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Amateurtheater begeisterte mit Aufführung auf dem Schlossberg Homburg

Schlossberg : Großes Abenteuer mit tollen Darstellern

Das Homburger Amateurtheater begeistert mit seiner Aufführung des „Brandner Kasper“ auf der Ruine der Hohenburg. Wer sich das Stück noch ansehen möchte, kann dies am Sonntag oder Montag tun.

Wie fängt man an, eine fantastische Geschichte zu erzählen? Als Antwort auf der Hand liegen würde natürlich: am Anfang! Die Geschichte des Homburger Amateurtheaters und seiner Inszenierung des „Bandner Kaspar und das ewige Leben“ erzählt man aber viel besser vom Schluss aus. Und beschreibt den Moment, als sich bei der Premiere der Aufführung am Donnerstagabend in der Ruine der Hohenburg nach dem letzten Satz das gesamte Ensemble den Gästen präsentiert und verdient stehenden Applaus erfährt. Was genau da auf der Bühne für alle zu sehen war, das waren Schauspieler, die mehr als zwei Stunden alles auf der Bühne gegeben hatten, und Aktive aus dem Hintergrund, die diesem großartigen Erfolg den Weg gebahnt hatten.

Und es war ein großartiger Erfolg, diese Inszenierung des „Brandner Kaspar“ in der 1975-Theaterfassung von Kurt Wilhelm. Wilhelm hatte das Originalwerk des Franz von Kobell damals zu einem Dauerbrenner für das bayerische Staatsschauspiel gemacht. Die Handlung in aller gebotenen Kürze: Dem 72-jährigen Brandner steht das Ableben bevor. Doch der Tod ist an diesem Tag nicht so auf der Höhe und verfehlt sein Ziel. Beim Versuch, den Brandner doch noch von den Lebenden zu den Toten zu befördern, lässt sich der Tod auf ein Kartenspiel ein. Brandner betrügt und gewinnt weitere 18 Jahre Lebenszeit. Doch was wider die Bestimmung ist, führt am Ende zu Verdruss. Brandners Enkelin Marie muss für die Mauschelei mit dem Leben bezahlen und in den Himmel auffahren. Dort angekommen, sorgt sie, 18 Jahre zu früh gestorben, dafür, dass all der Brandner‘sche Schwindel auffliegt.

Der Tod bekommt eine zweite Chance und lockt den Brandner an die Himmelspforte. Dort angekommen, lässt der endlich vom Leben ab – nachdem sich geklärt hat, dass alle seine Verfehlungen zu Lebzeiten nicht zum Fegefeuer führen. Angesiedelt ist die komödiantische Geschichte im 19. Jahrhundert und im Wechselspiel zwischen arm und reich, versinnbildlicht in der Wilderei als probates, aber illegales Mittel, drohender Armut zu entgehen.

So weit, so gut. Was das Homburger Amateurtheater aber aus dem Stück machte, dass war dann nochmal wirklich XXL. Tatsächlich wurde der gesamte Stoff auf Saarländisch umgetextet, auf der Bühne pendelte das Sprech zwischen Rheinfränkisch und Moselfränkisch so schön, dass einem warm ums Herz wurde. Dazu noch ein bisschen „Pälzisch“ und der Brandner Kaspar kam im feinsten saarpfälzischen Sprachgewand daher. Dass auch noch ganz typische Facetten wie „de Fleischkäsweck vom Globus“, ein Erzengel Gabriel in der Figur eines Heinz Becker oder ein himmlischer Philipp Jakob Siebenpfeiffer die Szenen so unglaublich charmant ausdekorierten, das war ein Beispiel dafür, wie viele Gedanken, Ideen und Coups sich das Team um Regisseurin Bettina Mick in den zurückliegenden Monaten gemacht und hervorgebracht hat.

Vor dem ersten Vorhang ließ Mick ein bisschen hinter die Kulissen dieser in jeder Hinsicht großen Inszenierung blicken. „Das Ganze ist ein wahnsinniges Abenteuer.“ So kurz kann man beschreiben, was an Logistik nötig war, um das Stück an genau diesen Ort, die Ruine der Hohenburg, zu bringen. Schon das Proben sei da eine große Herausforderung, „aber es ist einfach toll hier oben. Das Ganze war natürlich eine spinnerte Idee – aber es ist einfach cool“. Mick räumte auch ein, dass man mit der aufwendigen Inszenierung seitens des Vereins auch ein finanzielles Risiko eingegangen sei, „ohne zu wissen, ob es funktioniert“. Es hat, der Premierendonnerstag war sehr gut besucht, die Vorstellungen am Freitag und Samstag waren frühzeitig ausverkauft, Plätze gibt es noch für Sonntag und Montag.

Aus einem Ensemble ohne Schwächen nun den einen Darsteller oder die andere Darstellerin herauszugreifen, das ist natürlich nicht fair, jeder hätte eine einzelne Erwähnung verdient. Doch sei es gestattet, Christoph F. Neumann als Kaspar Brandner und Dieter M. Meier als „de Dood“ ein bisschen mehr in den Fokus zu rücken. Neumann selbst gestand vor dem ersten Aufzug unumwunden ein: „Mein Puls liegt zwischen 150 und 180. Ich mache das seit 34 Jahren, aber ich bin vor jedem Auftritt nervös.“ Für ihn als Hauptrolle eine ganz besondere Herausforderung: Als gebürtiger Hesse mit Hamburger Wurzeln ist er im saarländischen Dialekt nicht zu Hause. „Ich kann‘s nicht“, lachte Neumann, und bewies nur wenig später, dass er es doch konnte.

Ein Theaterstück lebt vom gesprochenen Wort. Und was wäre dann besser, eine solche Inszenierung wie die des Homburger Amateurtheaters auf dem Schlossberg mit einem Zitat zu beschreiben? So brachte Barbara Neumann, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, das Können der gesamten Truppe so auf den Punkt: „Wir sind Amateure, keine Laien!“.