Altlasten bremsen Entwicklung

Bei Bauarbeiten wurden Altlasten unter dem Eduard-Vollmar-Platz festgestellt. Das bestätigt ein Gutachten. Eine aktuelle Gefährdung gehe von den Funden nicht aus. Daher müsse das Gelände nicht abgesperrt werden, sagt die Stadt.

Wirklich schön sehen der Erbacher Eduard-Vollmar-Platz und der leer stehende Supermarkt in unmittelbarer Nähe als Ensemble nicht aus. Dabei könnte das Bild dort an der Berliner Straße schon längst ein anderes sein. Ein Investor möchte auf dem Gesamtgelände einen neuen Discounter bauen (wir berichteten).

Doch genau an dieser Stelle holte die Stadt die Vergangenheit ein. Denn: Eine frühere Gewerbeansiedlung hat dort massive Altlasten im Boden hinterlassen. Nachdem es in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden war um diese unschöne Geschichte, gab Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff auf Nachfrage Einblick in den Stand der Dinge. Grundsätzliches habe sich nichts geändert. "Nachdem bei den Bauarbeiten Funde gemacht wurden, die den Verdacht auf eine Altlast in der Erde vermuten ließen, wurde ein Gutachten für die städtische Fläche in Auftrag gegeben, die eine Altlast bestätigt hat. Die Ergebnisse des Gutachtens liegen auch dem Landesamt für Arbeitsschutz und Umwelt vor." Eine aktuelle Gefährdung für Mensch, Tier oder Natur gehe von der Altlast nach derzeitigen Erkenntnissen nicht aus. "Daher musste das Gelände auch nicht abgesperrt werden. Die Bauarbeiten allerdings ruhen seit dieser Feststellung einer Altlast." Dieses Ruhen dauert nun schon mehrere Monate. Da stellt sich die drängende Frage: Wie und wann geht es weiter? Jürgen Kruthoff: "Das weitere Vorgehen hängt nun auch vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz ab. Bisher haben wir noch keine Handlungsanweisung oder -empfehlung bekommen. Klar ist nach derzeitigen Stand der Dinge allerdings, dass die Kosten einer Altlastensanierung deutlich höher liegen werden als der mögliche Erlös bei einem Verkauf der städtischen Fläche an den Investor." Dieser Verkauf sei bisher noch nicht geschehen, der Investor halte derzeit noch an seinen Plänen fest. "Ein Verkauf der Fläche würde aber immerhin einen großen Teil der Kosten einer möglichen Sanierung wieder einbringen, sofern der Investor an Projekt und Grundstück weiter interessiert bleibt."

Sollte die Stadt am Ende für die Altlastensanierung selbst aufkommen müssen, müsse geklärt werden, so Kruthoff, wie man dies angesichts der leeren Kassen finanziell stemmen könne. "Wir warten jetzt die Entscheidung des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz ab. Sollte eine Sanierung erfolgen müssen, müssen wir auch mit dem Landesamt für Verwaltung sprechen, ob wir einen entsprechenden Kredit aufnehmen dürfen. Es kann aber auch sein, dass wir Geld in kommende Haushalte einstellen müssen, um die Sanierung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen."

Alles in allem: Die Entwicklung am Eduard-Vollmar-Platz scheint derzeit mehr Fragen aufzuwerfen als Antworten zu geben. Dazu zählt auch der Verdacht, unter dem Gebäude des ehemaligen Supermarktes selbst könnten ebenfalls Altlasten lauern. "Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz hat auch das Gebiet unterhalb des Gebäudes begutachten lassen. Diese Ergebnisse liegen uns nicht vor, gehen uns aber aus Datenschutzgründen nichts an, da es sich nicht um städtische Flächen, sondern Privateigentum handelt", erläuterte Kruthoff. Immerhin wollte der Pressesprecher das Projekt noch nicht abhaken: "Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch, auch mit dem Investor. Noch sind verschiedene Wege möglich und denkbar, eine genaue Vorgehensweise kann zu diesem Zeitpunkt nicht genannt werden."