Als Jahrgangsbeste wurde Jessica Lehberger im Gartenbau geehrt

Ehrung : Jessica Lehberger Beste im Gartenbau

Die 21-Jährige absolvierte mit Erfolg ihre Ausbildung im Berufsbildungszentrum des Jugenddorfes in Homburg.

Jessica Lehberger hat ihre Chance ergriffen und ihr Leben in die Hand genommen. Die 21-jährige Gehilfin im Gartenbau mit Schwerpunkt Zierpflanzenbau wurde kürzlich bei der Absolventen-Feier im Jugenddorf Homburg als Landesbeste ausgezeichnet (wir berichteten).

„Viele haben an mir gezweifelt, viele aber auch an mich geglaubt“, erinnert sie sich an schwere Zeiten. Die junge Frau aus Illingen hat eine ausgeprägte Lese-Rechtschreibschwäche. „Lesen gelernt habe ich erst hier im Christlichen Jugenddorf (CJD). Jetzt lese ich manchmal sogar ein einfaches Buch“, erzählt sie. Sie gehört zu den besonderen Menschen, denen die Bildungsinstitution mit den christlichen Menschenwerten unter dem Motto „Jeder ist wichtig, keiner darf verloren gehen“, seit 40 Jahren den Weg in ein eigenständiges Leben ebnet. Einem engagierten Lehrer, der ihr Prüfungsfragen vorlas und ihre Antworten notierte, verdankte sie ihren Hauptschulabschluss. Das Lernen selbst macht der Musterschülerin wenig Mühe, nur das Lesen wollte nicht gelingen. In der Zeit der Berufsvorbereitung hatte sie einen „Hänger“. „Ich habe mir die Ausbildung nicht zugetraut und wollte abbrechen“, erinnert sie sich.

Doch die Motivation durch das engagierte CJD-Team war stärker, die ehrgeizige junge Frau nutzte ihre Chance mit großem Elan. Auf vielen Wegen wurde versucht, ihr das Lesen beizubringen, bis der Knoten platzte. „Das Schaffen war nie das Problem“, beschreibt sie ihre Freude an der Arbeit mit den Pflanzen von Anfang an. Deshalb betrieb sie ihre Ausbildung mit so großem Engagement und Interesse, dass sie am Ende die beste Abschlussprüfung bei den Gartenbauhelfern geschafft hat.

Doch dieser Erfolg reicht Jessica Lehberger nicht. „Ich bin ja trotzdem jetzt nur Helferin“, strebt sie umfassendere Tätigkeiten und weitreichende Karrieremöglichkeiten an. Am 14. August bestand sie ihre Prüfung, direkt am 16. August, nach dem Feiertag, begann die zielstrebige junge Frau eine Ausbildung zur Gärtnerin im Fachbereich Friedhof in Neunkirchen. „Ich habe ein Jahr angerechnet bekommen und lerne nur zwei Jahre“, freut sie sich. Dabei gehe es nicht nur um geeignete Pflanzen, sondern auch mit Grabanlagen und der Steinpflege, kennt sie sich gut aus. Trotz der mühseligen Anfahrt jeden Morgen und Abend macht ihr die neue Arbeit viel Freude. Sie wünscht sich eine Wohnung in Neunkirchen oder Umgebung, doch das sei finanziell noch nicht zu stemmen. Eine klare Vorstellung hat die Jahrgangsbeste auch für ihre Karriereplanung. Sie sagt: „Ich will meinen Meister machen. Und wenn ich älter bin und die schweren Säcke nicht mehr schleppen mag, will ich in einem großen Fachmarkt als Abteilungsleiterin arbeiten.“

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