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An Edith Aron und an den 9. November wird in Homburg erinnert

Film und Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht : Zwei Veranstaltungen zum Gedenktag

Am 28. November wird ein Film über die Homburger Jüdin Edith Aron gezeigt, am 9. November findet im Saalbau die Gedenkfeier statt. Roland Paul erinnert dabei an die Deportationen von 1940.

Der November nähert sich – und damit auch die Gedenktage. Mal sind sie religiösen Ursprungs wie Allerheiligen oder Buß- und Bettag, aber manchmal auch menschengemacht und mit dem Wunsch verbunden, dass sich die Ereignisse, an die man sich erinnert, niemals mehr wiederholen mögen. Das gilt sowohl für den Totensonntag (Motto: „Nie wieder Krieg“) als auch für die Reichspogromnacht (Motto: „Nie wieder Verfolgung und Rassismus“).

Nun ist es in Homburg Tradition, den 9. November zu begehen – häufig mit einem Besuch in der ehemaligen Synagoge – doch diesmal wird es eine Veranstaltung im Saalbau geben, zu der Roland Paul sprechen wird, er ist Historiker und ehemaliger Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern.

Doch vor dem 9. November gibt es in diesem Jahr eine weitere Veranstaltung, und zwar am 26. Oktober um 19 Uhr im Homburger Rathaus. Es ist ein Dokumentarfilm über Edith Aaron, und er wird im Rahmen des bundesweiten Jubiläumsjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ und „700 Jahre jüdisches Leben an der Saar“ gezeigt.

Die Saarbrücker Filmproduzentin Barbara Wackernagel-Jacobs ließ diesen Film zwischen 2010 und 2015 drehen, der Titel lautet: „Das Papier sagt nichts, hört zu“ über das Leben und Wirken von Edith Aron. Regie führte der frühere künstlerische Leiter des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis, Boris Penth. Den Abend im Homburger Rathaus wird Ralph Schock moderieren, er ist Edith Aron öfter begegnet und wird auch aus ihren Erzählungen vorlesen.

Edith Aron wuchs als Kind jüdischer Eltern in Homburg auf, wo sie auch die jüdische Schule besuchte. Noch vor der Saar-Abstimmung 1935 emigrierte sie mit ihrer Mutter ins Exil nach Buenos Aires, ihr Vater blieb während der Kriegszeit in Südfrankreich. 1950 siedelte sie um nach Paris, wo sie lateinamerikanische Literatur ins Deutsche übersetzte. In einigen ihrer autobiographischen Erzählungen thematisiert sie ihre Emigration. Edith Aron lebte bis zu ihrem Tod vor anderthalb Jahren im Alter von 97 Jahren in London.

Der Eintritt zu der Filmvorführung mit anschließender Lesung ist frei, aber eine Anmeldung erforderlich bei der Tourist-Info in Homburg, Telefon (0 68 41) 10 18 20 oder unter kultur@homburg.de.

 Auf einer Gedenktafel an der  früheren Homburger Synagoge sind die Namen der jüdischen Mitbürger verzeichnet, die aus Homburg deportiert wurden. 
Auf einer Gedenktafel an der  früheren Homburger Synagoge sind die Namen der jüdischen Mitbürger verzeichnet, die aus Homburg deportiert wurden.  Foto: Thorsten Wolf

Am Dienstag, 9. November, findet dann um 16 Uhr im Saalbau die eigentliche Gedenkfeier statt. Der Hauptredner ist diesmal Roland Paul, der sich intensiv mit der Geschichte der Juden in der Pfalz beschäftigt hat. Er wird dabei über die „Wagner-Bürckel-Aktion“ im Jahr 1940 berichten, es war der Beginn der Deportationen und Ermordungen von Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland. Die Juden aus diesen Regionen wurden hauptsächlich in das berüchtigte Lager nach Gurs gebracht. Gurs liegt unweit der Stadt Pau am Fuß der Pyrenäen. Wie immer gestaltet auch diesmal die Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde Bruchhof-Sanddorf die Veranstaltung mit, ebenso die Schüler der AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums. Sie haben eine App erarbeitet zum Thema „Orte der Erinnerung“, um in Homburg jüdische Geschichte begreifbar zu machen. Die musikalische Begleitung übernimmt das Saarbrücker Ensemble Achtkant. Auch hier ist für die Teilnahme eine Anmeldung erforderlich: beim Jugendamt der Stadt Homburg, bei Karin Schwemm, unter Telefon (0 68 41) 101 117 oder unter karin.schwemm@homburg.de. Ohne Anmeldung bekommt man keinen Platz.