Naturdenkmäler im Saarpfalz-Kreis : Die Binnendünen – „landesweit bedeutsam“

Viele wissen nicht, dass es in Homburg eine Naturdüne gibt. Sie ist allerdings eher untypisch und wird sogar von einer Stromtrasse geschützt.

Wer einmal an der Nordsee Urlaub gemacht hat, kennt die Dünen. Vom Wind aufgeschichteter Sand, der vor dem Meer eine typische Landschaft formt. Dünen gibt es auch in Homburg, geformt wurden sie ebenfalls vom Wind, und das schon vor sehr langer Zeit: die Homburger Binnendünen.

Das saarländische Umweltministerium schätzt sie als besonders erhaltenswert ein und hat 2010 ein Gutachten erstellen lassen, das diese Einordnung bestätigte und sogar einen Eintrag in die Liste der Naturdenkmäler empfahl. Den Eintrag gab es nicht, stattdessen wurde das Gebiet am Ehrenfriedhof zu einem besonders geschützten Landschaftsbestandteil und einem FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat). Die Gutachter entdeckten in der Sanddüne zwei seltene Heuschreckenarten, Sandrasen und Silbergrasfluren. Das Artenschutzprogramm des Saarlandes stufte die Binnendünen als „landesweit bedeutsam“ ein. Inzwischen ist das Schutzgebiet ausgewiesen und wegen des Silbergrasrasens und dem Hainsimsen-Buchenwalds an die Europäische Union gemeldet.

Das jüngste Gutachten beschreibt, dass nahezu das gesamte Gebiet inzwischen bewaldet ist. Für eine Düne ist das eher untypisch und für die Dünenpflanzen wenig förderlich. Eine Hochspannungsleitung, die durch das Schutzgebiet verläuft, erweist sich hierbei als segensreich. Denn unter den Hochspannungsleitungen dürfen keine Bäume wachsen. Hier wird immer wieder gerodet. „Nur an einer Stelle im Bereich eines Strommastes sind offene Sandrasen und Silbergrasfluren entwickelt. Der Erhaltungszustand ist auf 0,21 Hektar hervorragend“, schreibt das auf Artenschutz spezialisierte Planungsbüro Maas in Altforweiler in seinem Gutachten.

Und so kommt es, dass gerade ein Strommast, ein Fremdkörper in der Natur, einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet, ohne das dies bei seinem Bau eine Rolle spielte. Ohne die Stromtrasse wäre die größte Binnendüne im deutschen Südwesten längst unter Wald verschwunden. Wie die Düne in Homburg entstanden ist, wissen die Wissenschaftler genau. Dünen im Landesinneren sind nicht selten, es gibt sie an mehreren Orten Deutschlands. Häufig wurden sie abgetragen, weil man den Sand verwendete. Sie sind Relikte aus der Eiszeit, aus einer Phase der Erdgeschichte, als Europa keine Wälder kannte. In einer offenen Steppenlandschaft konnten Winde ohne große Hindernisse Sand transportieren. Ablagerungen bildeten sich, Dünen entstanden. Am Ende der Eiszeit kamen die Pflanzen zurück, neue Dünen bildeten sich nicht mehr, bestehende Dünen wurden überwuchert. Das Landesamt für Umweltschutz hat die Homburger Binnendüne im Blick. Die Gutachter empfahlen sogar, der Düne durch Rodungen mehr Raum zu geben, da die Silbergrasfluren ohne Pflegemaßnahmen langfristig im Bestand gefährdet seien.

Wer die Düne sehen will, sollte am Ehrenfriedhof in der Käshofer Straße nach den Strommasten Ausschau halten. Das gelegentliche Betreten der Düne durch einzelne Wanderer ist nach Meinung der Gutachter auch keine Gefahr für das Biotop.