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Anekdoten, Aussichten und dann Musik pur

Anekdoten, Aussichten und dann Musik pur

Diskutiert wurde etwa über die Zukunft der Kammermusik und ob sie golden wird: Das Gesprächskonzert der Homburger Kammermusiktage fand ein hochinteressiertes Publikum.

Kein Zweifel, die neue großformatige Hochglanzbroschüre "Aufbruch!" der Kammermusiktage macht was daher. Weil es dem Vogler Quartett in der nunmehr 15-jährigen Leitung des Festivals immer wieder gelang, auch ausländische Gäste zu verpflichten, wirbt sie nun gar für "Internationale Homburger Kammermusiktage" vom 24. September bis einschließlich 3. Oktober.

Beim Gesprächskonzert zur Eröffnung am Donnerstag im Rathaussaal war das Podium in zweifacher Hinsicht hochkarätig besetzt: mit dem Vogler Quartett, aber auch mit Gesprächspartnern der vier Musiker wie dem Rektor der Hochschule für Musik Saar , Wolfgang Mayer, und mit dem Kulturchef der Saarbrücker Zeitung, Oliver Schwambach. Die Moderation hatte der Berliner Kulturjournalist Thomas Böhm übernommen. Geschickt achtete er darauf, dass die Diskussionen nicht ausuferten über so "steile" Thesen wie "Warum die Kammermusik eine goldene Zukunft hat" oder "Deutschland, ein Land der Klassik".

Auch die wenige, aber hoch interessierte Gäste waren eingeladen, sich Gedanken zu machen, wie klassische Musik, zumal Kammermusik , zukunftssicher gestaltet werden könne. Schwambach warb darum, konservative Rituale aufzubrechen und "lebendige Räume" aufzusuchen, wo neben klassischer Musik "auch mal ein Gläschen Wein" angeboten werden könne. Hochschulrektor Mayer lenkte das Augenmerk auf mehr Vermittlung in den Schulen und hielt auch als Jazzmusiker viel davon, gute Musik aus elitären Räumen mehr dahin zu transformieren, wo es lebendig zugeht. Tim Vogler und seine Quartettpartner verwiesen auf viele Musikprojekte mit Jugendlichen auch während der Kammermusiktage hier, sahen aber das Ausbrechen aus dem intimen Rahmen in profane Alltagsräume oder gar ins Showbusiness genau so skeptisch wie das Schielen nach massenhaften Besucherzahlen.

Zum 30. Geburtstag des erfolgreichen Ensembles hat Autor Frank Schneider das Buch "Eine Welt auf sechzehn Saiten" vorgelegt. Thomas Böhm zitierte daraus manch Wissenswertes oder Vergnügliches wie den Wettbewerbsgewinn 1986 im französischen Evian, der den Durchbruch brachte. Das Ensemble bestätigte im Nachhinein das ständige Bangen um Visen und Reisepässe in der ehemaligen DDR, wo sie als blutjunge Musiker im Kulturdezernat als erste von der Absetzung Erich Honeckers erfuhren. Man lachte über den Herzklopfen-Auftritt von Frank Reinecke in England, der die Noten zu Haus liegen ließ und auswendig spielen musste.

Im Rathaus aber hatten Tim Vogler als Primarius, Frank Reinecke (zweite Violine), Stefan Fehland (Bratsche) und Stephan Forck (Cello) alle ihre Noten mitgebracht und glänzten im musikalischen Rahmenprogramm mit den beiden ersten der "Fünf Stücke für Streichquartett" von Erwin Schulhoff (1894-1942). Nach seinem zweijährigen Intermezzo am Saarbrücker Konservatorium wirkten "Alla Viennese" oder "Alla serenata" 1923 wie der vielbeschworene "Aufbruch!" in neue Klangwelten. Den hatte zehn Jahre zuvor bereits Anton von Webern (1883-1945) in seinen "Sechs Bagatellen" opus 9 gewagt. In der fünften zeigten die Voglers, wie der Schönberg-Schüler Form und Struktur abstrahierte und zum Verstummen brachte. Böhmische Musizierlust brachte die Polka aus dem Quartett d-Moll opus 34 von Antonin Dvorák (1841-1904) in tänzerischen Schwung, während sich der Andante-Satz aus dem Quartett e-Moll opus 44/2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) eher über seine suggestive Rhetorik mitteilte. Die Kostproben weckten Lust auf folgende Konzerte wie auf "Klassik und Moderne" am Montag, 20 Uhr, in der Protestantischen Stadtkirche oder auf den Einbezug der virtuosen Mandoline in Ravel-Werken oder in georgischer Folklore am Dienstag, 20 Uhr im Saalbau.

kammermusik-homburg.de