Bestattungskultur in Homburg: Anwohner kritisieren Standort am Rabenhorst für die Waldruhestätte

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Die Stadt hat ihre Pläne für diese neue Möglichkeit der Urnenbestattung im Wald vorgestellt.

Geht es nach den Plänen der Stadt, dann wird die frühere Homburger Waldbühne zur Waldruhestätte. Geht es nach dem Willen einiger Anwohner dort, dann passiert genau das nicht. So könnte man in aller Kürze das Ergebnis einer Informationsveranstaltung am Donnerstagnachmittag im Homburger Forum zusammenfassen. Dorthin hatte die Homburger Friedhofsverwaltung eingeladen, um genau zu erläutern, was es mit dem neuen Bestattungsangebot auf sich hat.

Im Rund der Gäste im komplett gefüllten kleinen Sitzungssaal saßen auch zahlreiche Kritiker des Projektes, als Sprecher hier: Rolf Zawar. Bevor der allerdings stellvertretend für einige Bürger seine Bedenken zu den Plänen äußern konnte, gehörte die Zeit erstmal Dieter Dorda, dem zuständigen Leiter der Abteilung für Grünflächen und Umwelt der Stadt, und seinem Kollegen Volker Willig. Beide erklärten recht detailliert, was denn da nun auf dem Areal der früheren Waldbühne entstehen soll. Konkret soll es dort, geht es nach dem gegenwärtigen Zeitplan und einen abschließenden Stadtratsbeschluss vorausgesetzt, ab Frühjahr 2020 die Möglichkeit einer Urnenbestattung in einem naturbelassenen Wald geben. Die Grabflächen in der Größe von 50 auf 50 Zentimeter sind dabei nicht, wie andernorts, einem Baum zugeordnet.

Auf den Grabstellen gibt es keine Schilder oder andere Hinweise auf Verstorbene, das Ausbreiten von Grabschmuck und anderen Erinnerungsstücken soll per Satzung untersagt werden. Bestattet wird in verrottbaren Urnen in einer Tiefe von 60 Zentimetern. Am Eingang zur Waldruhestätte wird es einen großen Stein gegen, wahrscheinlich aus Buntsandstein, auf dem die Namen der dort Bestatteten zu finden sind. Der verbliebene Baubestand der Waldbühne soll zurückgebaut werden, die Einzäunung entfällt, der Wald ist frei zugänglich und wird, abgesehen von regelmäßigen Maßnahmen zur Verkehrssicherung, sich selbst überlassen. Dieter Dorda vermittelte das, was dort entstehen soll, auch anhand einer schon bestehenden Waldruhestätte in Blieskastel-Blickweiler.

Während sich nach Dordas Präsentation zuerst in der Folge einige Fragen um Details zu den Plänen und ganz grundsätzlich um das Bestattungswesen drehten, machten danach vor allem Anwohner ihrem Ärger über die Planungen Luft. Was da besonders umtrieb: Warum wurde die Waldbühne am Rabenhorst als Ort ausgewählt und nicht eine Fläche am Homburger Hauptfriedhof?

Rolf Zawar: „Hat der Stadtrat schon definitiv beschlossen, dass die Waldbühne der Standort wird?“ Hier verdeutlichte Dorda, dass ursprünglich zwei Standorte im Stadtgebiet favorisiert worden seien – eben der Hauptfriedhof und die Waldbühne. Der Stadtrat habe dazu beschlossen, beide Standorte auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. „Und genau so ist der Ablauf in der Verwaltung gewesen.“

Und warum nun die Waldbühne als Ort für die Waldruhestätte? Hier verdeutlichte Zawar, dass aus seiner Sicht und der einiger Anwohner einzig der Hauptfriedhof die nötige Infrastruktur für eine Waldruhestätte biete. Im Gegensatz dazu biete die alte Waldbühne gerade das nicht, so fehlten befestigte Parkplätze vor Ort und auch Toilettenanlagen.

Die von Dorda geschilderte Begründung für die Wahl der Waldbühne ließ Zawar nicht gelten. Dorda selbst hatte die Standortentscheidung mit gescheiterten Verhandlungen mit dem Staatsforst begründet. Der habe ein vorgesehenes Waldstück am Hauptfriedhof nicht verkaufen wollen.

Stattdessen habe man über einen Tausch verhandelt. Hier, so Dorda weiter, hätte die Stadt allerdings einen wirtschaftlichen Nachteil erlitten, habe der Staatsforst doch im Tausch zwei Waldstücke haben wollen, die für die Stadt noch wirtschaftliches Potential hätten, wie Volker Willig ergänzte. Überzeugen konnte Dorda die Gegner des Projektes allerdings nicht. Er verteidigte die Verhandlungen mit dem Saarforst, denn: Der hätte, so der Abteilungsleiter wörtlich, „die Stadt über den Tisch gezogen“.

Wie Volker Willig hier erklärend erläuterte, sei der Stadt nicht nur die Waldfläche für die Waldruhestätte angeboten worden, der Tausch habe vielmehr auch eine Fläche in Richtung Schlossberghöhenstraße beinhaltet. Diese sei aber, so Dorda und Willig, minderwertig. Dorda: „Der Staatsforst wollte nicht verkaufen, sondern tauschen – und das zu unseren Ungunsten. Wir hätten eine Dienstpflichtverletzung begangen, denn wir hätten die Stadt Homburg schlecht beraten, wenn wir diesen Tausch empfohlen hätten. Wir hätten Flächen bekommen, die nichts wert sind.“

Ob nun tatsächlich die Waldbühne zur Waldruhestätte wird oder ob aufgrund der Kritik die alten Pläne am Hauptfriedhof mit neuen Verhandlungen wiederbelebt werden, liegt nun in der Hand der Verwaltung.