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Andreas Staier hat die neue Saison der Meisterkonzerte im Homburger Saalbau eröffnet

Meisterkonzert in Homburg mit Andreas Staier : Beifall für fingerflinke und innige Töne

Andreas Staier hat am Hammerflügel die neue Saison der Meisterkonzerte im Homburger Saalbau eröffnet – mit Werken der großen Wiener Klassiker.

Zum ersten Homburger Meisterkonzert nach der langen Corona-Zwangspause wartete auf den weltweit bekannten und gefeierten Pianisten Andreas Staier auf der Saalbaubühne nicht wie gewohnt der schwarz lackierte Steinway-Flügel, sondern ein schmucker, in hellbraunem Holz freundlich ausschauender Hammerflügel mit dem stolzen Schildchen: „Christoph Kern, Fortepiano-Macher, Staufen im Breisgau“. Intendant Markus Korselt ist mit Christoph Kern befreundet und konnte so das Instrument „zur höchsten Zufriedenheit“ des Stargastes für dessen Konzertabend ausleihen.

Das Vorspielprogramm war auf das überaus subtil klingende Instrument zugeschnitten. Die Werke der großen Wiener Klassiker Joseph Haydn (1732-1809), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Ludwig van Beethoven (1770-1827) entstanden an jener musikhistorischen Wende, als das Cembalo mehr und mehr vom neu entwickelten Hammerklavier oder Fortepiano abgelöst wurde.

Am Beginn stand die große, 1785 entstandene Fantasie c-Moll KV 475 von Mozart, in der Andreas Staier dem „Fortepiano“ von Christoph Kern alle Klangnuancen entlockte, über das es verfügt. Obertonreiche Klangfülle umgaben die gewichtigen Rahmenteile; in den Binnenepisoden waren „una corda“, also nur auf Einzelsaiten betörende Lyrismen zu hören. So finger- wie hammerflink folgte die historische Mechanik dem virtuosen Figurenwerk der g-Moll-Episode. Selten mag man die Fantasie so vollendet gehört haben.

Zwei Werke von Haydn folgten auf Mozart. Für die 1790 vollendete Sonate Es-Dur Hob. 16/49 hatte der Komponist der Pianistin und Widmungsträgerin Marianne von Genzinger angeraten, sie auf einem „Pianoforte“ von Wenzel Schanz zu spielen. Wohl inspiriert von dem im Programm abgedruckten Haydn-Porträt, umgab Andreas Staier den ersten Satz Allegro mit höfischer Eleganz, ließ das Adagio nach der Spielanweisung in feinen Registern singen und tauchte die Menuett-Varianten des Finalsatzes mit dem Una-Corda-Register zuweilen in elfenartige Klangschleier.

Marianne von Genzinger starb drei Jahre später, und Haydn betrauerte sie 1793 in seinen Variationen f-Moll Hob. 17/6. Der Gastpianist traf den Ton der Betroffenheit in ergreifender Weise und gestaltete die Wiederkehr des elegischen Themas am Schluss wie ein verklingendes Abschiednehmen.

Als Kleinigkeiten bezeichnete Beethoven seine letzten, 1823/24 entstandenen Klavierkompositionen, die „Sechs Bagatellen“ op. 126. Doch was für einen musikalischen Reichtum entlockte ihnen Andreas Staier zwischen der gesangvollen Friedlichkeit des „Andante con moto cantabile e compiacevole“ in der ersten und den heftigen Stimmungsumbrüchen mit Presto-Böen und sanftem Wiegen im „Andante cantabile“ der letzten Bagatelle.

Für den begeisterten Applaus bedankte er sich mit einem weiteren, sehr innig vorgetragenen „Andante cantabile“, jenem in F-Dur aus der 1783 entstandenen Sonate C-Dur KV 330 von Mozart. Man quittierte es als Vorschuss auf ein baldiges Wiederhören, dann vielleicht mit der vollständigen Mozart-Sonate.