Art-Dating bei der Jahresausstellung im Saalbau Homburg erklärte Kunstwerke

Jahresausstellung Homburger Künstler : Schneller Blick auf Kunst aus den Fugen

Die Jahresausstellung Homburger Künstler ist noch bis 15. Dezember in der Saalbau-Galerie zu sehen. Jetzt konnte man hier die Künstlerinnen und Künstler der Schau treffen und sich ihre Werke erklären lassen.

Es gab eine Zeit, da war Speed-Dating richtig angesagt: Im engen Zeitfenster von wenigen Minuten galt es für ihn oder sie, eben ihn oder sie mit Worten zu beeindrucken – mit dem klar definierten Ziel eines zeitlich ohne Stopp-Uhr begrenzten, weiteren Kontakts. Vor allem Großstadtsingles sahen in dieser vermeintlich effizienten und aufs Wesentliche reduzierten Kontaktaufnahme einen potenten Weg, um aus Einsamkeit Zweisamkeit zu machen. In Zeiten von Dating-Apps wie Tinder wirkt diese ehemals geradezu revolutionäre Art des Kennenlernens aber schon wieder verstaubt. Heute wischt man weg, was einem nicht behagt.

Doch das System des Speed-Datings hat in Nischen überlebt, auch in Homburg. Dort sollen nun aber nicht mögliche Partner zwecks gemeinsamer, romantischer Zielsetzung zusammengebracht werden. Vielmehr geht es darum, Kunst und Künstler mit Kunstliebhabern zu verbinden. Also quasi doch eine Form von Liebesbeziehung – eben einer anderen Art. Und so nennt sich das, was seit einigen Jahren das Programm der Jahresausstellung Homburger Künstler um einen besonderen Abend ergänzt, auch nicht Speed-Dating, sondern Art-Dating.

Am vergangenen Mittwochabend fanden sich so zahlreiche Künstler der aktuellen Jahresausstellung und einige Kunstinteressierte in der städtischen Galerie im Saalbau zusammen, um sich am Objekt vom Schaffenden erläutern zu lassen, was es mit dem jeweiligen Werk so auf sich hat.

Früher, erinnerte sich Francoise Mathis-Sandmaier, die Kuratorin der Ausstellung, habe sie tatsächlich mit der Stopp-Uhr in der Hand den Ablauf überwacht, sei man nach wenigen Minuten von Künstler zu Künstler und von Kunstwerk zu Kunstwerk gewandert. So auf die Minuten diszipliniert ging es nun am Mittwochabend nicht zu, gleichwohl ordnete sich alles dem Ziel der Veranstaltung unter, einem Ziel, das Mathis-Sandmaier für die Unkundigen gleich zu Beginn so formulierte: „Es geht tatsächlich um das unkomplizierte, schnelle Kennenlernen der hier beteiligten Künstler.“ Dem Rechnung tragend verzichtete auch sie selbst auf eine große Einführung und beschränkte sich darauf, noch einmal das Leitthema der diesjährigen Jahresausstellung ins Bewusstsein zu rufen: „Aus den Fugen.“ Inspiriert zu diesem Motto habe sie Anfang des Jahres die politische und gesellschaftliche Lage der Welt – bis heute aktuell „Da konnte man sich die Frage stellen, in wie weit die Welt aus den Fugen gerät. Und schon war ich beim Motto.“ Dabei habe sie auch die von ihr immer gewünschte Mehrdeutigkeit gefunden, so bezeichne Fuge ja nicht nur den Verbindungsbereich von zu Verbindendem, sondern auch ein hochkompliziertes Musikstück. So könne das „aus den Fugen brechen“ für eine chaotische Auflösung oder für den Beginn einer Neuordnung stehen. In der so mottohaft gefassten Jahresausstellung seien die Künstler auf sozialpolitische, musikalische und formale Aspekte eingegangen, „alles ist hier vertreten. Verschiedene Handschriften, verschiedene Techniken – faszinierend.“

Jenseits dieser Einschätzung galt es nun am Mittwochabend, sich mit Blick auf das Werk und im Gespräch mit der Künstlerin oder dem Künstler selbst ein Bild von dem zu machen, was da unter dem Leitbild des Mottos entstanden war. Den Anfang machte Annette Bachmann-Vicktor, sie hatte die schwierige Aufgabe als Eisbrecher. Die meisterte sie gekonnt, als sie ihren Künstlerkollegen und den anwesenden Kunstfreunden ihr Werk, ein großformatiges Gemälde, in der gebotenen Kürze eines Art-Datings näher brachte. „Mein Metier ist das experimentelle Malen.“ Dazu verwende sie unterschiedliche Werkzeuge. Ihre Botschaft: Jeder Mensch habe eine Stärke, auch in Zeiten, in denen etwas aus den Fugen gerate.

So ging es reihum im Rund der und Künstler, es wurde das jeweilige Werk vorgestellt, dann stellte sich der Erschaffende den Fragen der Gäste. Viel Arbeit bedeutet das im ersten Teil des Art-Datings vor allem für den Künstler Eugen Waßmann, dessen zum Teil beleuchteten Glasobjekte viele Fragen aufwarfen: Wie macht er das, wie bricht er Glas so gekonnt, welche Botschaft steckt in Arbeiten wie „Die Brücke“. Schon da, und der Abend sollte noch einige Überraschungen bieten, entstanden intensive Gespräche zwischen Künstler und Betrachter, wurde das Art-Dating seinem Anspruch als Kommunikationsplattform gerecht, aus den Fugen geriet da zum Guten nichts.