Am 4. und 5. Mai gibt es im Römermusuem Schwarzenacker Aktionstage

Römertage in Schwarzenacker : So nahe waren die Römer noch nie

Diesmal hat das Kulturamt am 4. und 5. Mai in Schwarzenacker ein ganz besonderes Wochenende vorbereitet.

Im Winter kämpften die römischen Soldaten nicht gerne. Sie zogen sich in so genannte Hiberna zurück – das sind gut befestigte Winterlager, in denen sie die Zeit bis zum Frühjahr überbrückten. Mit Würfelspiel, Wein und Wahrsagerei. So zumindest in Asterix-Heften – was der damaligen Realität aber ziemlich nahe kommen dürfte. Im April erwachte dann wieder der Kampfgeist – und los ging’s mit Geschrei und Kampfgetümmel.

Ähnlich verhält es sich mit dem Römermuseum in Schwarzenacker. Hier sind  im Dezember und im Januar die Türen geschlossen, auch  wenn die Mitarbeiter nicht in einem gemeinsamen Winterlager ausharren müssen. Wein und Würfelspiel dürften sich aber auch bei ihnen nach über 2000 Jahren immer noch einer gewissen Beliebtheit erfreuen.

Und nun erwacht das Römermuseum schon bald zu neuem Leben, wenn auch ohne Kriegsgeschrei, denn die zeitgenössischen Römer aus dem Manipel der Legio prima Germanica aus Waldgirmes werden äußerst friedlich sein und gerne auch kindliche Fragen beantworten. Zum Beispiel, wer die Standarte halten und wer einen Federbusch tragen darf und ob ein Römer Unterhosen unter seinem Waffenrock trug.

„Unser großer Tag ist der 5. Mai“, betont Sabine Emser, die die römischen Frühjahrs- und Sommerveranstaltungen zusammen mit den Kollegen aus dem Kulturamt organisiert hat. „Diesmal ist alles ein bisschen anders, es ist uns gelungen, mal ganz andere Aspekte aus der Römerzeit zeigen zu können.“

Dazu gehört der Musiklehrer Justus Willberg, der zu den weltweit führenden Spezialisten für die Musik der römischen Antike gilt. Mit Nachbauten antiker Musikinstrumente – Aulos, Kithara und der römischen Wasserorgel – konzertiert er in ganz Europa, und am 4. und 5. Mai auch in Schwarzenacker. Sabine Emser freut sich schon, „wenn erstmals an diesem Tag antike Klänge den römischen Markt beleben.“

Am ersten Mai-Wochenende wird es so römisch wie selten zuvor in Schwarzenacker, denn bereits am Samstag, 4. Mai, wird um 16.30 Uhr von der römischen Gruppe „Raetici“ eine Braut eingekleidet, die um 17.30 Uhr nach römischem Ritual in Schwarzenacker verheiratet wird. Nun hätte sich eine echte Römerin vermutlich nicht gerade mit Begeisterung in einem staubigen Etappenkaff trauen lassen. Sie hätte es wohl auch empörend gefunden, gleich nach dem Einkleiden schon zur Trauung geschubst zu werden, zumal das Einkleiden bei den Römern am Vorabend geschah. Aber wer hat nach über 2000 Jahren schon so viel Zeit?

Wer mehr über den römischen Alltag erfahren möchte, kann dem Haussklaven lauschen oder dem „historischen Fischer“, der erstmals zu Gast ist. Wie immer, sind Marktstände aufgebaut, an denen es Glas, Schmuck und Töpferwaren zu kaufen gibt. Die Töpferin zeigt, wie man die typisch römischen Alltags-Gefäße gefertigt hat, die in wohlhabenderen Haushalten mit einer Glasur überzogen wurden. Ein Besenbinder und ein Maler erklären ihr Handwerk, das sie entweder als Sklave im Dienste eines Herrn oder später als Freigelassener ausüben konnten. Es gibt römische Repliken zu kaufen, ebenso die begehrten weichen römischen Lederschuhe und Sandalen – und römischen Wein. Nicht nur das saure Posca-Essig-Getränk, sondern „echten“ Wein, wie Sabine Emser versichert. Ein pfälzischer Winzer baue als Hobby in einem seiner Weinberge Reben an, von denen bekannt ist, dass es diese Sorte schon in der Römerzeit gegeben habe. „Dieser Wein wird beim Wirt Capitolinus ausgeschenkt“. Hier dürfte auch das Interesse groß sein.

„Wir haben diesmal ein wirklich besonderes Programm aufgestellt“, betont die Organisatorin, „wir wären sehr froh, wenn dies bei der Bevölkerung auf entsprechendes Interesse stieße.“ Neben Einzelveranstaltungen wie besagter Hochzeit, einer Weihezeremonie im Tempel, einer Verhaftung und einer Aburteilung eines Verbrechers vor einem römischen Gericht, sind Legionäre und Gladiatoren übers Gelände verteilt, die an beiden Tagen für eine Mischung aus Faszination und etwas Grusel bei den Kindern sorgen. Gerade für Kinder gibt es wieder ein besonderes Mitmach-Programm, wobei sich das Ausgraben archäologischer Schätze besonderer Beliebtheit erfreut.Wie immer, ist natürlich die römische Küche geöffnet, es gibt kalte und warme Häppchen und natürlich ist der Römergrill in Betrieb, auf dem neben lukanischen Würstchen auch anderes, zeitgenössischeres Grillgut brutzelt.

Übrigens: Am Sonntag, 5. Mai, ist der Familientag in Schwarzenacker mit dem im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim verbunden. Wer will, kann von den Römern im Homburger Stadtteil zu denen an der französischen Grenze pendeln. Eine Buslinie steht an diesem Tag zur Verfügung.

Legio prima Waldgirmes. Foto: Hartmut Krämer
Gladiatorenschule Trier. Foto: Jan Krüger

Nach dem Auftakt am ersten Mai-Wochenende geht es im Römermuseum Schlag auf Schlag weiter, es folgen Koch- und Kräuterkurse, darunter am 8. Mai zum ersten Mal ein römischer Kochnachmittag für Senioren mit Museumsführung und  gemeinsamem Essen. Natürlich tragen dazu alle eine Leinen-Tunika wie einst die Küchensklaven.

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