen hin zum schnellen Geld, verdient mit strapaziösen Lkw-Touren in den Orient. Musikalisch unterstützt durch den bekannten Gitarristen Chris Clemens und Anslingers Tochter Sophie, schilderte der Autor eindringlich die letzte Fahrt der beiden, die im titelgebenden "Fieber" verläuft. Anslingers Geschichte verstand es zu bannen, zeigte sich spannend, aber auch ausgesprochen informativ und gewährte einen Blick in eine Zeit, als vieles noch anders war, eines aber schon damals gewiss: Wer schnelles Geld jagt, gerät oft selbst in die Falle. thw