Alles Theater: Krimi, Dreck und große Liebe

Homburg · Noch achtmal macht der Homburger Saalbau in dieser Saison Theater, zwei Stücke für Kinder sind darunter. Die Gastspielgruppen bringen eine breite Themenmischung mit: von Mord und Totschlag bis zu Liebesfreud und -leid in verschiedenen Jahrhunderten.

 Ein Klassiker und doch modern: Am 4. Dezember bringt die Shakespeare Company Berlin „Romeo & Julia" auf die Bühne des Homburger Saalbaus. Foto: © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de!

Ein Klassiker und doch modern: Am 4. Dezember bringt die Shakespeare Company Berlin „Romeo & Julia" auf die Bühne des Homburger Saalbaus. Foto: © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de!

Foto: © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de!

Der Tod auf der Bühne greift gleich mehrmals um sich, wenn im Homburger Saalbau Theatergastspiele anstehen: Krimis, Psychothriller und Krimikomödien haben nämlich Konjunktur. Und so geht's auch in Nummer drei der aktuellen Gastspielsaison um Mord - und das auch noch in Verbindung mit Theater . "Die 39 Stufen" heißt die Kriminalkomödie von John Buchan & Alfred Hitchcock , die in einer Bühnenbearbeitung von Patrick Barlow am Donnerstag, 6. November, 20 Uhr, im Saalbau zu sehen ist.

Das Stück spielt 1935 im Vorkriegs-England. Richard Hannay steckt in einer Midlife-Crisis und sucht im Theater Ablenkung. Die bekommt der Junggeselle mit der schönen Annabella. Diese wird allerdings wenig später in seiner Wohnung erstochen aufgefunden. Glücklicherweise konnte sie Hannay vorher in ihr Geheimnis einweihen: Sie ist Geheimagentin. Alfred Hitchcocks schwarz-weiße Kriminalkomödie wird auf der Bühne nicht nur farbig, sie sei, so wird's versprochen, mit Spannung, Slapstick., feiner Ironie und schwarzem Humor gewürzt.

Tot sind die Opfer in dem Psychothriller "Der Seelenbrecher" von Sebastian Fitzek zwar nicht, aber auch nicht mehr richtig lebendig. Drei Frauen - alle jung, schön und lebenslustig - verschwinden in dem Bestseller, der als Bühnenstück in Homburg am 7. Mai zum Saisonfinale zu sehen ist, spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den "Seelenbrecher" nennt, genügt: Als man die Frauen wieder aufgreift, sind sie verwahrlost, psychisch gebrochen - wie lebendig in ihrem eigenen Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik in Berlin-Wannsee.

Zum Tod gesellt sich in "Romeo & Julia", dem Shakespeare-Klassiker schlechthin, die Liebe. Die Shakespeare Company Berlin bringt die Geschichte am 4. Dezember in den Saalbau. Dabei soll Shakespeare als modernes Volkstheater zugleich künstlerisch anspruchsvoll und unterhaltsam umgesetzt werden. In den Inszenierungen steht die Spielfreude und Musikalität des Ensembles im Vordergrund. Die Begegnung zweier Liebender aus verfeindeten Familien, die ihr Glück verheimlichen müssen und am Ende für ihre Liebe sterben wird in eigener Übersetzung präsentiert.

Um eine moderne Form des Liebens und gemeinsamen Lebens geht es in "Patrick 1,5" am 22. Januar mit dem durch TV-Rollen etwa im "Tatort", "Soko Leipzig" oder "In aller Freundschaft" bekannten Jan Hasenfuß. Göran und Sven leben in einer "eingetragenen Partnerschaft", und möchten ein Kind adoptieren. Sie bekommen eine Ausnahmegenehmigung und erwarten jeden Augenblick die Ankunft von Patrick, 1,5 Jahre alt. Durch ein Versehen beim Sozialamt steht jedoch der kriminelle Rabauke Patrick, 15 Jahre alt, in der Tür. Trotz aller Vorurteile müssen die drei sich erst einmal arrangieren. Die turbulente Komödie bietet viele Pointen, Situationskomik, wirbt aber auf ihre spezielle Art auch um Toleranz.

Um Beziehungen geht es auch in dem Großstadtmärchen "Zusammen ist man weniger allein" nach dem Bestseller von Anna Gavalda , der auch mit Audrey Tautou und Guillaume Canet verfilmt wurde, die Bühnenfassung hat Anna Bechstein geschrieben. Vier grundverschiedene Menschen leben in einer verrückten Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten, bis die Fetzen fliegen, und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen. In einer Art umgekehrtem Domino-Effekt helfen sich die vier gegenseitig auf und meistern so Alltagsprobleme wie Älterwerden, Scheidungen, Einsamkeit, Liebeskummer - das ganz normale Lebenschaos. Gewürzt wird das Stück mit verschiedenen Chansons.

Hinter dem etwas monströsen Titel "Darf ich noch auf eine Ohrfeige mit raufkommen" verbirgt sich ein Ausflug in die Beziehungs-Psychologie um den von seiner Frau verlassenen Thomas, der mit Hilfe von Kontaktanzeigen eine Berg- und Talfahrt der Gefühle erlebt. Auf de Bühne zu sehen sind dabei am 16. April Christian Holdt und Tanja Baumgart.

Die Nachwuchs-Theaterfans können sich über zwei Stücke speziell für sie freuen. Noch vor Weihnachten, am 12. Dezember, kommen die wunderbar schmuddeligen Olchis. Diese leben auf der Müllkippe, fressen am liebsten alte Autoreifen und fluchen schleimeschlammig vor sich hin. Als sie von einem Weihnachtsmarkt erfahren, wollen sie Selbstgemachtes auf dem Markt verkaufen. Nicht gegen Geld, sondern gegen Schuhsohlen und Fischgräten. Das Theater auf Tour bringt das ganz frische Kindermusical "Die Olchis feiern Weihnachten" - Premiere ist erst in zwei Wochen - mit nach Homburg .

Auch die Lokalmatadoren des Homburger Amateur Theaters widmen sich den kleinen Theaterbesuchern. "Prinzessin in Not" heißt das Stück, das am 24. März im Saalbau zu sehen sein wird. Darin gibt es nicht nur eine echte Prinzessinnenkonferenz, sondern - so wie es sich für ein Märchen gehört - auch ein gutes Ende.

 Nicht in Hitchcockschem Schwarz-Weiß, sondern in Farbe ist die Krimikomödie „Die 39 Stufen“ am Donnerstag, 6. November, in Homburg zu sehen. Foto: Hans von Draminski

Nicht in Hitchcockschem Schwarz-Weiß, sondern in Farbe ist die Krimikomödie „Die 39 Stufen“ am Donnerstag, 6. November, in Homburg zu sehen. Foto: Hans von Draminski

Foto: Hans von Draminski
 Viele Kinder lieben die Bücher über die schmuddeligen Olchis. Nun kommen sie in Homburg auf die Theaterbühne. Foto: Verlag Friedrich Oetinger/Theater auf Tour

Viele Kinder lieben die Bücher über die schmuddeligen Olchis. Nun kommen sie in Homburg auf die Theaterbühne. Foto: Verlag Friedrich Oetinger/Theater auf Tour

Foto: Verlag Friedrich Oetinger/Theater auf Tour
 Zusammen leben als homosexuelles Paar mit einem adoptierten Sohn, der sich nicht als das erwartete Kleinkind, sondern als krimineller 15-Jähriger entpuppt: Auf dieser Gemengelage fußt „Patrick 1,5“. Das Stück bietet Pointen, soll aber auch zum Nachdenken anregen: am 22. Januar in Homburg. Foto: Theatergastspiele Fürth

Zusammen leben als homosexuelles Paar mit einem adoptierten Sohn, der sich nicht als das erwartete Kleinkind, sondern als krimineller 15-Jähriger entpuppt: Auf dieser Gemengelage fußt „Patrick 1,5“. Das Stück bietet Pointen, soll aber auch zum Nachdenken anregen: am 22. Januar in Homburg. Foto: Theatergastspiele Fürth

Foto: Theatergastspiele Fürth
 Das Buch „Zusammen ist man weniger allein“ der Autorin Anna Gavalda verkaufte sich hervorragend. Die Theaterfassung, die am 5. März im Saalbau zu sehen ist, stammt von Anna Bechstein. Das A.gon Theater zeigt das Großstadtmärchen animiert mit verschiedenen Chansons. Foto: a.gon Theater München

Das Buch „Zusammen ist man weniger allein“ der Autorin Anna Gavalda verkaufte sich hervorragend. Die Theaterfassung, die am 5. März im Saalbau zu sehen ist, stammt von Anna Bechstein. Das A.gon Theater zeigt das Großstadtmärchen animiert mit verschiedenen Chansons. Foto: a.gon Theater München

Foto: a.gon Theater München

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Auf einen BlickTheatergastspiele gibt es im Hombuger Saalbau immer donnerstags, 20 Uhr - Ausnahmen sind die Kindertheaterangebote am 12. Dezember und am 24. März. Die Termine im Überblick: 6. November: Kriminalkomödie "Die 39 Stufen", 4. Dezember: "Romeo & Julia" von William Shakespeare , Freitag, 12. Dezember, 10 und 15 Uhr: "Die Olchis feiern Weihnachten", 22. Januar: "Patrick 1,5", 5. März: Liebeskomödie "Zusammen ist man weniger allein", Anna Bechstein nach dem Buch von Anna Gavalda , Dienstag, 24. März, 10 und 15 Uhr: "Prinzessin in Not", Homburger Amateur Theater , 16. April: "Darf ich noch auf eine Ohrfeige mit raufkommen?", 7. Mai: Psychothriller "Der Seelenbrecher", Sebastian Fitzek .Karten für die Theatergastspiele im Homburger Saalbau kosten 22 und 20 Euro, ermäßigt 17 und 15 Euro. Für die beiden Kindertheaterstücke kosten die Tickets 5 und 7 Euro. Erhältlich sind die Karten unter anderem im Homburger Kulturamt, Rathaus, Am Forum, Tel. (0 68 41) 10 11 68, auch online über die Internetseite der Stadt Homburg www.homburg.de unter dem Punkt Kultur sowie direkt unter www.ticket-regional.de ust

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