Arbeiten an Autobahn bei Reiskirchen mit Sperrung

Kostenpflichtiger Inhalt: Autobahnanschluss : A6-Abfahrt Homburg wird ab 2020 umgebaut

Die Umsetzung der „Drei-Ohren-Lösung“ dort soll im kommenden Juni anlaufen. Vorbereitende Arbeiten starten nächsten Mittwoch. Weil die Brücke über die B 423 abgerissen und erneuert wird, drohen über viele Monate Behinderungen auf der A6. Die Projektkosten haben sich gegenüber Prognosen von 2015 fast verdoppelt.

Wenn die L 218 („Richardstraße“) ab kommenden Mittwoch an der A6-Abfahrt Homburg Richtung Reiskirchen gesperrt wird, ist das ein Vorgeschmack auf die Situation, wie sie voraussichtlich ab 2022 dauerhaft herrschen wird: Dann ist der bestehende Autobahn-Anschluss Homburg/Bexbach in der so genannten Drei-Ohren-Lösung von zwei auf drei Auf- und Abfahrten erweitert worden.  Viele Reiskircher haben dann von der Schnellstraße keine Vorteile mehr, sondern nur noch den Krach an der zu niedrigen Lärmschutzwand. Der Homburger Stadtteil  wird abgehängt; wer von der Autobahnabfahrt in den Ort, aber etwa auch nach Jägersburg fahren will, muss einen Umweg durch Erbach nehmen. Oder er fährt die ebenfalls längere Ausweichroute über Kleinottweiler. Beides dürfte auch dort den Verkehr deutlich erhöhen.

Dass es so kommt, hat zu tun mit der „Drei-Ohren-Lösung“ an der Autobahnabfahrt. Dieses seit rund zehn Jahren diskutierte Projekt geht jetzt in die Umsetzungsphase. Im Februar wurden von einer Firma im Auftrag des Saar-Forst-Landesbetriebs am Mitfahrerparkplatz auf der Bexbacher Seite sowie entlang der L 218 Bäume gefällt. Nächste Woche, am 28. August, geht es weiter mit „vorbereitenden Maßnahmen“, wie der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) berichtet. Erst wird dann der Mitfahrerparkplatz auf der Homburger Seite der A6 vergrößert. Das ist nötig, damit genügend Parkflächen vorhanden sind, wenn anschließend das Parkplatzpendant auf der Bexbacher Seite neugebaut wird. Schließlich wird der andere Mitfahrerparkplatz wieder verkleinert – drei Monate, also wohl bis 28. November, ist Reiskirchen nicht direkt von der Autobahn erreichbar. Der Verkehr wird so lange über die Berliner- und Dürerstraße durch Erbach umgeleitet.

Dann können die Erbacher und Reiskircher noch ein halbes Jahr durchschnaufen, ehe es ab Juni 2020 ernst, und das „dritte Ohr“ dorthin gebaut wird, wo bisher die L 218 verlief. Diese wird aus Richtung Reiskirchen in der bestehenden Breite bis zur Zufahrt der A6-Raststätte als Erschließungsstraße befahrbar bleiben. Der restliche Abschnitt wird zum Feldwirtschaftsweg zurückgebaut, um das neue Ohr herum verlegt und an den Radweg entlang der B 423 angebunden.

Der genaue Ablauf der Bauarbeiten ist noch nicht final, doch die vorläufigen Bauphasen schildert LfS-Sprecher Klaus Kosok wie folgt: In den ersten drei Juniwochen sollen in Phase eins bauvorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden, ehe an den Sommerferien die Tieferlegung und grundhafte Sanierung der B 423 geplant ist. Gleichzeitig sollen Bauarbeiten an der A6-Brücke über die B 423 starten. Diese besteht dort aus zwei separaten Bauwerken.

In der zweiten Bauphase, ab Juli 2020, droht dann auch auf der A6 Ungemach. Dann wird die neue Anschlussstellenrampe („drittes Ohr“) errichtet und die bestehende Rampe auf Homburger Seite (Auffahrt Richtung Kaiserslautern) umgebaut – gleichzeitig aber auch der Brückenteil über die B 423, über die der Verkehr Richtung Kaiserslautern läuft, abgerissen werden.

Das führt zu einer Raumverengung auf der A6, weil nur der zweite Brückenteil, mit der Fahrbahn Richtung Saarbrücken, bleibt. Laut Kosok sollen aber zwei Fahrspuren in beide Richtungen befahrbar bleiben. Für eine Zeit von veranschlagten acht Monaten, zuzüglich einer Winterpause, droht die A6 an der Stelle zum Nadelöhr zu werden.

Und auch in der dritten Bauphase dürfte das anhalten, dann beginnt mit dem nördlichen Teil der Brücke das gleiche Spiel: Er wird abgerissen und neu gebaut, ein halbes Jahr Bauzeit ist hier grob kalkuliert, ebenso wohl zuzüglich einer Winterpause. In der Phase wird außerdem die Rampe auf Bexbacher Seite, die Zufahrt Richtung Saarbrücken, saniert, so Kosok. In der vierten und letzten Bauphase widme man sich letzten Arbeiten an der B 423.

Die Kosten der Gesamtmaßnahme beziffert Kosok auf 15,62 Millionen Euro, einschließlich des Baus des Mitfahrerparkplatzes, der Herstellung und des Rückbaus des provisorischen Parkplatzes, Grundsanierungen der Anschlussstellenrampe auf Bexbacher Seite und der A 6 bei der Anschlussstelle. Diese Summe ist fast doppelt so hoch, wie zuvor kolportiert wurde. Im September 2015 hatte ein LfS-Vertreter die Kosten auf etwa 8,7 Millionen Euro beziffert. Davon hätten damals etwa 2,7 Millionen auf den Ersatzneubau der Brücke, 400 000 Euro auf den Mitfahrerparkplatz und zirka 5,6 Millionen Euro auf den Straßenbau inklusive der Kosten etwa für landschaftspflegerische Ausgleichsmaßnahmen fallen sollen.

Gegen den Bau des dritten Ohrs hatten nicht zuletzt die Kleinottweiler massiv Beschwerden erhoben – weil sie deutlich mehr Verkehr durch ihren Ort befürchten. Sie fordern den schnellen Bau der Autobahnabfahrt Homburg-Ost als Entschärfung der Situation. Auch viele Reiskircher waren alles andere als erfreut über die Pläne, dass ihr Ort abgehängt wird. Nicht zuletzt wurde von vielen eine Vier-Ohren-Variante favorisiert, die der Bund aber ablehnte. Auch ein Kreisel war im Gespräch.

Der Landesbetrieb für Straßenbau hat Pläne zu dem Projekt auf seiner Website veröffentlicht. Dort sind auch Simulationsvideos zu sehen (rechter Bereich), wie der Verkehr nach Abschluss der Maßnahme fließen soll:

Noch kann man am bestehenden Autobahnanschluss Homburg/Bexbach die Richardstraße (rechs) als Zubringer nutzen, nach einem Ausbau des Anschlusses soll dies nicht mehr möglich sein. Foto: Thorsten Wolf
Bauarbeiten an der A6-Abfahrt Homburg. Foto: SZ/Müller, Astrid

www.saarland.de/129683.htm

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